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Hidden Champions gesucht : Beteiligungsgesellschaft Capvis setzt auf Asien und Konsum

Die Beteiligung am Kochgeschirrhersteller WMF hat Capvis inzwischen verkauft. Bild: dpa

Die Private-Equity-Gesellschaft sucht Unternehmen, die von der neuen asiatisch-pazifischen Handelszone profitieren. Nach Ansicht von Partner Daniel Flaig wächst China in eine neue, attraktive Rolle.

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          Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis hält das gerade geschlossene asiatisch-pazifische Handelsabkommen für unterschätzt. „Dass China jetzt mit Ländern wie Japan, Australien, Korea und Kanada eine Freihandelszone bildet, verändert die Perspektiven im weltweiten Handel erheblich. In den letzten Jahren wurde es immer schwieriger, Waren aus Fabriken in China in umliegende Länder zu exportieren“, sagt Daniel Flaig, Partner der Capvis AG.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ändere sich durch das Abkommen, Chinas Attraktivität als Produktions- und Exportstandort wachse. „Die neue asiatisch-pazifische Freihandelszone wird in den nächsten zwanzig Jahren die Boomregion der Welt sein“, sagte Flaig vor der Hauptversammlung seines Unternehmens an diesem Dienstag. Deshalb investiere Capvis gern in „Hidden Champions“ aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die davon besonders profitierten.

          Im Gespräch mit der F.A.Z. nennt Flaig einen weiteren Trend, den er beobachtet. „Der Anteil der Investitionsgüter am Welt-Bruttoinlandsprodukt wird sinken, der Anteil des Konsums wird, beflügelt von der Mittelklasse in den asiatischen Schwellenländern, steigen.“ Auch in China, lange „Werkbank“ für viele Unternehmen, werde mehr konsumiert, während Unternehmen ihre Investitionstätigkeit nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit ausweiteten.

          Wenn auch gebremst durch die von Corona ausgelösten Rezessionen, trieben die niedrigen Zinsen die Preise für Unternehmen weiter, ist Flaig überzeugt, nicht den richtigen Investitionszeitpunkt verpasst zu haben. Der lag – im Rückblick lässt sich das leicht sagen – zumindest mittelfristig an den Aktienbörsen im März 2020, als der Dax wegen des ersten Lockdowns auf weniger als 8500 Punkte fiel – heute steht der Dax trotz zweiten Lockdowns, getrieben von geld- und fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen, auf 13000 Punkten.

          M&A-Markt stabiler als Aktienmarkt

          Anders als an der Börse habe es auf dem Markt für Unternehmenskäufe und Übernahmen (M&A) im März 2020 keine Panik- oder Notverkäufe gegeben, sagt Flaig. „Die Akteure auf dem M&A-Markt agieren bei derartigen Einbrüchen aufgrund des höheren Transaktionsaufwands einfach langsamer als an der Börse.“

          Wegen der schnellen Stützungsmaßnahmen hätten sich auch keine mit früheren Krisen vergleichbaren Gelegenheiten mehr ergeben. So hat Capvis kontinuierlich investiert und zuletzt in der Schweiz Beteiligungen an der Altersheimgruppe Tertianum und am Software-Dienstleister BSI sowie in Italien am Landwirtschaftsmaschinenhersteller Arag erworben.

          Die Capvis AG ist aus dem Schweizerischen Bankverein (heute UBS) hervorgegangen und agierte bei Gründung zunächst unter dem Namen SBC Equity Partners. Seit Gründung haben die von Capvis beratenen Fonds in rund 60 Unternehmen in einem Gesamtvolumen von rund 3,5 Milliarden Euro investiert.

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