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Aktie im Fokus : Die unterschätzte Telekom-Aktie

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, sieht seinen Konzern gut aufgestellt. Bild: dpa

Die T-Aktie galt einmal als Witwen- und Waisenpapier. Doch später verloren Anleger viel Geld und so ist die Aktie heute für viele Anleger ein rotes Tuch. Wie attraktiv ist sie nach der jüngsten Bilanzvorlage?

          Die Deutsche Telekom ist gut in das Jahr 2019 gestartet. Der Bonner Konzern hat in den ersten drei Monaten des Jahres vor allem von seinem Amerika-Geschäft profitieren können und verbuchte im ersten Quartal einen Umsatzanstieg von 9 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte und die neue Leasing-Bilanzierung bereinigte operative Ergebnis stieg nach Konzernangaben um 8,3 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro.

          Auch wenn diese Kennzahl etwas schwächer ausfiel, als erwartet, zeigten sich die Analysten in ersten Kommentaren positiv gestimmt. Akhil Dattani, Analyst bei JP Morgan, sieht die leichte Schwäche allein in Umrechnungseffekten aus der Amerika-Sparte begründet. Insgesamt habe der Konzern wie erwartet abgeschnitten. Andrew Lee von Goldman Sachs schreibt derweil, die Ergebnisse dürften Anleger von den verbesserten Trends im Deutschlandgeschäft überzeugen.

          Der Konzernüberschuss wurde durch die Kosten für die geplante Übernahme des amerikanischen Mobilfunkrivalen Sprint belastet und ging um 9 Prozent auf 900 Millionen Euro zurück. Die Jahresprognosen bestätigte der Konzern aber. Telekom-Chef Timotheus Höttges sieht überall im Konzern positive Entwicklungen. Ein Satz, den Aktionäre gerne hören – aber auch bestätigt sehen wollen. Das hängt bei der Deutschen Telekom auch stark mit der Vergangenheit der T-Aktie zusammen.

          Der Börsengang und die Internet-Blase

          Es war der 18. November 1996. Die Deutsche Telekom ging an die Börse und es sollte den Startschuss für eine neue Aktienkultur in Deutschland geben. Der Börsengang war ein Top-Ereignis. Es wurde geworben  wie selten zuvor: „Die Telekom geht an die Börse, und ich gehe mit", warb der inzwischen verstorbene Schauspieler Manfred Krug. Die mehr als 700 Millionen Aktien fanden zu 28,50 DM, umgerechnet zu 14,57 Euro, reißenden Absatz: 1,4 Millionen deutsche Privatanleger feierten mit.

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          Im März 2000 erreichte die „T-Aktie“ dann bei 103,50 Euro ihr Allzeithoch – fast das Siebenfache des Ausgabekurses. Wer zum Börsengang 10.000 Euro in die Aktie investiert hatte, konnte von sich sagen, dass er alles richtig gemacht hat. Im Depot stand nun eine Telekom-Position von fast 70.000 Euro. Was danach passierte, wissen auch alle Deutschen, die sich sonst weniger für die Börse interessieren. Die Technologie-Blase platzte und riss auch solide Werte wie die Deutsche Telekom mit nach unten.

          Ein jähes Ende der Aktienkultur

          Viele deutsche Anleger sahen sich im Nachhinein bestätigt, dass man an der Börse nur Geld verlieren könne. Die neue Aktienkultur fand ein jähes Ende, die Aktionärszahlen spiegelten dies in den darauffolgenden Jahren mit rückläufigen Zahlen wider.

          Im Jahr 2019 ist die Deutsche Telekom jedoch ein anderes Unternehmen als zur Jahrtausendwende. Der Konzern ist gut aufgestellt, der hohe Schuldenstand der Vergangenheit abgebaut und an der Spitze steht mit Timotheus Höttges ein Vorstandschef, der den Konzern auch abseits des florierenden Amerika-Geschäfts wieder auf den Wachstumspfad geführt hat – was in der Telekombranche für einen ehemaligen Monopolisten eine Seltenheit ist.

          Aktuell ist die Telekom-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 14 bewertet – eine moderate Bewertung, vor allem da sich die Deutsche Telekom in den vergangenen Jahren als solider Dividendenzahler bewährt hat: Die Dividendenrendite legt zurzeit bei mehr als 5 Prozent, in den vergangenen Jahren hat der Konzern die Dividende kontinuierlich erhöht.

          Auch wenn die T-Aktie gewiss keine „Volksaktie“ mehr ist: Unter den vielen Telekom-Werten an der Börse erscheint der deutsche Branchenprimus als einer der solidesten Werte, allein schon wegen der kontinuierlichen Dividendenausschüttung.

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