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Finanzmärkte : Notenbank der Notenbanken warnt vor Übermut

Bild: Reuters

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich fürchtet weitere Einschläge der Wirtschaftskrise. Gleichzeitig stößt die Geldpolitik an ihre Grenzen.

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          Die Maßnahmen der Zentralbanken haben auf die ersten Einschläge der Corona-Krise stabilisierend gewirkt. Doch auf Dauer sind sie auf die Unterstützung der Staaten angewiesen, wenn es darum geht, das Wachstum wieder anzuschieben. In ihrem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die als Bank der Zentralbanken gilt, überdies vor einem sich an den Finanzmärkten ausbreitenden Übermut, weil das Ausmaß der Krise noch längst nicht bekannt sei.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So rechnet die BIZ nun mit steigenden Unternehmensinsolvenzen. Nachdem der Stillstand der Wirtschaft zunächst vor allem zu Liquiditätsproblemen geführt habe, werde jetzt die Überlebensfähigkeit vieler Unternehmen auf die Probe gestellt. „Geldpolitik allein kann nicht der Wachstumsmotor sein“, sagte BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens auf der Hauptversammlung in Basel.

          Mit Blick auf die steigende Staatsverschuldung im Zuge der Krisenmaßnahmen hält es der frühere Notenbankgouverneur Mexikos für unerlässlich, dass die Fiskalpolitik durch eine rechtzeitige Konsolidierung auf einem langfristig tragfähigen Pfad bleibt. Diese könne das Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität besser unterstützen. Carstens hält auch Strukturreformen für erforderlich.

          Chance für eine neue Politik

          So hoch die Schäden der Corona-Krise auch seien, es biete sich gleichzeitig die Gelegenheit für eine wachstumsfördernde Politik. Da die Ressourcen für die Regierungen begrenzt seien, sollten sie Investitionen in ein ökologisch nachhaltiges Wachstum wie etwa in die im Zuge der Klimarisiken nötige Neuausrichtung des Energiesektors bevorzugen, forderte Carstens.

          Der in Basel ansässigen BIZ gehören mehr als 60 Zentralbanken an, für die sie Devisenreserven verwaltet sowie als geldpolitische Denkfabrik dient. Der Gewinn der BIZ im Geschäftsjahr 2019/2020 (per 31. März) wurde am Schluss von den Marktverwerfungen durch die Corona-Krise deutlich nach unten gedrückt. Der Nettogewinn sank gegenüber dem Vorjahr von 461 Millionen auf 166 Millionen Sonderziehungsrechte. Das vom Internationalen Währungsfonds (IWF) eingeführte Buchgeld basiert auf einem Währungskorb aus Dollar, Euro, Schweizer Franken, Pfund und Renminbi und entspricht umgerechnet 135,5 Millionen Euro.

          Die BIZ rät den Zentralbanken, sich rechtzeitig wieder geldpolitischen Spielraum zu verschaffen. Chefvolkswirt Claudio Borio betrachtet dies als wichtigste Herausforderung. Dazu sei ein Zusammenspiel von Geld-, Fiskalpolitik und Regulierung notwendig, wenn das Wachstum nachhaltig sein und im Einklang mit der Finanzstabilität stehen soll.

          Neues Innovationszentrum in Frankfurt

          Mit Blick auf den schon in der Vorwoche vorab veröffentlichten Artikel zu digitalem Zahlungsverkehr und Vermögenswerten betonte Carstens die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit. Die technische Entwicklung samt den Innovationen im Zahlungsverkehr müsse seiner Ansicht nach auf dem System der Zentralbanken beruhen. Eine wichtige Rolle für die neue digitale Geldwelt wird die Bundesbank spielen. Sie wird zu einem Knotenpunkt für gemeinsame digitale Finanzinnovationen der Zentralbanken aus aller Welt. Gemeinsam mit der französischen Notenbank baut sie derzeit ein BIZ-Innovationszentrum an den Standorten Frankfurt und Paris auf.

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