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Aktienkurs unter Druck : Was sollen Bayer-Anleger jetzt tun?

  • -Aktualisiert am

Bei den Bayer-Aktionären ist die Furcht wegen der Glyphosat-Klagen weiter vorhanden, manch Analyst sieht derweil eine große Kurschance. Bild: dpa

Dem Bayer-Konzern drohen hohe Schadenersatzzahlungen. Der Aktienkurs bricht drastisch ein. Manch Analyst sieht in Bayer schon einen Übernahmekandidaten. Wie geht es weiter?

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          Der Bayer-Konzern hat im Streit um angebliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup in den Vereinigten Staaten eine neue Schlappe einstecken müssen. Demnach hat eine Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco am Dienstag befunden, dass der Unkrautvernichter Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen ist.

          Die Nachricht sorgt an der Börse am Mittwoch für große Verkaufsorder bei der Bayer-Aktie. Der Aktienkurs fiel zeitweise um mehr als 14 Prozent und der Börsenwert schrumpfte um mehr als acht Milliarden Euro. Seit dem ersten Glyphosat-Urteil im August 2018 ist dieser nun schon um fast 30 Milliarden Euro gesunken. Die meisten Analysten äußern große Sorge, warnen vor Risiken und stufen die Aktie des Dax-Konzerns herab.

          Weiter schlechte Nachrichten erwartet

          Die DZ Bank etwa hat die Aktie von „Kaufen" auf „Halten" abgestuft und den fairen Wert von 85 auf 62 Euro gesenkt. Das zweite Glyphosat-Urteil zu Ungunsten des Agrarchemie- und Pharmakonzerns habe einen neuerlichen Kurssturz ausgelöst und er sehe nun ein höheres Glyphosat-Risiko als zuvor, schrieb Analyst Peter Spengler. Den Bewertungsabschlag hob er zugleich von 17 auf 36 Milliarden Euro an und rechnet kurzfristig mit eher schlechten Nachrichten aus den Prozessen in Amerika.

          Das Analysehaus Kepler Cheuvreux will das Anlageurteil „Buy" noch überprüfen. Das Kursziel wurde aber schon von 84 auf 70 Euro gesenkt. Analyst David Evans schrieb, dass er bislang 7 Milliarden Euro für Klagen eingearbeitet und 5 Milliarden als begründet angenommen habe. Nun gehe er von 20 Milliarden Euro aus. Auch Warburg Research hat das Bayer-Papier von „Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel von 88,50 auf 69,00 Euro gesenkt.

          BAYER

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          Die Botschaft der Analysten ist klar: Bayer hat in den bevorstehenden Gerichtsverhandlungen nichts Gutes zu erwarten, und der Aktienkurs des Pharma-Konzerns dürfte durch die Prozesse weiter nach unten gezogen werden. Die Gefahr, dass Bayer den Prozess verliert, dürfte nun gestiegen sein. Ebenso könnte diese Situation, so die Einschätzung der Baader Bank, noch etwas anderes mit sich bringen: Eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Bayer für aktivistische Investoren zum Übernahmeziel wird.

          Für Bayer dürfte es nun eigentlich nur noch darum gehen, den Schaden zu begrenzen, sagte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research. Mit Blick auf die zweite Prozessphase sei das Schlimmste zu befürchten.

          Aktie mit angeschlagener Charttechnik

          Für Anleger ist die Bayer-Aktie nicht erst heute deutlich riskanter geworden. Die Börsenweisheit „Buy on bad News“ dürfte bei Bayer in dieser Phase wohl eher etwas für Anleger mit Hang zu großem Risiko sein. Die Börsenweisheit sagt zwar, dass man eine Aktie kaufen, wenn deren Kurs fällt. Doch ob die Anlegerhoffnung bei Bayer berechtigt ist, dass sich der Aktienkurs bald wieder erholt, erscheint fragwürdig.

          Die Bayer-Notierung ist angeschlagen und das nicht erst seit kurzem. Schon seit Mai 2018 befindet sie sich, gemessen an der 200-Tage-Linie, in einem langfristigen Abwärtstrend. Wer seit über einem Jahrzehnt Aktionär von Bayer ist, kann trotz der massiven Abschläge immer noch eine Rendite von fast 100 Prozent realisieren.

          Wer jedoch in den vergangenen fünf, drei, oder zwei Jahren Aktien von Bayer gekauft hat, hat massive Verluste erlitten. Im vergangenen Jahr markierte die Bayer-Aktie ein Minus von mehr als 40 Prozent.

          Das Papier ist zwar derzeit mit einem prognostizierten 2019er-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9 im Vergleich zu den anderen Dax-Werten günstig bewertet. Zudem verfügt die Aktie, auf Basis des aktuellen Kursniveaus, eigentlich über eine attraktive Dividenden-Rendite von rund 4,6 Prozent.

          Doch was nützt das einem Anleger, wenn die Sorge vor einer Niederlage von Bayer vor Gericht in den kommenden Wochen und Monaten die Kurse wohl kaum steigen lässt und wenn womöglich am Ende aufgrund hoher Schadenersatzzahlungen auch noch die Dividende gekürzt werden sollte.

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