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Konsumwandel : TV-Aktien auf dem absteigenden Ast

  • Aktualisiert am

Aufwärts geht es mit ProSiebenSat.1 schon länger nicht mehr. Bild: dpa

Drastisch fällt am Dienstag der Aktienkurs von Pro7Sat1. Ein schwaches Werbegeschäft führt zur Prognosesenkung. Schon ist von einer Zeitenwende die Rede.

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          Die Luft ist raus im TV-Werbegeschäft - ob nur vorübergehend oder dauerhaft, darüber scheiden sich die Geister. Während ProSiebenSat.1 zwar  abermals die Umsatzprognose für das dritte Quartal senken muss, aber dennoch von einem „temporären" Problem spricht, sind Analysten zum Teil deutlich pessimistischer gestimmt.

          Nur drei Wochen nach dem letzten Zwischenbericht senkte der Konzern in der Nacht zum Dienstag seinen Ausblick für den Fernseh-Werbemarkt in Deutschland. Er dürfte in diesem Jahr nicht wachsen, sondern in etwa stagnieren - unter der Annahme, dass es eine Belebung zum Jahresende geben wird. Bislang deute alles darauf hin, dass sich das dritte Quartal unter den Erwartungen entwickeln werde, erklärte ProSiebenSat.1.

          Am Dienstag beschleunigte dies den schwachen Trend europäischer Medienaktien massiv: Der Aktienkurs von ProSiebenSat.1 fällt um mehr als 13 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief von 28,22 Euro. Die Aktie des Konkurrenten RTL büßt knapp 5 Prozent ein, erholte sich aber damit deutlich von ihren Tagestiefs. Nichtsdestoweniger notiert auch RTL auf einem Drei-Jahres-Tief.

          Name Kurs %
          RTL GROUP -- --
          ITV PLC LS -,10 -- --
          ITV PLC LS -,10 -- --
          PROSIEBENSAT.1 -- --
          ATRESMED.C.D.M.D.C.EO-,75 -- --

          In Mailand geben Mediaset 3,7 Prozent nach, ebenso in London ITV, die ebenfalls nur noch knapp oberhalb ihres Drei-Jahres-Tiefs notieren. In Paris fällt der Kurs von TF1 um mehr als fünf Prozent, fällt damit aber noch nicht aus seinem volatilen Aufwärtstrend der vergangenen zwölf Monate heraus. Auch der Kurs der spanischen Atresmedia gibt um mehr als 5 Prozent nach.

          Auf dem Fernsehmarkt ist mittlerweile von einer strukturellen Veränderung die Rede. Jüngere Leute nutzten lieber Streaming-Plattformen wie Netflix und Amazon. Werbetreibende würden daher zunehmend in die Onlinemedien abwandern, sagt DZ-Bank-Analyst Harald Heider. Die negativen Auswirkungen begännen sich nun zu zeigen.

          Auch Markus Friebel vom Analysehaus Independent Research zeigt sich alarmiert: "Noch läuft es gesamtwirtschaftlich ja gut", so der Analyst. "Wenn die Konjunkturdynamik in den nächsten Monaten jedoch nachlässt, könnte man auch davon ausgehen, dass sich das Werbegeschäft noch weiter abschwächt." Ins gleiche Horn stoßen die Kollegen von der Deutschen Bank, die "bei allen europäischen TV-Namen" ein schwaches Geschäft erwarten.

          Bei ProSieben bemüht man unterdessen Optimismus. Die aktuelle Flaute im Werbegeschäft sei ein temporärer europäischer Trend, der nicht sehr lange anhalten werde, so eine -Sprecherin. "Die Zahl der Werbekunden-Zusagen sind nach wie vor hoch. Das wird sich im Dezember zeigen." Schon bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen Anfang August hatte ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling gesagt, dass man bald wieder mit einem positiven Umfeld im TV-Werbemarkt rechne.

          Für Independent-Analyst Friebel stellt sich die noch immer dominierende TV-Sparte hingegen zunehmend als "Belastungsfaktor" für den Fernsehkonzern dar, wie er in einer Studie vom Dienstag schrieb. Zudem habe ProSiebenSat.1 mit seinem neuerlichen Zurückrudern beim Ausblick das Vertrauen der Investoren verspielt.

          RTL könnte am Mittwoch etwas Licht ins Dunkel bringen. Der Medienkonzern mit Sitz in Luxemburg gibt dann als einer der letzten im Bunde seine Halbjahreszahlen bekannt. Im ersten Quartal war das operative Ergebnis im Hauptsegment, dem deutschsprachigen TV- und Radiogeschäft, mit knapp 170 Millionen Euro nahezu stabil geblieben. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern eine Umsatzsteigerung von 2,5 bis 5 Prozent.

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