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Technische Analyse : Aktien zum Verkaufen

  • -Aktualisiert am

Blaue Blechdose = Beiersdorf Bild: dpa

Einige deutsche Aktien liefern technische Eintrübungen. In manchen Fällen sollten Anleger konsequent handeln und Gewinne mitnehmen.

          Nach mehreren Jahren mit ausgeprägten Kursgewinnen in den deutschen Auswahlindizes (Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax) sorgen die Verschiebungen im Umfeld und die veränderte technische Lage an Wall Street nicht nur bei europäischen Standardwerten für technische Eintrübungen. Auch am deutschen Aktienmarkt zeigen sich bei der technischen Marktbreite, also der isolierten technischen Gesamtlage der Einzeltitel in den Aktienindizes, technische Verschlechterungen.

          Bei diesen Aktien bieten sich Gewinnmitnahmen, Tauschoperationen oder technisch motivierte Verkäufe an. Mit Blick auf den Dax ist zurzeit bei Beiersdorf und Merck technische Vorsicht geboten. Im M-Dax gilt dies – neben der Deutschen Euroshop – auch für Pro Sieben Sat 1 und Metro. Im S-Dax ist – neben Südzucker mit einem intakten Baisse-Trend – auch Bet-at-home von einer grundlegenden technischen Verschlechterung betroffen.

          Beiersdorf - bald nicht mehr im Dax?

          Beiersdorf, deren Geschäftsschwerpunkt in der Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Körperpflegeprodukten, medizinischen Einwegprodukten und Klebstoffprodukten auf der ganzen Welt liegt, kam im Dezember 2008 – damals anstelle von Continental – in den Dax. Nach der zuletzt erfolgten außerordentlichen Anpassung der Dax-Zusammensetzung (der Chemiekonzern Covestro ersetzt den Medienkonzern Pro Sieben Sat 1, der jetzt in den M-Dax einsortiert wurde) ist Beiersdorf nach Streubesitz die kleinste Aktie. Mit Blick auf die nächste reguläre Überprüfung der Dax-Zusammensetzung im September 2018 sollte es nicht überraschen, wenn Beiersdorf in den kommenden Monaten im Mittelpunkt der Diskussion über eine Indexentnahme steht.

          Dies ergibt sich daraus, dass bei regulären Index-Überprüfungen die Hürden, um in den Dax zu kommen oder herausgenommen zu werden, nicht so hoch sind wie bei außerordentlichen Index-Überprüfungen (jeweils im März, Juni und Dezember eines Jahres). Nicht nur aus indextechnischer Sicht kommt Beiersdorf damit in den Fokus, sondern auch aus langfristiger technischer Sicht deutet sich eine Veränderung an. Zunächst gehört die Aktie zu den technischen Marathonläufern am deutschen Aktienmarkt (steht für Aktien in sehr langfristigen Aufwärtsbewegungen, die bei einer Gesamtmarkthausse im Regelfall eine technische Neubewertung durchlaufen und neue Allzeithochs liefern). Seit März 2009 und Kursen um 28,70 Euro befindet sich Beiersdorf in einem technischen Hausse-Zyklus.

          Anleger sollten Gewinne mitnehmen

          Der zentrale, neunjährige Hausse-Trend befindet sich im Bereich um 85 Euro und damit nicht weit vom aktuellen Kursniveau. Innerhalb dieser Hausse-Bewegung hat Beiersdorf seit Mitte 2013 einen technischen Hausse-Kanal herausgebildet. So ein Aufwärtskanal entsteht, wenn sich der Aktienkurs zwischen zwei parallel verlaufenden Trendlinien nach oben bewegt. Hierbei kommt der unteren Trendlinie aus technischer Sicht die höhere Bedeutung zu. Aktuell liegt diese untere Aufwärtstrendkanallinie ebenfalls im Bereich um 85 Euro.

          Nachdem Beiersdorf noch zum Jahreswechsel mit Kursen um 102 Euro (neues Allzeithoch) die obere Aufwärtstrendkanallinie getestet hatte, kam es zu (mittelfristigen) technischen Eintrübungen. Zuerst lieferte die Aktie im Januar/Februar 2018 mit dem Rutsch unter die 100-Tage- und 200-Tage-Linie ein Gewinnmitnahmesignal. Insgesamt entwickelte sich ein kurzfristiger Abwärtstrend, wobei es zusätzlich zu einer Kursetablierung unterhalb der jetzt schon leicht fallenden 200-Tage-Linie (zurzeit bei 93,70 Euro) gekommen ist. Der zusätzliche Verlust an mittelfristiger Aufwärtsdynamik signalisiert, dass Beiersdorf in den kommenden Wochen sowohl den fast fünfjährigen Aufwärtstrendkanal als auch den neunjährigen zentralen Hausse-Trend zumindest zur Seite verlassen sollte.

          Da Beiersdorf nur eine unter dem Dax-Durchschnitt liegende (Brutto-)Jahresdividendenrendite von 0,80 Prozent bietet (Dax-Durchschnitt zurzeit über 3,0 Prozent), sollte dies den Kurs kaum stützen. Zusammengefasst, liefern die indextechnische und technische Gesamtlage gute Argumente, um bei Beiersdorf – nach vielen guten Jahren – eine Gewinnmitnahme oder einen Tausch in andere Titel vorzunehmen.

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