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Aufstockung von Beteiligung : Buffetts langer Schatten an der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Warren Buffett Bild: AFP

Die Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway stockt ihre Beteiligung an der Bank of New York Mellon deutlich auf.

          3 Min.

          Warren Buffett ist als Starinvestor bekannt, als Multimilliardär und als Wohltäter. Seine Anlageideen finden an der Wall Street viele Nachahmer und beflügeln in der Regel die Kurse der Aktien, die er für das 191-Milliarden-Dollar-Portfolio seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway erwirbt. Zudem gilt er wegen seiner immer wieder geäußerten Kritik an Exzessen der Branche als eine Art Gewissen der Wall Street. Buffett übt im Hintergrund aber noch einen anderen, möglicherweise viel bedeutenderen Einfluss auf die Finanzbranche aus. Denn Aktienpakete von Banken und Finanzdienstleistern spielen im Depot von Berkshire Hathaway eine immer bedeutendere Rolle.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          In der vergangenen Woche machte Buffett mit der durch eine Mitteilung an die Börsenaufsicht bekanntgewordenen Aufstockung seiner Beteiligung am Technologiekonzern Apple große Schlagzeilen. Berkshire hatte die bestehende Position von Apple im vierten Quartal um 23 Prozent erhöht, was Apple mit einem Marktwert von fast 28 Milliarden Dollar zur größten Position im Berkshire-Portfolio machte. Nahezu untergegangen in der verständlichen Aufregung um Apple war dagegen, dass Buffett auch seine Position bei der Bank of New York Mellon um 21 Prozent vergrößert hatte.

          Größter Einzelaktionär von drei der fünf größten amerikanischen Banken

          Berkshire hält jetzt Aktien im Wert von mehr als 3 Milliarden Dollar an der auf die Verwahrung von Wertpapieren spezialisierten Großbank. Damit rangiert die gemessen an der Bilanzsumme neuntgrößte amerikanische Bank unter den Wertpapieranlagen von Berkshire erstmals auf Rang 10. Berkshire ist zudem größter Einzelaktionär von drei der fünf größten amerikanischen Banken: Wells Fargo, Bank of America und US Bancorp.

          Mit einem Wert von knapp 28 Milliarden Dollar – allerdings etwas weniger als Apple – ist die zuletzt wegen eines Skandals um Scheinkonten unter Druck geratene Bank Wells Fargo die zweitgrößte Anlageposition bei Berkshire. Wells Fargo ist die drittgrößte Bank in den Vereinigten Staaten. Buffett, der im vergangenen Quartal die Position leicht um 1 Prozent reduziert hatte, kann nicht mehr weiter aufstocken, weil die amerikanischen Aufsichtsbehörden für branchenfremde Unternehmen nur eine Beteiligung von maximal 10 Prozent an Banken erlauben.

          Die viertgrößte Position bei Berkshire im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar bekleidet die Bank of America, das zweitgrößte Kreditinstitut des Landes. Der Branchenfünfte US Bancorp ist mit einem aktuellen Wert von fast 5 Milliarden Dollar das achtgrößte Aktienpaket von Berkshire. Dazu kommen unter den Top Zehn noch Finanzdienstleister, die nicht als Banken klassifiziert sind. Das Aktienpaket des Kreditkartenkonzerns American Express, die sechstgrößte Position bei Berkshire, hat einen Marktwert von 15 Milliarden Dollar. Buffett hat bei der Notenbank Fed einen Antrag gestellt, den Anteil von zuletzt rund 17 Prozent auf knapp 25 Prozent aufstocken zu dürfen.

          Bankanlagen waren zuletzt für Warren Buffett lukrativ

          Ebenfalls unter den größten zehn Positionen findet sich die Ratingagentur Moody’s, ein weiterer Finanzdienstleister. Berkshire ist mit einer Beteiligung von zuletzt knapp 3 Milliarden Dollar zudem Großaktionär der Investmentbank Goldman Sachs. Ebenfalls unter den 25 größten Positionen findet sich die Regionalbank M&T, deren Aktien zuletzt etwas mehr als 900 Millionen Dollar wert waren. Insgesamt stellen Finanzdienstleister unter den größten 25 Aktienpositionen rund zwei Fünftel des Portfolios. Der konkrete Einfluss von Berkshire auf die Branche reicht noch über die Aktionärsrolle hinaus.

          Todd Combs, einer von zwei designierten Nachfolgern Buffetts in der Rolle des Chefanlegers von Berkshire, sitzt im Verwaltungsrat der größten amerikanischen Bank JP Morgan Chase. Eine direkte Beteiligung an ihr hält Berkshire nicht. Er lobt allerdings deren Vorstandschef Jamie Dimon und empfiehlt dessen Aktionärsbrief regelmäßig als Lektüre.

          Mit seinen Bankanlagen hat Buffett im vergangenen Jahr überwiegend gut verdient. Bankaktien profitierten von der avisierten Lockerung der Regulierung unter der neuen Regierung und von einem erwarteten Anstieg der Zinsen. Spitzenreiter im Portfolio von Berkshire war die Bank of America, deren Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 30 Prozent kletterte. Zum Vergleich:

          S&P 500

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          Der breit gefasste Aktienindex S&P 500 legte im gleichen Zeitraum um rund 16 Prozent zu. Der Aktienkurs der Bank of New York hatte sich ebenfalls überdurchschnittlich gut entwickelt und bekam durch die Zukäufe von Buffett weiteren Auftrieb. Nachzügler mit einem Plus von nur 3 Prozent war Wells Fargo, der die Notenbank Federal Reserve wegen der fragwürdigen Geschäftsmethode kürzlich einen Wachstumsstopp verordnete. Die Bank darf ihre Bilanzsumme von zuletzt knapp 2 Billionen Dollar erst wieder steigern, wenn sie Unternehmensführung und interne Kontrollen ausreichend verbessert hat.

          Angestellte der Bank hatten für bestehende Kunden Phantomkonten eröffnet und gebührenpflichtige Kreditkarten ausgestellt, um aggressive Vertriebsziele zu erfüllen. Die Bank, die vor zehn Jahren weitgehend unbeschadet durch die Finanzkrise gesteuert war, wurde zum jüngsten Buhmann der Branche. Der langjährige Vorstandschef John Stumpf wurde ausgetauscht. Buffett hat dem neuen Vorstandschef Tim Sloan in der Vergangenheit aber öffentlich sein Vertrauen ausgesprochen. Aktien würde er nur verkaufen, damit die Beteiligung von Berkshire, wie von der Fed gefordert, unter 10 Prozent bleibe. Buffetts Geschäftspartner Charlie Munger sagte in der vergangenen Woche, es sei Zeit, dass die Aufsichtsbehörden von Wells Fargo „ablassen“. Wells Fargo werde nach Korrektur der Fehler in „besserer“ Verfassung sein.

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