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Deutsche Bank : Börse zweifelt an Umbauplänen

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Großbritannien, London: Menschen gehen an einem Büro der deutschen Bank vorbei. Deutschlands größtes Geldhaus hatte am Sonntag im Zuge eines radikalen Konzernumbaus den Abbau von weltweit rund 18.000 Vollzeitstellen angekündigt Bild: dpa

Anleger und Analysten zweifeln an den Umbauplänen der Deutschen Bank. Der Kurs ist nach einem anfänglichen Hoch eingebrochen. Doch es gibt auch positive Stimmen.

          Die Deutsche Bank drückt aufs Tempo und schafft einen Tag nach Veröffentlichung ihrer radikalen Umbaupläne Fakten. Erste Angestellte in New York, London und Asien mussten schon ihre Sachen packen, teilweise wurden Zugangskarten bereits deaktiviert. 

          Nach anfänglicher Euphorie kommen die Pläne, 18.000 Angestellte zu entlassen und die Investment-Sparte schließen, bei Anlegern allerdings nicht gut an. Zwar konnte die Aktie zum Wochenstart teilweise über vier Prozent zulegen und stieg bis auf 7,49 Euro – ein Zweimonatshoch. Beim Börsenschluss am Freitag hatte sie noch bei 7,17 Euro gelegen.

          DT. BANK

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          Doch bereits kurz danach begann die Talfahrt, nachdem immer mehr Analysten Kritik an der Radikalität der Umbaumaßnahmen geäußert hatten. Am Nachmittag lag der Wert bei 6,65 Euro, verbesserte sich dann aber bis Börsenschluss auf 6,78 Euro. Das entspricht dennoch einem Kursverlust von über fünfeinhalb Prozent. Auch gibt es Zweifel daran, dass der Umbau – wie die Deutsche Bank selbst ankündigte hat – ohne zusätzliche Kapitalerhöhung vollbracht werden kann. 

          So sieht Analyst Andrew Stimpson von der Bank of Amerika in der Kapitalausstattung der Deutschen Bank weiter ein Problem. Das Finanzhaus begebe sich mit seiner Strategie in die Hände der Regulierungsbehörden.

          Ohne eine Reduzierung der Kapitalanforderungen oder eine Erlaubnis der Europäischen Zentralbank, die risikogewichteten Vermögenswerte im operativen Geschäft schneller verringern zu dürfen, könnte es der Deutschen Bank an dem nötigen Kapital für ihre Wachstumspläne mangeln. Die Kosten für das Abstoßen von Vermögensteilen seien ebenfalls noch nicht diskutiert worden.

          „Boni-Zahlungen erst wieder bei Gewinnen“

          Die Expertin Anke Reingen vom Analysehaus RBC gestand der Bank zwar zu, dass sie ihr Geschäftsmodell radikaler als gedacht überarbeitet habe. Die erhoffte Steigerung der Profitabilität aber sollte sich nun noch mehr verzögern. Insofern böten sich Anlegern mehr Chancen bei anderen Sektorwerten. Auch ein Experte der amerikanischen Investmentbank Goldbank Sachs urteilte, der Deutschen Bank fehle es weiterhin an renditeträchtigen Geschäftsfeldern. 

          Allerdings gibt es auch mildere Stimmen. So zeigte sich Analyst Kian Abouhossein von der amerikanischen Bank JPMorgan optimistisch und meinte, die mutigen Umbaupläne seien das erste Mal nicht halbgar, sondern stellen einen echten strategischen Schwenk dar.

          Auch die Politik hofft auf eine Trendwende bei der Deutschen Bank. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sagte: „Ich hoffe, dass der Konzernumbau ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstatten geht und ein Turnaround geschafft wird, der die Deutsche Bank stabilisiert und auf Erfolgskurs bringt.“ Bouffier ist momentan in Amerika und wirbt in New York für den Finanzplatz Frankfurt.

          Ähnlich reagierte die mittelständischen Wirtschaft auf die Umbaupläne. Die Trennung von defizitären Geschäftsfeldern und glücklosen Spitzenmanagern sei überfällig gewesen. „Nun sollte sich das größte deutsche Bankhaus auf seine Kernkompetenzen konzentrieren: das Geschäft mit Unternehmen, dem Mittelstand, Privatkunden sowie die Vermögensverwaltung“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft, Mario Ohoven, am Montag. „Um Beschäftigte und Aktionäre bei der Neuausrichtung als Verbündete mitzunehmen, empfehle ich Boni-Zahlungen erst dann wieder zu leisten, wenn die Bank Gewinne schreibt.“

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