https://www.faz.net/-gv6-9l1rb

Nach Glyphosat-Schlappe : Aktienkurs von Bayer fällt drastisch

  • Aktualisiert am

Für Bayer wird es schwierig Bild: dpa

Bayer hat im ersten Schadenersatzprozess um Glyphosat eine erste, herbe Niederlage einstecken müssen. Viele Anleger halten nun milliardenhohe Schadenersatzzahlungen für wahrscheinlich.

          Die schwere Schlappe des Bayer-Konzerns in einem richtungweisenden Prozess um das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat lässt den Kurs der Bayer-Aktie am Mittwoch deutlich fallen. Um mehr als 12 Prozent gibt der Kurs auf weniger als 61 Euro nach.

          Die Bayer-Aktionäre treibt die Furcht um, dass der Konzern zu Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe verurteilt werden könnte. Eine Geschworenen-Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco befand einstimmig, dass der Unkrautvernichter Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen sei.

          Der Prozess geht nun in eine zweite Phase, in der die Haftungsfrage geklärt wird. Dabei geht es auch darum, ob Monsanto über Risiken hinweggetäuscht hat und wie hoch ein möglicher Schadenersatz ausfallen könnte. Für Bayer dürfte es nun eigentlich nur noch darum gehen, den Schaden zu begrenzen, sagte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research. Mit Blick auf die zweite Prozessphase sei das Schlimmste zu befürchten.

          Kurszielkorrektur um 33 Prozent

          Der Fall Hardeman ist für Bayer und den unter Druck stehenden Konzernchef Werner Baumann hochbrisant, da es sich um einen richtungsweisenden „Bellwether Case“ handelt, also eine Art Musterfall in einem Massenverfahren. Mehrere dieser repräsentativen Fälle sind angesetzt. Sie sollen den Streitparteien helfen, das Ausmaß von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können.

          Analyst Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst stufte die Bayer-Aktien nach der in seinen Augen überraschenden Niederlage von „Outperform“ auf „Neutral“ ab und strich das Kursziel von 90 auf 60 Euro massiv zusammen. Bayer scheine keine überzeugenden Argumente gehabt zu haben, um die Behauptungen des Klägers zu entkräften, erklärte der Experte. Die Wahrscheinlichkeit steige, dass Bayer und die im Zentrum der Klagen stehende Saatguttochtergesellschaft Monsanto eine große Zahl der vielen tausend Glyphosat-Klagen verlieren könnten.

          Zudem könnten die Kosten für eine Beilegung der Rechtsstreitigkeiten noch größer sein als er aktuell bei der Bewertung der Aktien berücksichtige, fuhr Leacock fort. Er rechnet aktuell mit rund 11 Milliarden Euro, die auf Bayer zukommen könnten. Die amerikanische Bank JPMorgan hat die Einstufung dagegen auf "Neutral" mit einem Kursziel von 70 Euro belassen, war damit also von Vornherein weniger optimistisch.

          BAYER

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          So wurden bis Ende Januar Monsanto in den Vereinigten Staaten glyphosatbezogene Klagen von etwa 11 200 Klägern zugestellt. Bereits Ende März soll ein weiterer Prozess bei einem Landgericht im kalifornischen Oakland starten, weitere sollen rasch folgen.

          Bayer zeigte sich in einer ersten Stellungnahme derweil zwar enttäuscht von der Entscheidung, bleibt aber davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachten. Bayer ist zuversichtlich, im zweiten Teil des Prozesses beweisen zu können, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für Hardemans Krebserkrankung haftbar gemacht werden sollte.

          Mit den Kursverlusten fielen die Bayer-Aktien am Mittwoch wieder in Richtung ihres Mehrjahrestiefs von 58,34 Euro. Zum Vergleich: Vor einem Jahr kosteten die Aktien noch rund 100 Euro. Nach dem überraschenden Verlust eines ersten Glyphosat-Prozesses im August 2018 ging es dann steil abwärts. Seither muss sich Bayer-Chef Baumann Fragen gefallen lassen, ob er die Risiken beim rund 63 Milliarden Dollar schweren Kauf von Monsanto unterschätzt hat.

          Entsprechend harsch dürfte die Kritik auf der Hauptversammlung von Bayer am 26. April ausfallen. So bezeichnete Christian Strenger, Gründungsmitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, den Monsanto-Kauf in einem dem „Manager Magazin“ vorliegenden Brief unlängst als „den größten und schnellsten Wertvernichter der Dax-Geschichte“. Strenger fordert laut dem „Manager Magazin“ die übrigen Aktionäre auf, Bayer-Chef Baumann und seinen Vorstandskollegen die Entlastung zu verweigern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Fall Lübcke : Feinde der Freiheit

          Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten könnte der schaurige Höhepunkt einer leider nicht beispiellosen Hetze in asozialen Netzen gewesen sein. Die Urheber sind Staatsfeinde. Sie müssen bekämpft werden.
          Ein Modell des künftigen europäischen Kampfjets wird in Le Bourget enthüllt.

          Future Combat Air Systems : Europas künftiges Kampfflugzeug nimmt Formen an

          Verteidigungsministerin von der Leyen hat in Frankreich die Verträge für das milliardenschwere Rüstungsvorhaben unterzeichnet. Zuvor war ein erstes Modell des Kampfflugzeugs enthüllt worden – und Spanien offiziell eingestiegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.