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Börsengänge : Ungewöhnlich belebter Markt

Börsenbulle in Frankfurt Bild: Lachner, Maximilian

Die Weltbörsen verzeichnen das stärkte dritte Quartal seit 20 Jahren. Vor allem in Amerika und China streben viele neue Kandidaten an den Markt.

          3 Min.

          Der Markt für Börsengänge hat sich deutlich belebt. Während es in Deutschland im September nur zwei Börsendebüts gab – das des Wohnmobilherstellers Knaus Tappert und von Hensoldt, der ehemaligen Rüstungselektroniksparte von Airbus – fiel das dritte Quartal insgesamt außergewöhnlich lebhaft aus.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Nach einem schwachen ersten Halbjahr verzeichneten die Aktienmärkte auf der Welt in den vergangenen drei Monaten mit 447 Börsengängen und einem Emissionsvolumen von zusammen 95 Milliarden Dollar sogar das stärkste dritte Quartal seit 20 Jahren. Dies ergibt eine Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY. Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahrs stieg die Zahl der Debüts um rund drei Viertel. Das Emissionsvolumen hat sich mit plus 138 Prozent mehr als verdoppelt.

          Traditionell sei das dritte Quartal eine eher ruhige Phase für Börsengänge, sagt Martin Steinbach, Partner von EY. In diesem Jahr sei jedoch alles anders, es sei das stärkste Vierteljahr im bisherigen Jahresverlauf. Denn aufgrund der Corona-Krise seien im ersten Halbjahr zahlreiche Emissionen verschoben und die Märkte zugleich von Liquidität überflutet worden. Aktienindizes hatten Rekordhochs erreicht.

          Besonders stark entwickelten sich die Märkte in China und den Vereinigten Staaten. Im Reich der Mitte (mit Hongkong) wuchs das Emissionsvolumen um 139 Prozent auf 46,4 Milliarden Dollar und die Zahl der Transaktionen von 86 auf 217 (plus 152 Prozent). In Amerika verdreifachte sich das Volumen nahezu auf 33,1 Milliarden Dollar. Die Zahl der Börsengänge stieg von 38 auf 85 – mehr als eine Verdopplung. In Europa war die Entwicklung weniger deutlich. Die Zahl der Debüts stieg um 56 Prozent auf 39 Emissionen und das Volumen um 51 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar.

          Vor allem viele neue Technologiewerte

          Vor allem Technologieunternehmen strebten an den Markt, gefolgt von der Gesundheitsbranche. Die Corona-Krise verstärke den Trend zur Digitalisierung, sagt Steinbach. Es vergleichen sich 36 Milliarden Dollar für Technologiewerte, weit mehr als ein Drittel des Gesamtvolumens, mit 17 Milliarden Dollar für die sogenannten Healthcare-Titel. Der größte Börsengang der Welt im dritten Quartal war das Debüt des chinesischen Chipherstellers Semiconductor Manufactoring International, der 7,5 Milliarden Dollar einbrachte, gefolgt von dem des amerikanischen Softwareanbieters Snowflake mit 3,9 Milliarden Dollar und dem ebenfalls aus China stammenden Immobilienunternehmen KE Holdings mit 2,4 Milliarden Dollar. Der einzige Börsengang in Europa unter den zehn größten der Welt war der des britischen E-Commerce-Anbieters The Hut Group mit 2,4 Milliarden Dollar.

          In Deutschland gab es sechs Aktienemissionen. Vier – Siemens Energy, Hensoldt, Knaus Tabbert und Brockhaus Capital Management – wählten das Qualitätssegment Prime Standard der Deutschen Börse für ihre Notiz. Gemessen am Volumen war Hensoldt darunter mit 460 Millionen Euro die größte Transaktion. Zwei deutsche Unternehmen – Curevac (Erlös: 245 Millionen Dollar) und VIA Optronics (94 Millionen Dollar) gingen in Amerika an den Aktienmarkt. Während die Debüts hierzulande eher mager ausfielen, war der Börsengang des Impfstoffherstellers Curevac in Zeiten von Corona ein voller Erfolg. Die Aktie wurde zu 16 Dollar begeben und kletterte am ersten Handelstag auf bis zu 56 Dollar – ein Kursplus von 250 Prozent. Aktuell liegt der Kurs ähnlich hoch. Und während die Aktienkurse von Brockhaus Capital oder Hensoldt derzeit unter ihren Emissionspreisen notieren, liegen Knaus Tabbert zumindest darüber, es vergleichen sich 58 Euro mit nun rund 62 Euro.

          „Echte Herausforderung“

          Für eine Jahresendrally für Börsengänge sprechen nach Steinbachs Ansicht das positive Momentum im dritten Quartal, die vorhandene Liquidität und das hohe Bewertungsniveau, gepaart mit vergleichsweise niedriger Volatilität und dem Anlagedruck der Investoren. Steigende Infektionszahlen und fortgesetzte Spannungen zwischen China und den Vereinigten Staaten bedeuteten dagegen Risiken. Auch die bevorstehende Wahl in Amerika sowie der Brexit sorgten für Unsicherheit.

          Die Planung eines Börsengangs sei jedoch in diesen Zeiten eine echte Herausforderung, sagt Steinbach. Wenn die Volatilität wieder steige, müssten sich Börsenkandidaten darauf einstellen, dass sich das Fenster für Aktienemissionen schnell öffne – und auch wieder schlösse. International führe zudem die Diskrepanz zwischen der schwachen konjunkturellen Entwicklung und den hohen Bewertungen unter Anlegern zu Befürchtungen, dass sich eine Blase bilden könne. Dies könnte in dem ohnehin schon turbulenten Börsenjahr zu weiteren Reaktionen führen.

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