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Warten auf bessere Zeiten : Bawag ist kein Ruhmesblatt für Cerberus

Das Comeback der Bawag lässt auf sich warten. Bild: Reuters

2007 kaufte der Finanzinvestor Cerberus Österreichs angeschlagene ehemalige Genossenschaftsbank. Seitdem dürfte diese ihren Kaufpreis nicht verdient haben.

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          Wer die Commerzbank und ihren Investor Cerberus beobachtet, erinnert sich vielleicht an das Geldhaus Bawag. In der Wiener Bank Bawag haben die Firmenjäger aus Amerika über viele Jahre deren Geschicke kontrolliert. Für eine Anlagegesellschaft dieser Risikogattung dürfte es keine gute Investition gewesen sein. Schließlich wurde das Institut 2007 erworben. Damals wurden noch wesentlich höhere Preise bezahlt als nach dem Zusammenbruch des Investmenthauses Lehman Brothers im Herbst 2008 und der darauf folgenden globalen Finanzkrise.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Die einstige Gewerkschaftsbank stand nach dem Bekanntwerden von Spekulationsgeschäften vor dem Zusammenbruch und musste veräußert werden. Es war ein klassischer Notverkauf, und der Skandal um das viertgrößte Geldhaus des Landes gilt als bis dahin größter Wirtschaftsskandal der Nachkriegszeit in Österreich. Der Kaufpreis lag bei 2,6 Milliarden Euro, dazu bekam die Bank 600 Millionen Euro Kapitalspritzen. Weitere folgten. Ob allein der Einstandspreis verdient wurde, ist fraglich.

          Der Ausstieg der Amerikaner kam später als geplant. Eigentlich hätten die Cerberus-Leute, die auch die österreichische Post und Industrielle ins Käuferkonsortium aufnahmen, ihre Bank in Wien gern schon 2012 börsenfit gesehen. Das war nicht der Fall. Ende 2012 kam mit dem ebenfalls amerikanischen Fonds Golden Tree ein neuer Minderheitsaktionär dazu, wobei unklar ist, wer davon mehr profitiert hat. Den amerikanischen Fonds wird nachgesagt, den Rentabilitätsdruck auf Wien zuletzt erhöht zu haben. Cerberus hält heute weniger als 2 Prozent, mehrheitlich steht die Bank in Streubesitz.

          BAWAG GROUP AG

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          Bawag war vor drei Jahren mit einem Emissionsvolumen von 1,9 Milliarden Euro mäßig erfolgreich an die Wiener Börse gegangen, obwohl es die größte Neuemission in Wien überhaupt war. Allerdings war der Kurs seither unter Wasser. Das deutet darauf hin, dass Anleger skeptisch sind über die Ertragsperspektiven des Instituts. Analysten bemängeln, dass unklar ist, wie viel organisches Wachstum die Bank aufweist und eine mangelnde Transparenz.

          Ein Profiteur war zweifellos das Management mit seiner für österreichische Verhältnisse hohen Vergütung. Zunächst kam der Brite Byron Haynes. Er wurde vor zwei Jahren, früher als geplant und überraschend, vom amerikanischen Finanzvorstand Anas Abuzaakouk abgelöst. Abuzaakouk war 2012 als Sanierungsmanager in den Vorstand eingezogen. Seit 2014 war er Finanzvorstand.

          Bei seiner Übernahme des Chefsessels gab er sich überzeugt, „dass die besten Jahre noch vor uns liegen“. Erfolgreich war das Management bei der Redimensionierung der Kosten. Von zur Zeit der Übernahme gut 6000 Beschäftigten sind 4400 (davon 3700 Vollzeitstellen) geblieben. Das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen soll in diesem Jahr auf unter 40 Prozent fallen – nach zuletzt fast 43 Prozent – und ist damit besser als bei vergleichbaren Mitbewerbern.

          In den zurückliegenden Jahren wurde viel zugekauft, vor allem in Deutschland. Der bisher größte Erwerb ist die baden-württembergische Südwestbank mit 7,4 Milliarden Euro Bilanzvolumen. Einen Ausverkauf gab es hingegen bei den zahlreichen Beteiligungen – von der Schuhhandelskette Stiefelkönig über die Klaviermanufaktur Bösendorfer bis zum Glücksspielkonzern Lotterien. Strategisch ist die Bank heute hauptsächlich auf Österreich und Westeuropa ausgerichtet. Aus der Region Osteuropa ist sie ausgestiegen.

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