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Franken wird stärker : Börse verhilft Schweizer Notenbank zu Milliardengewinn

Die Schweizerische Nationalbank gehört zu den wenigen Notenbanken, deren Aktien an der Börse notiert sind. Bild: AFP

Die Schweizerische Nationalbank hat im zweiten Quartal dank einer guten Wertentwicklung der eigenen Devisen- und Goldreserven wieder einen Milliardengewinn verbucht. Dennoch haben die Schweizer ein Problem.

          Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist in einer schwierigen Mission unterwegs. Zum Wohle der exportstarken Schweizer Wirtschaft muss sie darauf achten, dass die heimische Währung, der Franken, nicht allzu stark wird. Denn sonst verteuern sich die Produkte der Schweizer Hersteller im Ausland und vermindern deren Wettbewerbsfähigkeit. Auch die Tourismusbetriebe leiden, wenn der Franken allzu sehr aufwertet, weil die ohnehin teure Schweiz dann für ausländische Gäste noch unerschwinglicher wird.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Daher hat die SNB in den vergangenen Jahren immer wieder mit milliardenschweren Devisenkäufen in den Markt eingegriffen, um den Franken vor allem gegenüber dem Euro zu schwächen. Die Notenbank informiert nicht darüber, wenn und wann sie interveniert. Aber nach Einschätzung von Ökonomen dürfte sie zuletzt wieder Fremdwährungen wie Euro gekauft haben. Als Indiz hierfür gilt der erfolgte Anstieg der Sichtguthaben von Banken und Bund bei der SNB. Ausschlaggebend für die Interventionen ist die jüngste Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Die Gemeinschaftswährung kostet inzwischen nur noch 1,10 Franken. Dahinter steckt die Vorsicht der Investoren, die in Zeiten geopolitischer Spannungen mit Vorliebe den sicheren Hafen Schweiz ansteuern.

          Ausweislich der am Mittwoch veröffentlichten Halbjahresbilanz summierten sich die Devisenanlagen der SNB Ende Juni auf 779 Milliarden Franken – 14 Milliarden Franken mehr als Ende des Jahres 2018. Davon hält sie gut zwei Drittel in ausländischen Staatsanleihen und ein Fünftel in Aktien. Da die SNB an der Börse notiert ist, muss sie Quartal für Quartal ihre Ergebnisse veröffentlichen. Diese schwanken je nachdem, wie sich die Wechselkurse und Börsenkurse entwickeln.

          Stichtagsbezogen können dabei hohe Buchgewinne respektive Buchverluste entstehen. Im ersten Halbjahr 2019 weist die Notenbank einen Gewinn von 38,5 Milliarden Franken aus nach einem Überschuss von 5,1 Milliarden Franken in der entsprechenden Vorjahreszeit. Treibende Kraft für diesen Sprung waren die Gewinne auf Fremdwährungspositionen von knapp 34 Milliarden Franken. Davon entfallen 21 Milliarden Franken auf Bewertungsgewinne, die im Zusammenhang mit den gestiegenen Kursen an den Aktienmärkten stehen. Die Zins- und Dividendenerträge summieren sich auf 6,8 Milliarden Franken. Auf der anderen Seite liefen wechselkursbedingte Verluste von 8 Milliarden Franken auf. Der gestiegene Goldpreis bescherte der SNB in der Berichtszeit Buchgewinne von 3,8 Milliarden Franken.

          Neben Devisenkäufen hat die Schweizerische Nationalbank noch ein weiteres Instrument, um die Flucht der Investoren in den Franken zu bremsen: die Negativzinsen von 0,75 Prozent. Diese brachten ihr zur Halbzeit Einnahmen von rund 1 Milliarde Franken. Im Markt wird bereits spekuliert, dass die SNB den Leitzins sogar auf minus 1 Prozent senken werde, falls die Europäische Zentralbank im September ihrerseits die Zinsen senkt. Denn nur so könnten die Schweizer die Zinsdifferenz zwischen Anlagen in Euro und Franken wahren und die ansonsten drohende Aufwertung des Frankens verhindern.

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