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Rüstungskonzern aus Bayern : Was steckt hinter dem Börsengang von Hensoldt?

Auch im Tarnkappenjet von Lockheed steckt ein Radar von Hensoldt. Bild: dpa

Die Aktien des Rüstungselektronik-Konzerns Hensoldt werden vor dem geplanten Börsengang für 12 bis 16 Euro angeboten. Das Unternehmen will mit dem Gang an die Börse mindestens 400 Millionen Euro erlösen.

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          Der bayerische Rüstungselektronik-Konzern Hensoldt bietet im Rahmen des geplanten Börsengangs seine Aktien in einer Preisspanne zwischen 12 und 16 Euro an. Diese können von Mittwoch an bis zum 23. September gezeichnet werden.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hensoldt will mit dem Börsengang mindestens 400 Millionen Euro erlösen und brutto 300 Millionen Euro für das Unternehmen selbst erlösen, wobei Kosten von 39 Millionen Euro anfallen. Vom tatsächlichen Verkaufpreis wird abhängen, wie viel Aktien neu emittiert werden, ihre Zahl liegt danach zwischen 18,75 und 25 Millionen.

          Dies gilt analog auch für die Anteile, die die Alt-Aktionäre abgeben, in diesem Fall KKR. Der Finanzinvestor behält sich aber bei entsprechender Nachfrage eine Aufstockung der Emission vor, die ihm einschließlich der Mehrplazierungsoption insgesamt 277 Millionen Euro einbringen könnte.

          Ertragsseite mit Verbesserungspotential

          Mit den Erlösen will das Unternehmen einen Teil seiner Schulden tilgen. KKR hatte die ehemalige Rüstungselektronik-Sparte von Airbus vor vier Jahren gekauft und in Hensoldt umbenannt. Die Akquisition wurde teilweise durch Schuldenaufnahme seitens des Unternehmens finanziert, die Restschuld beläuft sich auf gut eine Milliarde Euro. Mit dem Erlös des Börsengangs könnte Hensoldt die Schuldenlast auf das Dreifache des für 2020 erwarteten operativen Gewinns (Ebitda) von rund 210 Millionen Euro senken, was eine recht niedrige Quote wäre.

          Innerhalb der Spanne käme Hensoldt auf einen Börsenwert zwischen 1,26 Milliarden und 1,58 Milliarden Euro. Bei Erlösen von 1,11 Milliarden Euro im Jahr 2019 ist die Relation von Kurs und Umsatz moderat. 

          In den Jahren 2017 und 2018 hatte Hensoldt Verluste von rund 100 und 60 Millionen Euro verzeichnet. Erst 2019 stand ein kleiner Gewinn von rund 8 Millionen Euro zu Buche. Auf dessen Basis läge das vergangenheitsbezogene Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zwischen 154 und 206. Zudem hat das Unternehmen im ersten Halbjahr des laufenden Jahres weitere Verluste von rund 88 Millionen Euro verbucht.

          Bereinigt um Effekte von Akquisitionen, Transaktionen, Abspaltungen, Bewertungen von Kreditderivaten sowie weitere Positionen, läge das KGV für 2019 bei 31 bis 41, was ein interessanteres Niveau darstellt. In der ersten Jahreshälfte fiel der Gewinn auf bereinigter Basis gegenüber dem Vorjahreszeitraum indes von rund 25 auf gut 16 Millionen Euro, bei einem allerdings um 6 Prozent höheren Umsatz von 440 Millionen Euro.

          Dagegen stieg der Auftragseingang im ersten Halbjahr auf einen Wert von 1,77 Milliarden Euro, rund viermal so viel wie im Vergleichszeitraum 2019 und deutlich mehr als die jeweils rund eine Milliarde Euro in den Gesamtjahren 2017 bis 2019. 2021 soll der Umsatz auf rund 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro steigen. 2022 soll das Wachstum - überträgt man die Angaben in Zahlen - im Bereich um 15 Prozent liegen, mittelfristig soll dieses 5 bis 10 Prozent betragen. Anlaufeffekte von Großprojekten werden aber die operative Marge auch auf bereinigter Basis bis Ende 2021 niedriger ausfallen lassen.

          Aus Emissionskreisen heißt es, historische Reingewinne von Unternehmen im Portfolio von Finanzinvestoren seien stets stark verzerrt. Verwiesen wird auf höhere Finanzierungskosten, Einmaleffekte aus der Restrukturierung oder Kaufpreisabschreibungen. Zudem erhöhe der Mittelzufluss den Unternehmenswert, so dass die künftige Bewertung des Unternehmens deutlich niedriger sein werde. Dass künftige Kurs-Gewinn-Verhältnisse in aller Regel mitunter deutlich niedriger sind als historische, liegt in der Natur wachsender Unternehmen. Selbst wenn also die Marge nicht mit dem Umsatzwachstum Schritt halten sollte, dürfte der Gewinn je Aktie vor allem 2021 womöglich sogar deutlich höher ausfallen als in den Vorjahren und sich die Bewertung der Aktie günstiger gestalten als es historische KGVs suggerieren. Ein historisches KGV im Bereich von 30 bis 40 im Vorfeld eines Börsengangs ist auch nicht ungewöhnlich. Es wäre vielmehr alarmierend, wenn ein KGV nach einem Börsengang nicht (deutlich) sänke.

          Für das Unternehmen spricht auch das Ziel der Bundesregierung, die Verteidigungsausgaben dauerhaft zu erhöhen. Immerhin ist die Bundeswehr Hauptkunde des Unternehmens. Die Bundesregierung hatte sich schon beim Verkauf an KKR in einem „Sicherheitsabkommen“ die Option gesichert, bis zu 25,1 Prozent an Hensoldt zu erwerben. Bis Ende des Jahres müsste der Bund KKR dafür 600 Millionen Euro zahlen, danach kann er zum durchschnittlichen Börsenkurs zugreifen, wenn KKR seinen Anteil auf weniger als 25 Prozent abschmelzen lässt. Auf Basis der Emissionsspanne wäre der Anteil mit 300 bis 400 Millionen Euro bewertet, wobei dies von der Zahl der tatsächlich ausgegebenen Aktien abhängt.

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