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Bank der Zentralbanken : Sorgen über hohe Aktien- und Anleihenkurse

Fordert mehr Haushaltsdisziplin der Regierungen: BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens. Bild: Fabian Fiechter

Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben in der Corona-Krise schlecht. Die Geld- und Fiskalpolitik lässt die Kurse vieler Wertpapiere gefährlich hoch steigen.

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          So erfreulich die Kurserholung an den Aktien- und Anleihemärkten nach dem Corona-Crash im Frühjahr für die Anleger ist, die Entkopplung von der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage bereitet der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Kopfzerbrechen. In ihrem am Montag veröffentlichten Quartalsbericht führt die in Basel ansässige „Bank der Zentralbanken“, die für Notenbanken Devisenreserven verwaltet und als ökonomische Denkfabrik dient, die Entwicklung an den Finanzmärkten hauptsächlich auf die expansive Geld- und Fiskalpolitik zurück.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Angesichts zahlreicher Indikatoren fällt es schwer, die deutliche Diskrepanz zwischen den Preisen riskanter Vermögenswerte und den wirtschaftlichen Perspektiven nicht zu erkennen“, erklärte BIZ-Chefvolkswirt Claudio Borio. Die jüngsten Kurseinbrüche an den Aktienmärkten seien Ausdruck des unter den Anlegern wachsenden Bewusstseins für das Auseinanderdriften von Marktbewertungen und Wirtschaftslage.

          Auf der Jahreshauptversammlung am 30. Juni hatte BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens schon gewarnt: "Geldpolitik allein kann nicht der Wachstumsmotor sein." Mit Blick auf die steigende Staatsverschuldung im Zuge der Krisenmaßnahmen hält es der frühere Notenbankgouverneur Mexikos für unerlässlich, dass die Fiskalpolitik durch eine rechtzeitige Konsolidierung auf einem langfristig tragfähigen Pfad bleibt.

          Riskante Vermögenswerte wie Aktien oder Unternehmensanleihen hätten sich zuletzt auf historischen Rekordhöhen bewegt, schreibt die BIZ im aktuellen Quartalsbericht. Amerikanische und chinesische Aktienindizes hätten im August ihre schon hohen Niveaus von Anfang des Jahres übertroffen.

          Steigende Überschuldung

          Die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen (Spreads) seien so niedrig gewesen wie noch nie, obwohl die Wirtschaftskrise infolge der Corona-Quarantänemaßnahmen die Kreditqualität deutlich verringert habe.

          Zudem sei die Überschuldung vieler Unternehmen weiter gestiegen, weil sie das Umfeld historisch niedriger Zinsen für die Emission neuer Anleihen genutzt hätten. Die BIZ-Volkswirte verweisen auf die vielen neuen Anleihen von Unternehmen mit guter Kreditwürdigkeit (Investment Grade), die sich bis Mitte August auf 1,7 Billionen Dollar belaufen hätten. Damit sei nicht nur das Niveau zum Vergleichszeitpunkt 2019 von 1,1 Billionen Dollar übertroffen worden, sondern auch das Gesamtvolumen des Vorjahres.

          Gleiches gelte für die Anleihen von finanzschwachen Unternehmen (High Yield Bonds), die bis Mitte August 322 Milliarden Dollar an neuen Titeln absetzen konnten, 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der BIZ zufolge haben von den Aktienkursgewinnen nicht alle Sektoren gleich profitiert.

          Zu den Gewinnern zählten Technologie- und Pharmawerte, während die Titel von Banken, Immobilienunternehmen oder Energieversorgern nicht hätten mithalten können. Hier hätten die Anleger die bevorstehenden Herausforderungen schon in den Bewertungen berücksichtigt.

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          Der rasche Rückgang amerikanischer Zinsen habe den Dollar gegenüber dem Euro belastet. Die europäische Gemeinschaftswährung habe zudem von dem Zusammenrücken der Euroländer und ihrer gemeinsamen Corona-Politik profitiert.

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