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Börsengang von Neobroker : Robinhood will an die Börse

Das Logo des amerikanischen Neobrokers Robinhood Bild: AP

Trotz aller negativen Schlagzeilen des amerikanischen Billig-Brokers strebt das Unternehmen an die Börse und wählt dabei einen konservativen Weg.

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          Schon länger wurde damit gerechnet, nun ist es offiziell. Der amerikanische Neobroker Robinhood strebt an die Börse. Das Unternehmen hat bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC einen vertraulichen Antrag für eine Erstnotiz eingereicht. Das geht aus einer Unternehmensmitteilung des Brokers vom Dienstag hervor. Demnach soll das Initial Public Offering, kurz IPO, stattfinden, sobald die SEC ihre Prüfung abgeschlossen hat. Beobachter rechnen mit dem Börsengang schon im zweiten Quartal dieses Jahres. 


          Laut der Finanznachrichtenagentur „Bloomberg“ sollen die Robinhood-Aktien künftig an der Technologiebörse Nasdaq gelistet sein. Marktbeobachter schätzen, dass Robinhood bei einem Börsengang auf eine Bewertung von 20 Milliarden Dollar kommen könnte. Aktuell wird das Unternehmen noch mit 11,7 Milliarden Dollar bewertet.

          Traditioneller Weg an die Börse

          Unklar war lange, für welche Form des Börsengangs sich Robinhood entscheiden würde. Mit dem IPO hat sich das Unternehmen für den traditionellen Weg an die Börse entschieden, und damit gegen ein direktes Listing oder den Zusammenschluss mit einer Special Purpose Acquisition Company (Spac). 


          Robinhood gilt als Pionier der Neobroker, im Jahr 2013 hatten die beiden Mitbewohner und Stanford-Studenten Vlad Tenev und Baiju Bhatt das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien gegründet. Die Handelsplattform, die nach dem Bogenschützen und Helden im Sherwood Forest benannt wurde, hat den Trend des gebührenlosen Handelns losgetreten und auch andere Finanzgrößen in Amerika dazu gezwungen, die Gebühren drastisch zu senken. Das Unternehmen zielt dabei vor allem auf jüngere Privatanleger. 

          Imageschaden für Neobroker


          Das Image des Broker-Helden, der allen Amerikanern den kostengünstigen Handel ermöglichen wollte, hat aber gerade in der jüngeren Vergangenheit kräftig gelitten. Im Zuge der Gamestop-Aktienrally Anfang des Jahres haben Privatanleger den Preis des Videospiele-Einzelhändlers Gamestop innerhalb eines Monats von rund 17 Dollar auf bis zu 340 Dollar nach oben getrieben. Die meisten der Anleger handelten über den Billig-Broker Robinhood. Sie wetteten dabei vor allem gegen große Hedgefonds, die auf fallende Gamestop-Kurse gesetzt hatten und damit Milliarden-Verluste einfuhren.

          GAMESTOP CORP. A

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          Als der Kursrausch Ende Januar keinen Halt mehr fand, schränkte Robinhood den Handel mit Gamestop und zwölf anderen volatilen Werten zeitweise ein. Kunden konnten die Titel nur noch verkaufen, aber nicht mehr kaufen. Dem Broker wurde daraufhin vorgeworfen, im Sinne der Hedgefonds gehandelt zu haben. Robinhood wies die Anschuldigungen zurück. Die Prüfung der einseitigen Handelseinschränkung hält in Amerika nach wie vor an. 

          Robinhood profitiert trotz negativer Schlagzeilen


          Auch im vergangenen Jahr sorgte Robinhood für negative Schlagzeilen. Im Juni 2020 beging ein 20-jähriger Robinhood-Trader Selbstmord, weil ihm fälschlicherweise ein Fehlbetrag von 730.000 Dollar in der App angezeigt wurde. Und Ende 2020 musste Robinhood eine von der SEC verhängte Strafe in Höhe von 65 Millionen Dollar zahlen, weil das Unternehmen den Kunden seine Haupteinnahmequelle zwischen 2015 und 2018 verschwiegen hatte. Demnach leitete Robinhood die Kundenaufträge an sogenannte Market Maker weiter, und erhielt dafür Zahlungen, sogenannte Payment for Order Flows. Trotz alledem profitiert Robinhood wie auch viele andere Broker derzeit vom Anleger-Boom an den Märkten, der für einen stetigen Strom an neuen Kunden sorgt. Die Plattform zählt zurzeit mehr als 13 Millionen Kunden.

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