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Geldanlage in Aktien : Die 90-Prozent-Kurschance der Bayer-Aktie

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Bei den Bayer-Aktionären ist die Furcht wegen der Glyphosat-Klagen weiter vorhanden, manch Analyst sieht derweil eine große Kurschance. Bild: dpa

Im Agrargeschäft läuft es für Bayer nicht gut. Parallel steigt in Amerika die Zahl der Glyphosat-Klagen rasant weiter. Analysten sehen dennoch großes Kurspotential in der Dax-Aktie.

          Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer darf in den Vereinigten Staaten sein Prostatakrebs-Medikament Darolutamid verkaufen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA habe die Zulassung für das Mittel zur Behandlung von Patienten mit nicht-metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs erteilt, teilte Bayer in der Nacht auf Mittwoch in Berlin mit.

          Mit dem Schritt war am Markt gerechnet worden, nachdem die FDA dem Mittel (Markenname Nubeqa) im April ein beschleunigtes Prüfverfahren gewährt hatte, was eine Zulassung bis Ende Oktober implizierte. Auch in der Europäischen Union sowie in Japan laufen Zulassungsverfahren für Darolutamid, dem Bayer einen Spitzenumsatz von mehr als einer Milliarde Euro zutraut. Das würde das Mittel zu einem Verkaufsschlager machen.

          Bayer stärkt aktuell sein Pharmageschäft, auch weil in wenigen Jahren der Patentschutz für wichtige Wachstumstreiber der Pharmasparte wie den Gerinnungshemmer Xarelto sowie das Augenmedikament Eylea ausläuft. So hatte sich Bayer unlängst auch die Rechte am Krebswirkstoff Larotrectinib gesichert, der in den Vereinigten Staaten bereits zur Behandlung bestimmter Tumore zugelassen ist und Ende Juli in der EU eine Zulassungsempfehlung vom Ausschuss für Humanarzneimittel erhielt. In der Regel folgt die Arzneimittelbehörde solchen Empfehlungen.

          BAYER

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          Der Kurs der Bayer-Aktie kann am Mittwochnachmittag mehr als 2 Prozent auf 58,34 Euro zulegen und sich somit ein wenig von den Kursverlusten des Vortages erholen. Am Dienstag war dieser noch um 5 Prozent gefallen, nachdem der Konzern Bilanz gezogen hatte.

          Ein wegen schlechten Wetters schwieriges Geschäft mit amerikanischen Landwirten stimmt demnach den Agrarchemie- und Pharmakonzern für 2019 ein wenig vorsichtiger. Für dieses Jahr rechnet der Konzern weiterhin mit einem währungs- und portfoliobereinigten Umsatzplus von etwa 4 Prozent auf rund 46 Milliarden Euro und einem Anstieg des bereinigten Betriebsgewinns auf rund 12,2 Milliarden.

          Solide Bilanz für das zweite Quartal

          Von Analysten gibt es am Tag danach viele Kommentare: Das Gros der Finanzexperten sieht durchaus wieder Potential in der Aktie, deren Kurs zuletzt stark unter Druck stand. Die UBS hat die Einstufung für Bayer auf „Buy“ mit einem Kursziel von 110 Euro belassen – beim aktuellen Kursniveau eine Chance von mehr fast 90 Prozent.

          Er erwarte keine große Kursreaktion auf die Zahlen, hatte Analyst Michael Leuchten geschrieben. Angesichts der Ungewissheit über die Zukunft der Sparte Crop-Science scheinen diese Resultate gut genug zu sein. Bayer habe auf Herausforderungen verwiesen und den Ausblick als ambitioniert bezeichnet.

          Auch Bernstein Research hat die Einstufung auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 90 Euro belassen. Diese Quartalszahlen änderten nicht viel an seiner Haltung zu der Aktie, schrieb Analyst Wimal Kapadia. Sollten die Kosten für Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten nicht auf einen zweistelligen Milliardenbetrag oder gar darüber steigen, seien die Aktien des Konzerns „sehr, sehr günstig“.

          Die britische Investmentbank Barclays hat derweil die Einstufung für Bayer nach Zahlen auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 85 Euro belassen. Das zweite Quartal sei zwar annehmbar ausgefallen und der Jahresausblick beibehalten worden, doch die Glyphosat-Prozesse in Amerika und die Abspaltung von Unternehmensteilen blieben kurzfristig die wesentlichen Impulsgeber.

          Anleger, die schon länger in der Bayer-Aktie investiert sind, werden die Kursziele mit Freude sehen. Denn der Kurs verzeichnete 2018/2019 einen scharfen Einbruch. Nachdem die Aktie im Mai 2018 ein Zwischen-Hoch bei 105 Euro verzeichnete, ging es in mehreren Etappen bis Mitte Juni des laufenden Jahres um rund 50 Prozent auf 52,50 Euro nach unten. Nach einer kurzfristigen Erholung folgte dann ein Seitwärtslauf in der Spanne zwischen 61 und 57 Euro.

          Trotz der Stabilisierung in den zurückliegenden Wochen notiert die Aktie noch immer mit einem Abstand von 7 Prozent unter der 200-Tage-Linie (62,90 Euro) und damit im übergeordneten Abwärtstrend. Charttechnisch könnte in Kürze noch einmal das Juni-Tief bei 52,50 Euro getestet werden. Im Fall eines Durchbruchs läge ein weiteres Korrekturziel bei 40 Euro, was wiederum langfristig engagierte Anleger veranlassen könnte, zu günstigen Kursen einzusteigen

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