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Baywa-Aktien : Kleine Mysterien der Börse

Baywa ist Europas größter Agrarhandelskonzern. Bild: dpa

Der Kurs der Baywa-Aktie steigt am Dienstag deutlich. Nein, er fällt leicht. Tatsächlich gibt es zwei Baywa-Aktien, die sich nicht einig sind. Ein Blick in ein (vermeintliches) Mysterium.

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          Der Agrarkonzern Baywa, der die Landwirtschaft mit allem beliefert was sie vom Traktorzubehör über das Ersatzteil für den Mähdrescher bis hin zum Saatgut so braucht, ist am Dienstag an der Börse gefragt. Um bis zu mehr als 10 Prozent stieg der Kurs der Namensaktien des Konzerns und kratzt damit wieder an den Hochs des Jahres 2018.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was die Auslöser dieses Kursanstiegs sind, ist nicht so einfach zu bestimmen. Am Montag wurde unter anderem in der Vorberichterstattung zum „Global Food Summit“ im März bekannt, dass Baywa in der Oasenstadt Al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit dem „Al Dahra BayWa Greenhouse" ein Vorzeigeprojekten auf dem Gebiet des Urban Farming unterhält.

          In einem Gemeinschaftsunternehmen werden in zwei Treibhäusern auf insgesamt zehn Hektar Land rund 3.000 Tonnen Tomaten angebaut. Die Treibhäuser verbrauchen rund zwei Drittel weniger Wasser als
          konventionelle Anlagen. Zudem gilt die dort angewandte neue Kühltechnik als einzigartig auf der Welt. Außerdem verkaufte Baywa ein Biomethan-Portfolio.

          Nicht die liquideste Aktie

          Ob dies jedoch als Auslöser gelten kann, ist wohl anzuzweifeln. Schon in der Vorwoche kamen Spekulationen auf, dass die Aktie wieder in den Kleinwerteindex S-Dax zurückkehren könnte, dem sie schon zwischen 2003 und 2017 angehörte. Das würde der Aktie womöglich größere Liquidität verschaffen.

          Der Mangel an eben dieser war es auch, der vor anderthalb Jahren den Abstieg aus dem Index begründete. Und aktuell ist der Umsatz nicht eben spitzenmäßig.

          In dem rund 450 Werte umfassenden C-Dax, der alle an der Frankfurter Wertpapierbörse im General Standard und Prime Standard notierten deutschen Aktien enthält, liegt Baywa im unteren Mittelfeld. Für das Mittelfeld des S-Dax' würde das durchschnittliche Handelsvolumen allerdings gut reichen.

          Baywa ST

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          Das vergleichsweise geringe Handelsvolumens hat mehrere Gründe. So leistet sich Baywa zwei Aktiengattungen: Namensaktien und sogenannte vinkulierte Namensaktien. Letztere ist die wichtigere, denn von ihr gibt es rund dreißigmal so viele.

          Im Fall von vinkulierten Namensaktien aber ist für den Eigentumsübertrag die Zustimmung der Gesellschaft erforderlich. Für Privatanleger hat dies zwar kaum Auswirkungen, jedoch ist die Aktiengattung aufgrund dessen weniger beliebt. Diese Unbeliebtheit zeigt sich in einem Kursabschlag, der aktuell nicht weniger als 33 Prozent beträgt. Tatsächlich stieg am Dienstag auch nur der Kurs der Namensaktie, während der der vinkulierten Namensaktien sogar um 1 Prozent nachgibt.

          BAYWA AG NA O.N.

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          Darüber hinaus ist die absolute Zahl der (nicht-vinkulierten) Namensaktien mit 1,24 Millionen sehr gering. Davon sind nur rund 40 Prozent im Streubesitz, so dass also nur rund 742.000 Aktien handelbar sind. Das durchschnittliche Handelsvolumen liegt auch nur bei zwei Prozent der vinkulierten Aktie. Diese Illiquidität dieser Aktie zeigt sich auch in periodisch auftretenden Kursanstiegen von 6 Prozent und mehr, die dann oft schon am nächsten Tag Geschichte sind.

          Fast an jedem fünften Tag wird die Namensaktie gar nicht gehandelt. Der Dienstag ist ein Ausnahmetag: Das Handelsvolumen beträgt aktuell das Zehnfache des Durchschnitts der vergangenen zwölf Monate. das ist der zweitaktivste Handelstag in diesem Zeitraum überhaupt.

          S-Dax-Spekulationen?

          Alles in allem hat der Kursausschlag der Namensaktie im Endeffekt wenig zu bedeuten. Viel interessanter mag es sein, über den Grund zu rätseln, warum der Abschlag auf die vinkulierte Namensaktie derzeit so immens hoch ist. Anfang Oktober betrug der Abschlag rund 7,5 Prozent, war also rund dreimal geringer.

          Aber auch hier gilt: der Abschlag nimmt periodisch immer wieder zu und dann wieder ab. Aktuell ist einmal mehr ein neuer Rekordwert erreicht, der den vom Juni  2003 übertrifft. Auch damals stand die Aufnahme in den S-Dax kurz bevor. Offenbar gibt es Hoffnungen, dass die Namensaktie davon überproportional profitieren könnte oder Baywa gar beide Gattungen zusammenlegt.

          Allerdings hatte Baywa-Chef Klaus Josef Lutz 2017 den Ausschluss aus dem S-Dax in einem offenen Brief kritisiert und die Liquiditätskriterien als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet. Viel mehr solle werteorientierte Unternehmensführung bei Indexanpassungen künftig  berücksichtigt werden.  Das lässt dies eher unwahrscheinlich erscheinen.

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