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Einfluss auf die Börse : Die Wirtschaft ist wichtiger als die Wahl

Sozialdemokrat oder Konservative? Welche Auswirkungen hat die Kanzlerwahl auf die Aktienkurse? Bild: dpa

Reagiert die Börse auf die Regierung? Für Deutschland ist das zweifelhaft. Eher reagiert der Wähler auf die Wirtschaft – und darauf die Börse.

          Welcher Wahlausgang ist besser für die Wirtschaft? Und welcher für die Börse? Diese Fragen tauchen vor wichtigen Wahlen regelmäßig auf. Sucht man nach halbwegs objektiven Kriterien, so bleibt fast nur der Blick in die Vergangenheit übrig, lässt sich doch im Voraus nur mit Vorsicht sagen, wie sich die Wirtschaft entwickeln wird. Fast gar nicht lässt sich die Börsenentwicklung prognostizieren.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Betrachtet man die Daten seit Antritt der sozialliberalen Regierung im Jahr 1969, so scheint die Aussage klar. Immer wenn die CDU an der Regierung war, lief es an der Börse besser. Besonders wenn die FDP auch noch dabei war. In den 16 Jahren der Regierung von Helmut Kohl etwa brachte es der Dax im Jahresdurchschnitt auf ein Plus von 12 Prozent, und auch die schwarz-gelbe Regierung unter Führung von Angela Merkel schneidet kaum schlechter ab.

          Schwarz-gelbe Koalition mit der AfD für den Dax am besten?

          Das Ergebnis der noch amtierenden großen Koalition kann dagegen mit 8,7 Prozent nicht mehr mithalten, und unter der ersten Merkelschen großen Koalition fällt das Plus mit 2,9 Prozent regelrecht mager aus. Aber immer noch besser als bei SPD-geführten Regierungen. Kommt die Ära unter Helmut Schmidt noch auf einen passablen Zuwachs, so hat sich der Dax unter Gerhard Schröder per saldo kaum bewegt und verbuchte während der sozialliberalen Koalition ein Minus von 1,1 Prozent im Jahresdurchschnitt.

          Doch diese Betrachtung ist in mehrerlei Hinsicht nicht ganz fair. Das fängt schon mit der Wahl des Zeitraumes an. Blickt man zurück bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland, so ist es just die erste schwarz-gelbe Koalition unter Konrad Adenauer und später Ludwig Erhard, die mit einem durchschnittlichen Minus von 6,2 Prozent am schlechtesten abschneidet. Und überhaupt ist die Börsenbilanz des Vaters des Wirtschaftswunders in seiner Kanzlerschaft mit einem Minus von 10 Prozent pro Jahr miserabel.

          Schaut man dagegen ans andere Ende der Skala, so kommt man ins Grübeln, ob eine schwarz-gelbe Koalition mit der AfD für den Dax am besten wäre. Denn mit einem Zuwachs von knapp 34 Prozent jährlich schneidet das erste Jahrzehnt der Bundesrepublik am besten ab, als CDU und FDP gemeinsam mit Splitterparteien wie der „Deutschen Partei“ und dem „Gesamtdeutschen Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ regierte – Parteien, die man zumindest aus heutiger Sicht dem rechtsgerichteten Spektrum zurechnen würde. Platz zwei fällt dann übrigens der ersten großen Koalition unter dem Kanzler Kurt Georg Kiesinger zu.

          Aber auch hier ist der Vergleich nicht ganz fair. Zum einen reichen die Daten für den Dax nur bis 1967, also bis in die Kiesinger-Zeit zurück. Auch der F.A.Z.-Index ist erst ab 1961 verfügbar. Vor allem aber ist dieser ein Kursindex und mit dem Dax insofern nicht vergleichbar, als in dessen Entwicklung die Dividenden mit eingerechnet werden. Man muss sich also auf Forschungen über die Erträge deutscher Aktien in der Nachkriegszeit stützen, und hier sind die Ergebnisse bisweilen unterschiedlich. Hinzu kommen verschiedene kriegsbedingte Einflüsse wie Spekulationen auf den Lastenausgleich oder die Entflechtungen. Vor allem aber ist, wie es oft bei statistischen Zusammenhängen der Fall ist, die Frage nach Ursache und Wirkung zu stellen. Lief die Börse wirklich schlecht, weil Sozialdemokraten an der Regierung waren? Oder waren Sozialdemokraten an der Regierung, weil die Börse oder besser die Wirtschaft schlechter lief?

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