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Kryptowährungen : Ist Bitcoin am Ende?

Das sah auch schon mal besser aus. Bild: AP

Angesichts der jüngsten Kursverluste triumphieren derzeit die Bitcoin-Skeptiker. Die Anhänger sind verunsichert. Doch für einen Abgesang ist es wohl noch zu früh.

          Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin befindet sich in einem steilen Abwärtstrend. Soviel lässt sich sagen. An der weltgrößten Börse Bitstamp werden derzeit rund 11.270 Dollar bezahlt, auch wenn der Kurs schon einmal kurzzeitig weniger als 10.000 Dollar betrug. Damit beträgt das Minus seit dem Höchstkurs am 11. Dezember 42 Prozent. Auch an anderen Handelsplätzen ist der Preis in den vergangenen fünf Wochen mittlerweile um fast die Hälfte gefallen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das dürfte daran liegen, dass der Reifungsprozess der Währung in jüngster Zeit einige Rückschläge hat einstecken müssen. Zum einen durch nachteilige Entwicklungen, aber auch durch das Zutagetreten struktureller Schwächen einer dezentralisierten Kryptowährung.

          Schien im Dezember trotz immer wieder negativer Expertenäußerungen mit der Einführung des Terminhandels an der Börse Chicago die Digitalwährung ihren Siegeszug fortzusetzen, so haben sich die schlechten Nachrichten zuletzt gehäuft, besonders in Asien, wo der Bitcoin-Handel sich besonderer Beliebtheit erfreut.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          So erwägt Südkorea nach Aussage des Vorsitzenden der dortigen Finanzdienstleistungskommission, Choi Jong Ku, die Schließung sämtlicher lokaler Handelsplattformen für virtuelle Währungen. Geprüft werde aber auch, ob nur diejenigen  Plätze geschlossen werden sollten, die gegen Gesetze verstoßen hätten. Zuvor war berichtet worden, das Land könne den Handel mit Kryptowährungen ganz verbieten.

          Auch aus China wird berichtet, dass das Land den Handel mit Digitalwährungen unterbinden wolle. Im vergangenen Jahr hatte China schon sogenannte Initial Coin Offerings (ICO) verboten, bei denen Initiatoren neue Kryptowährungen ins Leben rufen und diese gegen konventionelle Zahlungsmittel oder andere Kryptowährungen verkaufen.

          Dies hatte sich in jüngster Zeit zu einem beliebten Geschäft entwickelt und die Zahl der Kryptowährungen auf fast 1500 steigen lassen. Unter den Ankündigungen fanden sich auch zunehmend Exoten wie Venezuela, Kodak oder die deutsche Cannabis AG. Das hatte Zweifel gemehrt, dass Kryptowährungen das ernsthafte Potential haben, sich als Zahlungsmittel zu etablieren.

          Kein Zahlungsmittel

          Neben der schieren Zahl konkurrierender Währungen ist es auch ihr Mangel an Fungibilität. Denn ein Zahlungsmittel ist eben nur dann ein Zahlungsmittel, wenn man damit eben auch etwas bezahlen kann. Doch Kryptowährungen sind nur in sehr beschränktem Umfang einsatzfähig und dann oft genug in illegalen Geschäften, was gleichfalls nicht dazu angetan ist, das Vertrauen in diese Konstrukte als allgemein gültige Währung zu stärken. Und Vertrauen ist nun mal das Lebenselixier jeder Währung.

          Das gilt nicht nur für Kryptowährungen und deckungslose Papierwährungen („Fiat money“), sondern auch für vermeintlich fundamental gesicherte Zahlungsmittel wie Gold. Nur wenn Gold ein Wert beigemessen wird, kann es als Zahlungsmittel dienen. Darüber hinaus führte der große Erfolg der Bitcoin dazu, dass sich die Abwicklungsdauer von Zahlungen in der zugrundeliegenden Blockchain deutlich erhöhte und enorm verteuerte.

          Kein Wertaufbewahrungsmittel

          Genauso wenig erfüllen Bitcoin derzeit die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel. Angesichts von Kursbewegungen von bis zu 20 Prozent pro Tag kann von Wertstabilität nicht gesprochen werden. Am deutlichsten zeigt sich dies in den Anekdoten von Pizzen oder Eiscreme, die einst mit Bitcoins bezahlt wurden. Laszlo Hanyecz zahlte im Mai 2010 für zwei große Pizzen 10.000 Bitcoin, heute würden dieselben Pizzen etwa 0,003 Bitcoin kosten.

          Das entspricht einer jährlichen Deflationsrate von etwa 82 Prozent. Zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar hätte die Inflationsrate dagegen rund 80 Prozent betragen. Von Wertbeständigkeit also keine Spur. Dieses Problem ging so weit, dass selbst für eine Bitcoin-Konferenz die Zahlung der Gebühren in Bitcoin zuletzt nicht zugelassen wurde.

          Ähnliche sind die Probleme mit anderen digitalen Währungen, ob sie nun Ripple oder Ethereum heißen. Ohne eine Regulierung, die den Wert der Währung etwa an die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes bindet, fehlt diesen die Stabilität.

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