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Börsengänge : Pharmazulieferer Polypeptide will noch im April an den Markt

Bildschirm mit Indizes der Schweizer Börse Bild: dpa

Der Markt für Börsengänge belebt sich weiter. Der erste Neuzugang am Schweizer Aktienmarkt konkretisiert sich. Und hierzulande nimmt mit Meinauto ein Online-Autohändler sein Debüt ins Visier – und hat ein gutes Vorbild.

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          Der Markt für Aktienemissionen belebt sich in diesem Jahr zusehends. In der Schweiz nimmt der erste Neuzugang an der Börse Six konkretere Formen an. Der Pharmazulieferer Polypeptide hat am Mittwoch die Spanne bekanntgegeben, zu der die Aktien im Rahmen des schon angekündigten Börsenganges ausgegeben werden sollen. Mit einem Preis von 57 bis 68 Franken beläuft sich das angebotene Volumen an alten und neuen Aktien inklusive der Mehrzuteilungsoption auf bis zu 896 Millionen Franken. Insgesamt komme das Unternehmen mit schwedischen Wurzeln und Sitz in Zug auf einen Börsenwert von mehr als 2 Milliarden Franken, heißt es. Die Zeichnungsfrist läuft den Angaben zufolge bis zum 28. April. Erstmals gehandelt werden sollen die Aktien an der Börse in Zürich am 29. April.

          Kerstin Papon
          (kpa.), Finanzen, Wirtschaft

          Am vergangenen Montag hatte schon Europas größte Laborkette Synlab die Eckdaten zu ihrem geplanten Börsengang genannt. Abhängig von der Nachfrage will das Münchner Unternehmen bis zu 71,5 Millionen Aktien zu einem Preis zwischen 18 und 23 Euro verkauft werden. Insgesamt käme Synlab auf einen Börsenwert von bis zu 5 Milliarden Euro. Die Aktien der Laborkette können bis zum 27. April gezeichnet werden und sollen am 30. April erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Organisiert wird die Emission von den Investmentbanken Goldman Sachs und JP Morgan.

          Inhaltsstoffe für Krebsmedikamente und Corona-Impfstoff

          Die Transaktion von Polypeptide liegt in den Händen von Joint Global Coordinators, Credit Suisse, Morgan Stanley und Bank of America. Mit dabei sind zudem Berenberg, Danske Bank und die Zürcher Kantonalbank. Mit dem Erlös des Börsengangs sollen Investitionen beschleunigt, die Expansion in neue Geschäftsfelder vorangetrieben und eventuell Zukäufe finanziert werden. Die im Jahr 1996 gegründete Gesellschaft wird von einer Stiftung aus dem Umfeld des schwedischen Milliardärs und Abenteurers Frederik Paulsen Jr. kontrolliert. Paulsen, der in der Westschweiz lebt, hat im Jahr 2007 ein russisches Tauchboot auf den Meeresboden unter dem Nordpol gesteuert.

          Polypeptide entwickelt und produziert Peptide für Pharma-, Biotechnologie- oder Kosmetikunternehmen, also Wirkstoffe, die etwa in Krebsmedikamenten, Antibiotika, Impfstoffen oder Anti-Faltenmitteln zum Einsatz kommen. Produziert wird in Europa, den Vereinigten Staaten und Indien. Auch die Corona-Pandemie sorgt für Phantasie. Denn Polypeptide stellt unter anderem Inhaltsstoffe für den Covid-19-Impfstoff des amerikanischen Konzerns Novavax her. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen mit mehr als 900 Beschäftigten einen Umsatz von 223 Millionen Euro und einen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von 62 Millionen Euro.

          Auto1 deutlich im Plus

          Zudem wurde am Mittwoch bekannt, dass der Online-Autohändler Meinauto Group in den kommenden Wochen an die Frankfurter Börse strebt. Es sollen mindestens 150 Millionen Euro eingenommen werden, um Wachstum zu finanzieren und Schulden zu tilgen. Dies kündigte das Unternehmen aus Unterhaching in der Nähe von München an. Ziel sei ein Börsendebüt noch im zweiten Quartal. Der Börsengang dürfte insgesamt aber deutlich größer ausfallen, weil auch der britische Finanzinvestor Hg Aktien verkaufen wolle, meldete die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf Insiderkreise. Der Börsenwert dürfte demnach mehr als 2 Milliarden Euro betragen. An die Börse begleitet wird Meinauto demnach von den Investmentbanken Bank of America, Barclays, Citi, Jefferies und Unicredit.

          „Der Börsengang ist ein wichtiger Schritt, um das Unternehmen auf seinem Wachstumspfad weiterzuentwickeln und unsere Position als führende Online-Plattform für den digitalen Vertrieb von Neuwagen in Deutschland auszubauen“, sagt der Vorstandschef der Meinauto Group, Rudolf Rizzolli.

          Das Unternehmen will offenbar auf dem Börsenerfolg des Berliner Gebrauchtwagen-Händlers Auto1 aufbauen, der im Januar an die Börse gegangen war. Die Papiere von Auto1 erbrachten rund 1,8 Milliarden Euro. Der bisher größte Börsengang des Jahres in Deutschland gelang im März der Vodafone-Tochtergesellschaft Vantage Towers mit 2,3 Milliarden Euro.  Während Vantage Towers nur knapp oberhalb des Ausgabepreises notierten, haben Auto1 um rund ein Fünftel im Kurs zugelegt.

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