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Börsengang : Auch Global Fashion Group muss Abstriche machen

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Als Erfolg wird Rocket-Internet-Chef Samwer den Börsengang der Global Fashion Group wohl eher nicht können. Bild: Reuters

Börsengänge sind in Deutschland derzeit ein mühsames Geschäft. Auch die Global Fashion Group schafft es nur mit viel Unterstützung und großen Abstrichen.

          Der defizitäre Online-Modehändler Global Fashion Group (GFG) aus dem Portfolio der Internet-Holding Rocket Internet hat seinen Börsengang nur mit viel Mühe über die Bühne gebracht. Das Unternehmen musste größere Abstriche machen als zuletzt gedacht.

          Eine Plazierung von bis zu 44 Millionen Aktien für je 4,50 Euro gelang nur mit kräftiger Unterstützung der beiden Großaktionäre, dem schwedischen Investor Kinnevik und eben von Rocket Internet.

          Die beiden Investoren kaufen für jeweils 60 und rund 50 Millionen Euro Aktien aus der Kapitalerhöhung und damit rund 60 Prozent der auf diesem Weg ausgegebenen Aktien. Damit muss Rocket Internet noch etwas mehr Geld investieren als zuletzt erwartet, um den Börsengang zu retten.

          Nur noch halb so viel

          Am Mittwoch hatte das Unternehmen noch angekündigt, neue Aktien des Online-Modehändlers im Volumen von 40 Millionen Euro zu erwerben. Dieser hatte da die eigenen Erwartungen schon deutlich zurück geschraubt und den Angebotspreis stark gesenkt sowie die Zeichnungsfrist verlängert.

          Mit der jetzt plazierten Aktienzahl und einem Maximalerlös von knapp 198 Millionen Euro liegt GFG noch einmal rund 30 Millionen Euro unter dem, was sich das Unternehmen noch Mitte der Woche erhofft hatte. Vom ursprünglichen Ziel ist die Rocket-Internet-Beteiligung weit entfernt: Zum Start des Plazierungsprozesses Mitte Juni wolle die Global Fashion Group noch bis zu 392 Millionen Euro erlösen, mithin also das Doppelte.

          Rocket Internet muss zukaufen

          Rocket Internet hielt vor dem Börsengang rund ein Fünftel der Anteile der Global Fashion Group - wegen der Investition von rund 50 Millionen Euro in die neuen Aktien wird der Anteil von Rocket Internet mit dem Börsengang sogar leicht steigen. Eigentlich wollte das Unternehmen die Beteiligung an GFG verringern. Üblicherweise sind Börsengänge von Beteiligungen von sogenannten Inkubatoren wie Rocket Internet ein möglicher Weg zum (Teil-)Ausstieg.

          Der Anteil des schwedischen Investor und Mitgründers Kinnevik dürfte dagegen leicht sinken. Kinnevik wird aber größter Aktionäre bleiben. Bislang hielten die Schweden knapp 37 Prozent der GFG-Aktien, die am 2. Juli erstmals in Frankfurt gehandelt werden sollen.

          Die Global Fashion Group wurde 2011 gegründet und betreibt Internet-Modehändler wie Dafiti in Südamerika, Lamoda in Russland oder Zalora in Südostasien. Vorbild ist das deutsche Unternehmen Zalando, bei dem Rocket Internet Großaktionär war und Kinnevik noch immer ist. Die Global Fashion Group setzte vergangenes Jahr 1,16 Milliarden Euro um und wuchs damit nur leicht. Unter dem Strich stand ein Minus von 200 Millionen Euro.

          ZALANDO SE

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          Zalandos Umsatz ist im vergangenen Jahr um ein Fünftel auf 5,4 Milliarden Euro gewachsen - zudem verdiente das Berliner Unternehmen dabei Geld. Zalandos Aktienkurs stieg seit dem Börsengang im Jahr 2014 um rund 80 Prozent auf 39 Euro an. Das Unternehmen kommt damit auf einen Börsenwert von fast 10 Milliarden Euro - die Global Fashion Group erreicht nicht mal auf eine Milliarde Euro.

          Der deutliche Bewertungsabschlag ließe sich unter Umständen wenigstens mit Blick auf die unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Unternehmen rechtfertigen. Jedoch wurde Zalando zum Börsengang mit 5,9 Milliarden Euro bewertet, machte zwar keine nachhaltigen Gewinne, aber zwei Milliarden Euro Umsatz. Damit lag das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei fast drei, während es für die Global Fashion Group unter eines liegt. Offenbar ist auch der Optimismus hinsichtlich des möglichen Wachstums seit 2014 merklich geringer geworden.

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