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Quartalsbericht der BIZ : Privatanleger gehen immer mehr Risiken ein

Das Gebäudes der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in der Schweiz: Die Zentralbanken sind in Sorge. Bild: Fabian Fiechter

Klein- und Privatanleger handeln immer risikoreicher, wie der Ansturm auf die Gamestop-Aktie Ende Januar zeigte. Die BIZ warnt vor Kreditverlusten in Billionenhöhe und erinnert sich dunkel an die Dotcom-Blase.

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          Den Turbulenzen um die Aktie des Videospielehändlers Gamestop muss auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Tribut zollen. In ihrem am Montag veröffentlichten Quartalsbericht warnt die als Bank der Zentralbanken geltende Institution vor der Risikofreude der Kleinanleger. Sie hätten sich in Rekordhöhe verschuldet, würden mit riskanten Optionen auf einzelne Aktien spekulieren und in sozialen Netzwerken mit koordinierten Aktionen Leerverkäufer unter Druck setzen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Euphoriephasen würden die Kleinanleger stets eine hervorgehobene Rolle einnehmen, sagte BIZ-Chefvolkswirt Claudio Borio in der Videokonferenz vor Journalisten. Es gehe stets etwas Bedeutsames vor, wenn der Taxifahrer über Entwicklungen am Aktienmarkt spreche, fügte er hinzu. Auch die Handelsmöglichkeiten über neue Plattformen, sogenannte Neobrokern mit keinen oder sehr niedrigen Gebühren, laden seiner Ansicht nach die breite Masse zu Aktienanlagen ein.

          Parallelen zur Dotcom-Blase

          Borio bereitet die Unbedarftheit vieler Privatanleger Sorge, die zum einen über Kredite und zum anderen über spekulative Optionsgeschäfte doppelt unter Druck stünden. So liege die Verschuldung amerikanischer Kleinanleger gegenüber Wertpapierbrokern mit 750 Milliarden Dollar auf dem höchsten Niveau seit 1997.

          Die Volkswirte der BIZ, die in Basel sitzt, für Notenbanken Devisenreserven verwaltet und als geldpolitische Denkfabrik dient, sehen in dem jüngsten Quartalsbericht weitere Anzeichen für Übertreibungen an den Finanzmärkten. Sie verweisen auf die hohen Bewertungen vieler Börsengänge, auf die extrem niedrigen Risikoaufschläge für Anleihen hochverschuldeter Unternehmen sowie auf die regelrechte Welle an Börsenmantelgesellschaften. In den sogenannten Spacs sind noch keine Unternehmen enthalten. Investoren hoffen mit diesen Börsenmänteln darauf, günstig einen Börsengang für ein Unternehmen ihrer Wahl zu schaffen. Borio wertet das rasante Spacs-Wachstum als ein Zeichen für den Überschwang an den Märkten.

          Den jüngsten Anstieg der Renditen amerikanischer und auch deutscher Staatsanleihen führen die BIZ-Volkswirte auf Inflationssorgen sowie auf die Erwartung fiskalpolitischer Maßnahmen zurück. Sie bezeichnen den jüngsten Zinsanstieg als „reflation trade“, womit sie Handelsstrategien verstehen, die steigende Teuerungsraten vorwegnehmen. Diese ließen den Finanzmarktausblick in einem ganz neuen Licht erscheinen, sagte Borio. In den vergangenen Quartalsberichten hatte die BIZ vor der wachsenden Diskrepanz zwischen den hohen Bewertungen riskanter Wertpapiere und den konjunkturellen Aussichten gewarnt. Nun fühlen sie sich angesichts des hohen Risikoappetits an den Märkten an die Zeiten der Dotcom-Blase in den späten 90er Jahren erinnert. Damals hatten viele deutsche Anleger am Neuen Markt mit Internetunternehmen hohe Verluste erlitten.

          Die BIZ warnt in ihrem Quartalsbericht auch davor, die noch ausstehenden Kreditausfälle der Unternehmen zu unterschätzen. Sie erwartet aufgrund der Corona-Krise bis zum Jahr 2022 Kreditverluste in Höhe von rund 1 Billion Dollar. Diese Verluste müssten Banken und andere Finanzinstitute, die Investoren von Unternehmensanleihen sowie die Steuerzahler tragen.

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