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Cyberwährungen : Zentralbank der Notenbanken sorgt sich wegen Facebooks Vorstoß

Hauptquartier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel Bild: Reuters

Weil Digitalkonzerne immer mehr Finanzdienstleistungen anbieten, will die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich die Risiken im Auge behalten. Dabei geht es nicht nur um Finanzstabilität.

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          Große Internetkonzerne dringen in immer tiefere Bereiche des Finanzmarktes vor. Nun stößt Facebook mit seiner Digitalwährung Libra auf große Bedenken der Politik und der Notenbanken, weil sie die Verbindung zwischen Datenlücken im sozialen Netzwerk und einem neuen Zahlungsmittel fürchten. Libra will mit Mitstreitern wie Mastercard, Visa, Spotify oder Ebay eine globale Währung und eine entsprechende Infrastruktur einführen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mahnte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling bereits: „Wir sollten verhindern, dass im Geldsystem der Wilde Westen zurückkehrt.“ Neue Plattformen wie Libra dürften – abgesehen von ihrer Gefahr für staatliche Währungen – nicht zum Marktplatz für Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung werden.

          Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) griff am Sonntag in einem vorab veröffentlichten Sonderkapitel ihres Jahresberichts vor allem Fragen des Datenschutzes auf. Der Bericht wird erst in einer Woche vollständig herausgegeben. Nach Ansicht der in Basel ansässigen Bank der Notenbanken birgt der Vorstoß großer Technologiekonzerne (Bigtechs) wie Alibaba, Amazon, Facebook, Google oder Tencent Risiken, die nicht nur Fragen der Finanzstabilität betreffen.

          Vorteile nutzen, Risiken begrenzen

          Vielmehr müssten Aspekte des Wettbewerbs, des Verbraucher- und Datenschutzes berücksichtigt werden. „Die Reaktion auf den Vorstoß von Bigtechs in die Finanzdienstleistungsbranche sollte darin bestehen, die Vorteile zu nutzen und die Risiken zu begrenzen“, erklärte Hyun Song Shin, Volkswirtschaftlicher Berater und Leiter Wirtschaftsforschung der BIZ. Neben der Verwaltung der Devisenreserven von Notenbanken ist die BIZ auch eine wissenschaftliche Denkfabrik für Geldpolitik und Finanzmärkte.

          Die BIZ warnt vor dominanten Internetplattformen, die ihre Marktmacht missbrauchen könnten, um einen Wechsel ihrer Kunden zu Konkurrenten über hohe Kosten zu erschweren oder mögliche Konkurrenten auszuschließen. So dienten die Plattformen als Infrastruktur für Angebote von Finanzdienstleistern, gleichzeitig stünden die Bigtechs mit eigenen Finanzangeboten im Wettbewerb. Eine weitere Gefahr ist nach Ansicht der BIZ-Volkswirte der Missbrauch der Kundendaten, um damit zusätzliche Erträge zu schaffen.

          Die enormen Datenmengen ermöglichten es Bigtechs nicht nur, die Kreditwürdigkeit eines Schuldners besser zu beurteilen, sondern auch seine maximale Zahlungsbereitschaft für Kredite oder Versicherungspolicen. „Die öffentlichen Entscheidungsträger müssen einen umfassenden Ansatz verfolgen, der Finanzregulierung, Wettbewerbspolitik und Datenschutzbestimmungen einbezieht“, fordert Shin. Der Datenzugang der Bigtechs könnte im Finanzsystem rasante Veränderungen auslösen und dominante Akteure hervorbringen, was zu weniger Wettbewerb führen könnte.

          Doch die BIZ sieht den Einstieg der Bigtechs in die Finanzdienstleistungen nicht nur als Risiko, sondern auch als Chance. Das betrifft die effizientere Bereitstellung und den leichteren Zugang zu Finanzdienstleistungen, wodurch die Wirtschaftstätigkeit steigen kann.

          Hoher Anteil am Umsatz

          Am Umsatz machen Finanzdienstleistungen für Bigtechs derzeit nach BIZ-Angaben 11 Prozent aus. Weitaus wichtiger sind IT- und Kommunikationsdienste. Am weitesten verbreitet sind unter den Bigtechs im Finanzbereich Angebote rund um den Zahlungsverkehr. Hinzu kommen Vermögensanlagen, Versicherungen und Kredite.

          Am stärksten setzen chinesische Konzerne wie Alibaba oder Tencent auf den Finanzbereich. Aber auch in anderen Schwellenländern in Asien oder Südamerika beobachten die BIZ-Volkswirte eine vergleichbare Entwicklung.

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