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Nach der Hauptversammlung : Bayer versucht das Aktionärsdebakel auszusitzen

Bayer-Chef Werner Baumann spricht auf der Hauptversammlung am Freitag zu den Aktionären. Die verweigern ihm anschließend die Entlastung. Bild: AFP

Wunden lecken und um Vertrauen buhlen: Nach dem Misstrauensvotum für den Bayer-Vorstand gab es zwar Rückendeckung vom Aufsichtsrat. Aber der muss sich nun auf zunehmende Kritik einstellen.

          Werner Baumann und seine Vorstandskollegen vom Leverkusener Bayer-Konzern schaffen es, bemerkenswerte Rekorde aufzustellen: den teuersten Zukauf in der deutschen Unternehmensgeschichte, die größte Wertvernichtung an der Börse innerhalb kürzester Zeit und die schlechtesten Abstimmungsergebnisse, die ein amtierender Dax-Vorstand je eingefahren hat. Bisherige Rekordhalterin war die Deutsche Bank mit ihren damaligen Ko-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Deren Entlastung wurde von den Aktionären immerhin gebilligt, aber nur mit rund 61 Prozent der Stimmen.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon Werte unter 90 Prozent gelten als bedenklich. Bei Bayer lag die Zustimmung zur Vorstandsarbeit im vergangenen Jahr bei 97 Prozent, obwohl schon damals die milliardenschwere Übernahme des umstrittenen Monsanto-Konzerns die Diskussion geprägt hatte. Aber damals erschien die Prozesswelle zu Monsantos Unkrautvernichter Glyphosat noch nicht so bedrohlich, und es war auch noch nicht das erste für den Konzern so katastrophale erstinstanzliche Urteil gefällt. In diesem Jahr erhielt auch der Aufsichtsrat eine Ohrfeige: Der Antrag auf dessen Entlastung wurde nur mit Zweidrittelmehrheit angenommen. Anders als im Vorjahr trauen inzwischen auch ihm längst nicht mehr alle Aktionäre zu, die Lage im Griff zu haben.

          „Nehmen die Abstimmungsergebnisse sehr ernst“

          Die Nichtentlastung des Vorstands hat keine rechtlichen Konsequenzen. Er darf weiterarbeiten, wenngleich mit erheblichen Kratzern an seiner Reputation. Ließ im Fall des Vorstandsduos der Deutschen Bank der Rücktritt nicht lange auf sich warten, stärkten die Bayer-Kontrolleure dem Vorstand – der Denkzettel traf die gesamte Riege, wenngleich primär Baumann gemeint war – noch in der Nacht den Rücken. Der Aufsichtsrat stehe geschlossen hinter ihm, teilte Bayer nach einer direkt im Anschluss an das Aktionärstreffen kurzfristig einberufenen außerordentlichen Sitzung mit.

          Dasselbe hatte Aufsichtsratschef Werner Wenning, Ziehvater des seit drei Jahren amtierenden Bayer-Chefs, schon in der Hauptversammlung bekräftigt. Wenning übte sich in der kurz nach Mitternacht verbreiteten Unternehmensmitteilung freilich in Demut. Man nehme die Abstimmungsergebnisse sehr ernst. Der Aufsichtsrat werde sie zum Anlass nehmen, den Bayer-Vorstand darin zu unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre in das Unternehmen und seine Strategie zurückzugewinnen. Höchste Priorität sollen die Verteidigung in den anstehenden Gerichtsverhandlungen und Berufungsverfahren zu Glyphosat sowie das Erreichen der im Dezember 2018 vorgegebenen Renditeziele haben.

          Es fehlt die Alternative

          Dennoch ist Baumann erheblich geschwächt, der Bayer-Chef angezählt. Seine Zukunft dürfte vom Fortgang der Prozesse abhängen, wobei ein Ergebnis im Berufungsverfahren für das erste Glyphosat-Urteil nicht vor Ende des Jahres erwartet wird und es aus Sicht des Vorstands auch noch zu früh für eine Entscheidung über mögliche Vergleiche mit den Klägern ist. Als „Warnsignal“, wollte Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment sein Votum für Nichtentlastung verstanden wissen. Jetzt Führungsdebatten anzuzetteln würde das komplexe Unternehmen in noch größeres Chaos führen, zeigte er sich wie weitere Aktionärsvertreter überzeugt.

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