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Sprung aufs Parkett : Börsengänge in Amerika heizen Hoffnungen an

Der Rüstungskonzern Hensoldt ist der größte Neuling des Jahres an der Frankfurter Börse. Sie feierte ihn zum Debüt mit dem Logo auf der Anzeigetafel. Bild: Lucas Bäuml

Airbnb und ein weiterer großer Börsenkandidat in Amerika heizen die Stimmung am dortigen Kapitalmarkt an. In Deutschland aber bleibt der Markt lau.

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          Forschere Preiserwartungen zweier großer amerikanischer Börsenkandidaten heizen die Stimmung am dortigen Kapitalmarkt an – während in Deutschland der Markt mau bleibt und Fachleute sich an Hoffnungen auf Projekte im kommenden Jahr klammern. Hohe Marktbewertungen treiben die Erwartungen, doch stellen sich hierzulande offizielle Börsenpläne oft genug als Option B heraus – am Ende verkaufen die Eigner lieber direkt.

          Klaus Max Smolka
          (smo.), Wirtschaft

          In Amerika setzen der Unterkunftsvermittler Airbnb und der Essenslieferant Doordash mit ihrem bevorstehenden Gang aufs Parkett Ausrufezeichen. Gerade haben sie noch die Preisspannen erhöht, zusammengenommen peilen sie Erlöse von mehr als 6 Milliarden Dollar an. Das wird nach Daten des Finanzdatendienstleisters Bloomberg zum stärksten Dezember führen, den amerikanische Börsen an Neuzugängen (kurz: IPOs, Initial Public Offerings) bisher gesehen haben. Und schon der bisherige Jahresverlauf hat den Daten zufolge einen Rekord gebracht, nämlich 156 Milliarden Dollar.

          Eine erstaunliche Bilanz im Krisenjahr Corona. Der amerikanische Eigenkapitalmarkt sei widerstandsfähiger, wie man „weiterhin zyklusübergreifend“ sehe, urteilt Joachim von der Goltz, der bei Credit Suisse das Eigenkapitalmarktgeschäft in Nordeuropa leitet. Er verweist auch auf den Trend zu „Spacs“ in den Vereinigten Staaten, also börsennotierten Hüllen, die für spätere Übernahmen gedacht sind, „Hier haben sich die Emissionsvolumina gegenüber früheren Jahren mehr als vervierfacht.“

          Amerika topp, Deutschland flop

          Ganz anders die Lage in Deutschland: Nach einem schwachen Jahr 2019 mit vier Neulingen auf dem Parkett brachte dieses Jahr kaum mehr: eine Handvoll echte IPOs, der schwerste war der des Rüstungsherstellers Hensoldt mit 460 Millionen Euro. Dazu kam als Sonderfall die Konzernabspaltung („Spin-off“) des Energiegeschäfts von Siemens, in der bestehende Aktionäre die neuen Papiere zugeteilt bekommen. Andere Projekte waren konkret geplant, wurden aber wegen der Corona-Pandemie aufgeschoben.

          Für kommendes Jahr stellt Vodafone in Aussicht, die Funkmast-Sparte an die Börse zu bringen. Der Finanzinvestor EQT bereitet dem Vernehmen nach sein Software-Unternehmen Suse aufs Parkett vor, weitere Projekte sind im Wartestand (siehe F.A.Z. vom 12. September).

          Immer wieder aber werden Börsengänge obsolet, weil sie nur eine Option oder gar Notlösung sind, während parallel ein Verkauf ausgehandelt wird. So gibt EQT den Dienstleister Apleona jetzt direkt ab, ebenso Siemens die Antriebssparte Flender. „Ein Verkauf ist typischerweise sicherer als ein Börsengang“, sagt Holger Knittel, Leiter der Fusionsberatung von Citi im deutschsprachigen Raum. Der Verkauf hängt weniger an täglichen Marktschwankungen und ist auf einen Schlag möglich – anders als der schrittweise, monatelange Ausstieg (Exit) über die Börse. „Die Zeit bis zum Exit dauert beim IPO viel länger“, sagt Knittel. Nach seiner Aussage sind Börsengänge aber wegen der hohen Bewertungen attraktiver geworden. „Es wird verstärkt IPOs geben, zumindest werden sie verstärkt als Option wahrgenommen.“

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