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Aktienmarkt : Ein Tag zum Vergessen

Der Dax ist im Rückwärtsgang. Bild: dpa

Diesen Dienstag sollten Aktienanleger schnell aus dem Gedächtnis streichen: Schwache Geschäftszahlen von F wie FMC bis L wie Lufthansa - und kein Trost in Sicht.

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          Es ist kein guter Tag für Deutschlands Aktionäre. Dass der marktbreite F.A.Z.-Index mit seinen 100 Werten 2 Prozent im Minus liegt, ist schmerzlich, allzumal gerade einmal eine Handvoll Aktien überhaupt nur ein Plus aufweist.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zurückgeführt wird dies nicht zuletzt darauf, dass Marktschreck Donald Trump einmal mehr die verbale Twitter-Kanone abfeuerte, indem er anlässlich der Wiederaufnahme von Handelsgesprächen mit China schrieb, die Gegenseite wolle eine Vereinbarung kurz vor dem Abschluss immer wieder zu ihren Gunsten ändern. Zudem habe China sein Versprechen, Agrargüter von den Vereinigte Staaten kaufen zu wollen, noch immer nicht umgesetzt.

          F.A.Z.-Index

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          Aber es ist auch eine erkleckliche Anzahl von enttäuschenden Unternehmenszahlen, die die Aktienkurse nach unten zieht. Unter den Standardwerten geht der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) mit einem Minus von mehr als 7 Prozent voran, dessen Aktienkurs damit hart an einem 6-Monatstief kratzt und fast vergessen lässt, dass es bis Anfang Mai einen Aufschwung von 40 Prozent gegeben hatte.

          Die Umsatzerwartungen für das zweite Quartal hat FMC erfüllt, das operative Ergebnis aber fiel mit 521 Millionen Euro 63 Prozent niedriger aus als vor Jahresfrist. Zwar betont FMC, dass dies vor allem auf ein sehr gutes Vergleichsquartal zurückgehe, aber dies scheint die Anleger nicht zu überzeugen. Wie auch, hatten Analysten dies doch berücksichtigt und dennoch gut 10 Prozent mehr von FMC erwartet. Unter dem Strich ging der Gewinn sogar um drei Viertel auf 254 Millionen Euro zurück. Dass FMC den Ausblick bestätigt, tröstete da wenig. Und schließlich ist eine mehr oder weniger stagnierende Gewinnentwicklung auch nicht das, was Anleger anlockt.

          FMC

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          Dass dies nicht spurlos an der Muttergesellschaft Fresenius vorbeigeht, liegt auf der Hand. Mit 4,6 Prozent fällt das Minus hier etwas moderater aus, aber dennoch deftig. Die Entwicklung von FMC hinterlässt Spuren: Die Erlösentwicklung ist mit einem Plus von 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro etwas besser als erwartet, doch das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis liegt mit 1,12 Milliarden Euro 5 Prozent unter dem Vorjahreswert – allerdings ist auch das im Rahmen der Erwartungen. Auch die erhöhte Umsatzprognose zog nicht, denn sie ändert nichts daran, dass der Gewinn wie bei FMC stagnieren wird.

          FRESENIUS

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          Am ärgsten ergeht es aber dem Leasing-Unternehmen Grenke. Dessen Aktienkurs gibt am Dienstag gleich um 15 Prozent nach. Das Unternehmen informierte anlässlich der  Halbjahreszahlen über steigende Zahlungsausfälle und korrigierte die Gewinnprognose für das laufende Jahr leicht nach  unten. Statt 147 bis 156 Millionen Euro soll es nur noch 138 bis 148 Millionen Euro geben. Das wären fünf bis 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, aber es ist eben eine Prognosesenkung und das mögen Anleger nun gar nicht. Grenke-Vorstandsmitglied Sebastian Hirsch sprach in einer Mitteilung von  einer „Normalisierung“ der Schadenquoten und führte die Eintrübung der  Konjunktur in vielen Märkten als Grund an.

          GRENKE AG NA O.N.

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          Die Aktie der Lufthansa setzt ihren seit Anfang 2018 anhaltenden Kursverfall am Dienstag mit einem Minus von fast 6 Prozent gleichfalls fort. 31,12 Euro hatte die Aktie seinerzeit gekostet, am Dienstag sind es noch 14,29 Euro. Finanzvorstand Ulrik Svensson sagte bei Vorlage der Zwischenbilanz, man wolle . die Marktanteile verteidigen. „Daher ist es sinnvoll, einige Einbrüche in unserer Gewinn- und Verlustrechnung hinzunehmen."

          Nachdem die Lufthansa im typischerweise reiseschwachen ersten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht war, setzte sich der Abwärtstrend im zweiten Jahresviertel fort. Bei rund 4 Prozent mehr Umsatz als ein Jahr zuvor ging der bereinigte Betriebsgewinn um ein Viertel auf 754 Millionen Euro zurück und der Überschuss um 70 Prozent auf 226 Millionen Euro.

          LUFTHANSA

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          Und auch der Bayer-Kurs fällt um 5 Prozent. Ein wegen schlechten Wetters schwieriges Geschäft mit amerikanischen Landwirten stimmte den Agrarchemie- und Pharmakonzern für 2019 ein wenig vorsichtiger.

          Es ist schwierig, diesem Börsentag etwas Positives abzugewinnen. Unter den 100 größten Werten gibt es keine nennenswerten Kursgewinner. Und blickt man in den breiten Markt, gibt es schon das ein oder andere Plus, wie etwa das der Aktie der Lebensmittelmarktkette Wasgau von knapp 10 Prozent – allerdings eben bei einem Umsatz von gerade einmal 510 Euro.

          TELE COLUMBUS AG NA O.N.

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          Der Aktienkurs des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus steigt um 4,6 Prozent. Allerdings ist auch hier der Umsatz nicht gerade riesig. Und angesichts der vorangegangenen Kursverluste von 80 Prozent aufgrund von Prognosesenkungen und eines anhaltenden Machtkampfs mag das auch nicht so recht Trost zu spenden. Es bleibt dabei: Ein Tag zum Vergessen.

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