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Amerikanische Unternehmen : Attacke auf Aktienrückkäufe

Hohe Aktienrückkäufe helfen auch den Kursen an der Börse. Bild: AFP

Prominente Politiker in Amerika kritisieren eine „unternehmerische Selbstbedienungsmentalität“. Eine entscheidende Forderung in Bezug auf Aktienrückkäufe kommt auch von Senator Bernie Sanders.

          Die Führung der amerikanischen Demokraten will die Fähigkeit von Aktiengesellschaften beschränken, eigene Aktien zurückzukaufen. Eine entsprechende Gesetzesinitiative hat der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Charles Schumer, in einem gemeinsam mit dem parteilosen linken Senator Bernie Sanders verfassten Beitrag für die „New York Times“ angekündigt.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Zwischen 2008 und 2017 hätten 466 der S&P 500-Unternehmen vier Billionen Dollar und damit 53 Prozent ihrer Gewinne in Käufe eigener Aktien gesteckt. Weitere 30 Prozent der Gewinne seien als Dividende ausgeschüttet worden.

          Schumer und Sanders sprechen von einer unternehmerischen Selbstbedienungsmentalität. Sie sei nicht neu, aber enorm gestiegen. Die Steuersenkungen unter Präsident Donald Trump hätten die Unternehmen animiert, 2018 eigene Aktien im Wert von mehr als 1 Billion Dollar kaufen - nach Darstellung der Autoren ein Rekord.

          Schumer und Sanders wollen einen Gesetz in den Senat einbringen, dass Firmen Aktienrückkäufe verbietet – es sei denn, sie zahlen ihren Arbeitnehmern einen Stundenlohn von mindestens 15 Dollar, gewährten Lohnzahlung im Krankheitsfall und stellten einen Pensionsplan für die Beschäftigten auf.

          Apple ist ein gutes Beispiel

          Die einflussreichen Politiker sehen die Aktien-Rückkaufprogramme aus zwei Gründen als problematisch an: Sie begünstigten die Reichen, denn 85 Prozent aller Aktien in den Vereinigten Staaten würden von den reichsten 10 Prozent der Haushalte aushalten gehalten. Zudem profitiere das Management, dessen Einkommen auch vom Aktienkurs abhänge.

          Das zweite Argument: Wenn Gewinne für Aktienrückkäufe und Dividenden verwendet werden, bleibt zu wenig Geld für Investitionen und für Lohnerhöhungen. Es sei kein Zufall, dass Aktienrückkäufe Rekordhöhe erreicht hätten, während die Löhne stagnierten.

          Tatsächlich haben Unternehmen 2018 in großem Umfang eigene Aktien gekauft, offenbar stimuliert durch die Steuerreform. Doch die These, dass das ausgeschüttete Geld ökonomisch wirkungslos verpufft, ist unglaubwürdig. Das Geld landet bei Aktien-Anlegern, die es zum Beispiel in junge Unternehmen mit guten Geschäftsideen stecken.

          Darauf weisen etwa der Ökonom John Cochrane und der Hedge-Fonds-Manager Cliff Asness hin. Offenbar beschränken zudem die Rückkäufe Investitionen nicht. Sie korrelieren vielmehr seit Jahren positiv. In der ersten Jahreshälfte 2018, dem Rekordjahr für Aktienrückkäufe, waren die Investitionen ebenfalls überdurchschnittlich hoch. Der Apple-Konzern liefert ein Beispiel für Investitionen und Rückkaufprogramme in zweistelliger Milliardenhöhe.

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          Die Rückkäufe werden von Apple und vielen anderen Unternehmen überdies mit Krediten finanziert, wie Asness zeigt. Das widerspricht dem Mythos, dass dafür  Gewinne und damit Eigenkapital verwendet werden.

          Aktienrückkäufe können den Wert der Aktie stützen, zeigt umfangreiche Literatur. Mögliche Ursache ist, dass die Investoren positiv werten, dass ein Konzern die liquiden Mittel nicht für Unsinn oder sehr riskante Investitionen vergeudet.

          Positiv kommt an den Märkten auch an, wenn durch kreditfinanzierte Sonderausschüttungen die Finanzierungsstruktur des Aktienunternehmens effizienter wird. Asness räumt in seiner Analyse allerdings auch ein, dass Manager Aktienrückkaufprogramme auch starten könnten, um sich zu bereichern.

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