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Betriebsrenten : Schwache Rendite für Dax-Pensionspläne

Voranschreiten: Daimler hat eines der höchsten Planvermögen im Dax. Bild: dpa

Nicht nur Aktionäre konnten im vergangenen Jahr nicht zufrieden sein. Auch die Kapitalanleger der Betriebspensionäre hatten es nicht leicht. Doch für sie gab es auch einen Lichtblick.

          Wer im vergangenen Jahr Geld an den Aktienmärkten angelegt hat, konnte mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Der schwierige Jahresbeginn in Europa wurde auch durch spätere Kursgewinne nicht ausgeglichen. In Nordamerika verhagelte vor allem das schwache Schlussquartal ein positives Jahresergebnis. Das trifft auch die 30 deutschen Konzerne, die im Aktienindex Dax gelistet sind und für die Betriebspensionen ihrer Mitarbeiter Kapital anlegen. Nach Schätzungen des Beratungsunternehmens Mercer haben sie für europäische Aktien Renditen von minus 10 Prozent erzielt, für nordamerikanische Aktien minus 5 Prozent und mit festverzinslichen Wertpapieren einen leicht positiven Ertrag eingefahren. Dieser habe aber nicht ausgereicht, um die Verluste mit den Aktien zu kompensieren. Insgesamt dürfte die Gesamtrendite der 30 Unternehmen geschätzt bei etwa minus 3 Prozent liegen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Diese Werte ermittelt Mercer auf Basis der Geschäftsberichte und allgemein zugänglicher Kapitalmarktinformationen und hat sie der F.A.Z. vorab zur Verfügung gestellt. Die Entwicklungen an den Märkten haben immer über verschiedene Hebel Auswirkungen auf die Pensionspläne. Ein fallender Zins zum Beispiel bewirkt, dass der aktuelle (Bar-)Wert der künftigen Verpflichtungen zunimmt und die Konzerne bilanziell eine höhere Last tragen müssen. In diesem und vergangenem Jahr allerdings stieg der Rechnungszins auf niedrigem Niveau leicht, was umgekehrt zu einer bilanziellen Entlastung führt. Dagegen steht die Entwicklung der Kapitalanlagen, mit denen die Konzerne diese Verpflichtungen decken. Fällt ihr Wert, kann das zu einem niedrigeren Ausfinanzierungsgrad führen.

          Nach den Hochrechnungen von Mercer hat sich im vergangenen Jahr kein starker Effekt ergeben. Der Rechnungszins, mit dem die Konzerne ihre Verpflichtungen abzinsen müssen, stieg laut der Mercer Yield Curve für eine Frist von 15 Jahren um 0,1 Prozentpunkt auf 2 Prozent und für eine Frist von 20 Jahren mit einem ebenso großen Schritt auf 2,2 Prozent. Das hat bei Pensionsverpflichtungen von insgesamt 368 Milliarden Euro zu einer Entlastung von 7 Milliarden Euro geführt. Im Vergleich zum Vorjahr fällt überdies ein um 5,4 Milliarden Euro geringeres Ausgangsniveau auf, weil mit der Commerzbank und Pro Sieben Sat 1 zwei Unternehmen mit etwas höheren Verpflichtungen den Dax verlassen haben, als mit Covestro und Wirecard hinzugekommen sind. Schon im Vorjahr hatte es durch einen etwas höheren Rechnungszins eine Entlastung von 4 Milliarden Euro gegeben. „Von einer deutlichen Trendwende kann noch nicht gesprochen werden“, sagt Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer Deutschland.

          Verluste nicht ganz ausgeglichen

          Bei den Pensionsvermögen hingegen gab es nach der Schätzung den umgekehrten Effekt. Zum Jahresanfang hatte das Pensionsvermögen bei 258 Milliarden Euro gelegen. Durch die neue Dax-Zusammensetzung fiel es auf 252 Milliarden Euro. Die Verluste mit den Aktienanlagen wurden durch neue Zuführungen in die Planvermögen von 3,5 Milliarden Euro nicht ganz ausgeglichen, so dass nach der Mercer-Analyse ein Pensionsvermögen von 250 Milliarden Euro am Ende des Jahres bestand. Diese gegenläufigen Effekte haben dazu geführt, dass der Grad der Ausfinanzierung der Betriebsrenten nur marginal von 69 auf 68 Prozent gesunken ist.

          Das ist in etwa der Durchschnitt des vergangenen Jahrzehnts. „Im Vergleich zur restlichen Wirtschaft in Deutschland sind die Verpflichtungen der Dax-30-Unternehmen sehr gut mit Pensionsverpflichtungen bedeckt“, sagt Jeffrey Dissmann, Kapitalanlageberater von Mercer. Viele Unternehmen nutzen Pensionsverpflichtungen auch als günstiges Instrument, um Investitionen zu finanzieren. Sie rechnen damit, dass sich ihre Investitionen so gut rechnen, dass sie die Pensionen aus dem Mittelzufluss finanzieren können. Andere sichern ihre Vermögen zumindest durch die Auslagerung in spezielle Finanzvehikel wie Contractual Trust Arrangements (CTA) ab. Durch die weiterhin unterdurchschnittlichen Zinsen am Anleihemarkt steigt der Aufwand, Garantieverpflichtungen zu erfüllen. „Reine Beitragszusagen werden in der Zukunft vermehrt im Fokus stehen, auch wenn die durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz geschaffenen neuen Möglichkeiten von den Tarifpartnern im Jahr 2018 noch nicht genutzt wurden“, sagt Hagemann.

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