https://www.faz.net/-gv6-9oge9

Preisfrage : Börsengänge finden kaum Anlegerinteresse

Auch das Interesse am Börsengang von Traton blieb überschaubar. Bild: Reuters

VW wird seine Traton-Aktien nur am unteren Ende der Preisspanne los. Zuvor haben Anleger mit vielen Börsenneulingen auch von Rocket Internet Geld verloren.

          Der vermutlich größte Neuling an der Deutschen Börse in diesem Jahr zieht noch weniger Anlegerinteresse an als erwartet. Am Donnerstagnachmittag zeichnete sich ab, dass Volkswagen für die Aktie seiner Nutzfahrzeugsparte Traton nur 27 Euro je Aktie verlangen kann. Damit würde VW die 57,5 Millionen angebotenen Aktien nur ganz am unteren Ende der von 27 bis 33 Euro reichenden Preisspanne verkaufen. Die Traton-Emission erreicht so ein Volumen von 1,55 Milliarden Euro – nur etwas mehr als ein Drittel des größten Börsenneulings im Jahr 2018, als Siemens Healthineers Aktien für 4,2 Milliarden Euro verkaufte.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          An diesem Freitag erleben nun die Traton-Aktien an den Börsen in Frankfurt und Stockholm ihr Debüt. Der deutsche Aktienmarkt wirkt seit Monaten sehr stabil. Nach dem tiefen Einbruch im vierten Quartal 2018 haben sich die meisten Aktienkurse deutlich erholt. Der Dax steht heute mit rund 12.300 Punkten 16 Prozent höher als zu Jahresbeginn und exakt auf dem Niveau von vor einem Jahr. Während der Dax zum Monatsende auf das beste Halbjahr seit zwölf Jahren zurückblicken kann, liegt der verwandte Markt für Börsengänge in Deutschland brach.

          Vor Traton hat es im Jahr 2019 bisher noch kein neues Unternehmen in den Prime Standard der Deutschen Börse geschafft, vor einem Jahr waren es schon neun. Diese neun Neulinge, darunter die großen Brocken Healthineers und DWS, verkauften Aktien für rund 6,7 Milliarden Euro.

          Warum der Markt für Aktienneuemissionen so darnieder liegt, ist ein Stück weit ein Rätsel. Als im vierten Quartal 2018 etliche Unternehmen ihren Börsengang mangels Nachfrage verschieben mussten, war das gut nachvollziehbar. Der Dax verlor damals nicht nur stark, er schwankte auch heftig. Das macht es für Börsenaspiranten, die über einen längeren Zeitraum ein Aktienpaket zu einem festen Preis anbieten, schwer, Käufer anzulocken. Inzwischen aber ist der V-Dax, der die Kursschwankungen am deutschen Aktienmarkt misst, von Werten damals über 25 auf rund 15 gefallen.

          Vielleicht lässt sich das Rätsel des schwachen Marktes für Börsengänge schlicht mit der schlechten Bilanz der letzten Jahre erklären. Nach einer Auswertung der F.A.Z. haben Anleger mit den 47 Börsenneulingen im Prime Standard seit Jahresanfang 2014 nur in 20 Fällen Geld verdient. Von den 22 Unternehmen, die seit dem Jahr 2017 an die Börse gingen, liegen sogar nur sechs Aktien über ihrem Ausgabepreis. Darunter ist mit dem Essenlieferdienst Delivery Hero auch ein Beteiligungsunternehmen von Rocket Internet, der selbst börsennotierten Dachgesellschaft für Internet-Startups. Am meisten verdient haben die Anleger mit dem Börsengang des Batterieherstellers Varta. Diese Aktie wurde im Oktober 2017 für 17,50 Euro ausgegeben, heute kostet sie mit 55,40 Euro mehr als dreimal so viel.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brasilien-Star für Bundesliga : Das ist der Bayern-Plan mit Coutinho

          Der Transfer-Coup ist gelungen, Philippe Coutinho ist ein Münchner. Doch wie soll der Brasilianer den Bayern nun am besten auf dem Rasen helfen? Die Vorstellungen der Münchner bei diesem Ein-Mann-Projekt sind klar.
          Unser Sprinter-Autor: Timo Steppat

          F.A.Z.-Sprinter : Eine Ursula-Koalition für Italien?

          In Italiens Regierungskrise entscheidet sich, ob es Neuwahlen gibt, „Fridays for Future“ feiert Geburtstag – und in Brandenburg denkt man über eine Kenia-Koalition nach. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.