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„Spacs“-Investitionen : Börsenmantel jetzt auch in Frankfurt

Der Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt Bild: obs

„Spacs“ erfahren einen ungekannten Boom. Eine solche Hülle gibt es jetzt auch an der hiesigen Börse. Ist das ein gutes Geschäft für Anleger?

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          Die Welle neuer Börsenmäntel schlägt immer höher und schwappt nun auch nach Deutschland. In den ersten eineinhalb Monaten dieses Jahres hat die Welt schon mehr als halb so viele „Spacs“ gesehen wie im gesamten Jahr 2020, in dem die Zahl der leeren Übernahmevehikel explodiert war. Nun kommt auch in Deutschland eine solche Gesellschaft ohne operatives Geschäft auf den Markt – als erste in einem neuen Versuch, das Modell hierzulande zu etablieren. Die Beteiligungsgesellschaft Lakestar sammelt 275 Millionen Euro dafür ein.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Spac“ steht für „Special purpose acquisition company“: eine Mantelgesellschaft, die im ersten Schritt an der Börse Kapital einsammelt – und sich im zweiten Schritt auf die Pirsch macht, um ein privates Unternehmen zu übernehmen, eventuell auch mehrere. Normalerweise stehen „Sponsoren“ hinter einem Spac. Damit sind in diesem Fall nicht – wie sonst im Kapitalmarkt-Sprech – Finanzinvestoren gemeint, sondern Personen mit Kapitalmarkterfahrung: Investmentbanker etwa, Industriemanager oder auch frühere Beteiligungsspezialisten. Sie investieren selbst, sollen ihr Kontaktnetz auf der Suche nach einem Übernahmeobjekt nutzen und möglicherweise die unternehmerische Führung übernehmen. Das soll Anlegern Vertrauen einflößen.

          Zunächst wenige Spacs in Europa

          In Deutschland hatte es 2008 ein erstes Spac namens Germany1 gegeben, zum Erwerb von Unternehmen aus dem heimischen Mittelstand – notiert allerdings an der Börse Amsterdam. Als Fachleute-Trio standen der Strategieberater Roland Berger, der einstige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff und der Investmentbanker Florian Lahnstein dahinter. Der Datendienstleister Dealogic weist als vorerst letzte Börsengänge (Initial Public Offerings, IPO) in Deutschland, die als Spac gestaltet waren, zwei Gesellschaften im Jahre 2010 aus. Danach wurde es ruhig um diese Anlageform.

          International ging das Geschäft zwar weiter, nahm aber erst im vergangenen Jahr wieder richtig Fahrt auf – und zwar vornehmlich in Amerika. Nach Dealogic-Daten waren 2016 auf der Welt 24 Spac-IPOs zu verzeichnen, in den drei Folgejahren jeweils um die siebzig; im vergangenen Jahr schoss die Zahl schließlich hoch auf 256.

          Und dieses Jahr ist stramm auf Rekordkurs. Denn bis zum gestrigen Mittwoch zählten die Statistiker schon 153 Spac-IPOs, die zusammengenommen gut 38 Milliarden Dollar einsammelten. Ein Spac schaut sich dann – ausgestattet mit dem Blankoscheck – nach einer Unternehmung um, die er sich einverleibt. Typischerweise sammelt ein Börsenmantel um die 250 bis 350 Millionen Dollar ein und hat zwei Jahre Zeit, um ein Unternehmen zu finden. Sonst bekommen die anfänglichen Investoren ihr Geld zurück.

          Jetzt will die Beteiligungsgesellschaft Lakestar mit einem Spac an die Frankfurter Börse. Als Frontmann schickt sie den Risikokapitalinvestoren Klaus Hommels ins Feld, der bis zu 275 Millionen Euro einsammeln soll. Geführt werden soll der „Lakestar Spac1“ vom ehemaligen Burda-Manager Stefan Winners. Schon am kommenden Montag soll die Gesellschaft auf dem Börsenzettel stehen. Hommels und Winners haben dann bis 2023 Zeit, um ein europäisches Unternehmen zu finden, das sie auf den Spac verschmelzen können und damit durch die Hintertür an die Börse führen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Spac ein Unternehmen aus dem Portefeuille von Lakestar erwerbe – wobei man betont, beide Einheiten seien getrennt. Nach eigenem Bekunden will Hommels mit dem Gang aufs hiesige Parkett dazu beitragen, einen Ausverkauf junger europäischer Unternehmen an amerikanische Spacs zu verhindern. Europäische Spacs landeten bisher oft an der Amsterdamer Börse, die zum Verbund Euronext gehört.

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