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Wochenausblick : Politische Konflikte dominieren Börsen

  • Aktualisiert am

Aktienhändler an der New Yorker Börse. Bild: AFP

Zum Start der Ferienzeit in Deutschland sorgt die Politik für hitzige Diskussionen auf dem Börsenparkett. Vor allem der Handelsstreit zwischen Amerika und China treibt den Blutdruck der Anleger in die Höhe - und die Kurse nach unten.

          Aktienbesitzer brauchen wohl auch in der neuen Woche gute Nerven. „Die vielen offenen politischen Fragen sorgen an den Börsen, allen voran in Europa, weiter für Verunsicherung“, schreibt Chefstratege Robert Greil von Merck Finck Privatbankiers in seinem Ausblick. So droht der Handelskonflikt zwischen Amerika, China und der Europäischen Union (EU), der schon zuletzt weltweit auf den Kursen gelastet hatte, zu eskalieren. Zudem spaltet der Streit um die Verteilung von Flüchtlingen nicht nur Europa, sondern könnte zu einem Bruch innerhalb der Bundesregierung und zu Neuwahlen führen.

          Auch Karsten Junius, Chefökonom der Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin, sieht derzeit bei keinem der Akteure politische Initiativen für eine Entschärfung des Konflikts. Daher dürften die Anleger - trotz der immer noch starken Konjunkturentwicklung und guter Unternehmensgewinne - ihr Engagement in riskanten Wertpapieren auf mittlere Sicht schrittweise reduzieren. Hierzu zählt Junius die Aktien von Unternehmen aus Europa, Japan und den Schwellenländern. Dagegen könnten insbesondere die Anteilsscheine kleiner und mittelgroßer Firmen aus Amerika mit einem starken Fokus auf den heimischen Markt auf Kaufinteresse stoßen.

          Sicherheit beliebt für Anleger weiter Trumpf

          „Da die Interessenlage innerhalb der EU-Länder stark differiert, wäre eine Einigung (in der Flüchtlingsfrage) eine große Überraschung“, schreibt derweil Claudia Windt von der Landesbank Helaba mit Blick auf den am Donnerstag beginnenden, zweitägigen EU-Gipfel. Für die Wertentwicklung unterschiedlicher Anlageklassen prognostiziert sie „Sicherheit bleibt wohl weiter Trumpf“, setzt also auch in der neuen Woche auf Kurssteigerungen bei Anleihen sowie den Krisenwährungen japanischer Yen und Schweizer Franken.

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          Sollte Kanzlerin Angela Merkel dabei keine gemeinsame Lösung für den Umgang mit Flüchtlingen erreichen können, droht der Bundesregierung eine Zerreißprobe. Die CSU gab Bundesinnenminister Horst Seehofer das Mandat, in anderen EU-Staaten registrierte Flüchtlinge zurückzuweisen. Dies soll ab dem 1. Juli umgesetzt werden. Merkel ist gegen einseitige Maßnahmen.

          Daneben steht die Reform der Währungsunion auf der Agenda. Deutschland und Frankreich wollen dem Rettungsfonds ESM neue Aufgaben zuweisen und ein eigenes Budget für den Euroraum einführen. Schon diese abgespeckten gemeinsamen Maßnahmen seien aber schwer durchzusetzen, da eine Gruppe von Ländern um die Niederlande bereits Widerstand angekündigt habe, fasste Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen zusammen. „Ein Grund für diese Blockade sind die unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Länder.“ So habe Italien wegen des hohen Anteils an faulen Krediten in den Bilanzen seiner Banken ein wesentlich größeres Interesse an einer gemeinschaftlichen Einlagensicherung als Länder wie Finnland, die Niederlande und Deutschland.

          Zweite Runde der Bankenstresstests der Fed

          Die politischen Konflikte drängen die Konjunkturdaten in den Hintergrund. In den Vereinigten Staaten stehen die Einkommen und Ausgaben der Verbraucher am Freitag auf dem Terminplan. Von diesen Zahlen erhoffen sich Anleger Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinserhöhungen in Amerika. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

          Diesseits des Atlantik werden die deutschen und europäischen Inflationszahlen am Donnerstag beziehungsweise Freitag veröffentlicht. Außerdem gibt der GfK-Index am Donnerstag Auskunft über die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Wenige Stunden später folgt das Barometer für die Stimmung in den europäischen Chef-Etagen.

          Mit Spannung warten Anleger zudem auf die zweite Runde der Bankenstresstests von Amerikas Notenbank (Fed). Die erste Probe war eine Simulation von Auswirkungen eines extremen Wirtschaftsabschwungs. Diesen als leichter geltenden Test hat die Amerika-Tochter der Deutschen Bank glatt bestanden. Einem Zeitungsbericht zufolge hatte die Fed das Amerika-Geschäft des deutschen Branchenprimus als „in schwierigem Zustand“ bezeichnet.

          Auch unternehmensseitig dürften kursbewegende Neuigkeiten Mangelware bleiben. Am Donnerstag findet eine Investorenrveranstaltung des Spezialchemiekonzerns Covestro statt. Tags darauf wagt voraussichtlich der Darmstädter Batteriesystem-Anbieter Akasol den Sprung aufs deutsche Börsenparkett.

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