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Drei Börsen-Stars im AEX : Wenige Schwergewichte in Holland

Bietet Interessantes: Amsterdams Börse Bild: picture-alliance / dpa

Der Standardwerteindex AEX wird von einem Unternehmenstrio dominiert: dem Chipmaschinenhersteller ASML, dem Konsumgüterhersteller Unilever und dem Mineralölkonzern Shell.

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          Der niederländische Aktienmarkt zeigt sich zum Jahresende in weit besserer Verfassung als vor zwölf Monaten. Der Standardwerteindex AEX flirtet mit der 600-Punkte-Marke. Am Dienstag vergangener Woche lugte er einmal kurz darüber und erreichte dabei ein Achtzehn-Jahres-Hoch. Aber noch immer ist der Leitindex damit weit entfernt von den knapp 702 Punkten, die er am 4. September 2000 erreichte – damals allerdings nach einem jahrelangen, steilen und kontinuierlichen Anstieg in den neunziger Jahren.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anders als im deutschen Dax, aber ebenso wie in vielen anderen internationalen Indizes, werden Dividendenausschüttungen im AEX nicht einberechnet. Und so kann dieser Korb aus den Standardwerten der sechstgrößten Volkswirtschaft der EU als Erinnerung daran dienen, dass rein an den Aktienkursen gemessen die Börse selbst auf Sicht von zwanzig Jahren Anlegern keineswegs Kursgewinne garantiert.

          Was die Niederländer wenig in ihrem prominentesten Index haben, sind Vertreter der IT-Industrie. Große Ausnahme: Der Chipmaschinenhersteller ASML, ein früherer Konzernteil von Philips, dessen Anteilsschein in den vergangenen Jahren immer mehr an Gewicht im AEX gewonnen und damit maßgeblich zur Indexentwicklung beigetragen hat. Einen Anteil von 17 Prozent hat er inzwischen erreicht und damit das Maximum überschritten, welches ein Einzelwert zur jährlichen großen Anpassung jeweils im März aufweisen darf. Bei 15 Prozent liegt diese Grenze; sie soll einen zu großen Einfluss einzelner Unternehmen verhindern.

          AEX-Index

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          In der Vergangenheit hatten die beiden niederländisch-britischen Weltkonzerne Unilever und Shell diese Latte gerissen und wurden deswegen gedeckelt; sie fallen momentan jeweils mit rund 13 Prozent ins Index-Gewicht. Zusammengenommen stehen also die „großen Drei“ nach gegenwärtigem Stand für 43 Prozent und damit nicht viel weniger als die Hälfte des bekanntesten Spiegelbilds der niederländischen Wirtschaft. Das verdeutlicht die starke Abhängigkeit des Leitindex von einigen wenigen Werten – wobei dieses Trio zumindest ein in sich diversifiziertes bildet: Chipmaschinen, Energie und Öl sowie Wasch-, Körperpflege- und Lebensmittel.

          Auch ansonsten enthält der AEX eine Reihe bekannter Namen: den international weithin geläufigen Haushaltsnamen Philips etwa, der sich aber inzwischen weitgehend auf Medizintechnik konzentriert; die zumindest in der Heimat wohlvertrauten Chemieunternehmen Akzo Nobel und DSM; den Einzelhandelskonzern Ahold-Delhaize, der die allgegenwärtigen Albert-Heijn-Supermärkte betreibt und durch die Übernahme der belgischen Delhaize stark expandiert hat.

          Bemerkenswert ist die Relation von ASML und Philips. Der Halbleiterausrüster ist eine der frühen Abspaltungen des einst breit aufgestellten Mischkonzerns Philips, der sich von immer mehr Geschäftseinheiten getrennt hat. Zuletzt ging von Philips die Lichtsparte – heute Signify genannt – als eigenständiges Unternehmen an die Börse, derzeit im Mittelwerteindex geführt. ASML ging im Jahr 1995 an die Börse und hat seinen alten Mutterkonzern längst an Marktkapitalisierung überflügelt und wird jetzt an der Börse mit mehr als 100 Milliarden Euro bewertet verglichen mit den knapp 38 Milliarden Euro von Philips.

          Das liefert den Gegnern von Konglomeraten ein Beispiel für ihr Argument, fokussierte Unternehmen könnten sich außerhalb der mutmaßlichen Fesseln eines Mischkonzerns besser entwickeln. Umgekehrt stellt sich indes die Frage, warum es einem Konglomerat mit in der Regel höherer Finanzkraft nicht gelingt, seine Konzernteile im Wettbewerb innerhalb der jeweiligen Branche genauso gut zu entwickeln. Der Aktienkurs von ASML hat sich auf Fünf-Jahres-Sicht mehr als verzweieinhalbfacht. Wie die Wirtschaftszeitung „Het Financieele Dagblad“ kürzlich vorrechnete, ist das diesjährige Indexplus des AEX zu gut 40 Prozent zurückzuführen auf den Kursanstieg der ASML-Aktie.

          Stark vertreten im AEX ist zudem der Finanzsektor, namentlich mit den Großinstituten ING und ABN Amro. Investoren werden hier nervös, weil die Banken zunehmend Ärger mit den Behörden bekommen – da Kunden mutmaßlich Konten zur Geldwäsche missbrauchten.

          ING einigte sich im vergangenen Jahr mit der Justiz auf eine Vergleichszahlung von 775 Millionen Euro – sie gilt als die höchste, die ein niederländisches Unternehmen je geleistet hat. ABN Amro ist ebenfalls im Visier der Behörden und berichtete unlängst wie auch ING, die Kosten für die Überwachung ihrer Kunden wüchsen. Auffälliger Neuling des Finanzsektors im AEX: Der digitale Zahlungsdienstleister Adyen, ein Konkurrent der deutschen Wirecard. Adyen war im vergangenen Jahr an die Börse gegangen, stieg in diesem Jahr aus dem Mittelwerte-Index AMX in den AEX auf.

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