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Basel-Einigung : Klarheit über Kapitalregeln beflügelt Bankaktien

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Bild: Reuters

Die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank haben einen guten Freitag. Denn die neuen Eigenkapitalregeln sind für sie gut ausgefallen.

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          Die Einigung über die künftigen Eigenkapitalregeln hat die Aktienkurse der Banken am Freitag steigen lassen. Über Jahre hatten die internationalen Aufseher und Notenbankvertreter sich nicht auf das gemeinsame Regelwerk (Basel III) einigen können. Der am Donnerstag erzielte Kompromiss des Baseler Ausschusses entspricht aber im Grunde dem, worauf sich die meisten Institute schon seit einiger Zeit eingestellt haben. Für Analyst Bruce Hamilton von der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley fiel das Regelwerk sogar erheblich besser als erwartet für die europäischen Banken aus. Einige Details zu Immobilien- und Unternehmenskrediten seien noch einmal abgemildert worden.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Dax gehörten die Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank mit einem Kursplus von zwischenzeitlich je 3,5 Prozent zu den stärksten Werten des Tages. In Frankreich stiegen Société Générale, Crédit Agricole und BNP Paribas um je rund 3 Prozent. ABN Amro und ING legten an der Börse in Amsterdam um bis zu 5 Prozent zu. Auch in Spanien und Italien waren Bankenwerte gefragt. Dementsprechend machte auch der europäische Branchenindex Stoxx Banken einen Satz nach oben. Mit rund 136 Punkten stand er knapp 3 Prozent über dem Vortagesniveau und erreichte seinen höchsten Stand seit Anfang November.

          HNA stärkt das Vertrauen in die Deutsche Bank

          Für die Deutsche Bank wirkten sich zudem Aussagen ihres chinesischen Großaktionärs HNA positiv aus. Zuletzt hatte es mehrere Hinweise gegeben, dass das Firmenkonglomerat, das sich in den vergangenen Jahren für mehr als 40 Milliarden Dollar und mit vielen Krediten an Unternehmen in der ganzen Welt beteiligt hat, Finanzierungsprobleme hat. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte das Board-Mitglied Zhao Quan, er sehe keinerlei Ausfallrisiko in den nächsten Jahren. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sagte er zudem, es gebe kurzfristig keine Pläne für einen Verkauf der Deutsche-Bank-Anteile.

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          Ähnlich wie Morgan Stanley bewerteten auch die Analysten der Schweizer Großbank Credit Suisse das Reformpaket als unerwartet milde für europäische Banken. Dabei verwiesen sie auf die sehr lange Umsetzungsfrist. Die neuen Regeln treten erst vom Jahr 2027 vollständig in Kraft. Zwar entstehen für einige europäische Banken zusätzliche Eigenkapitalanforderungen, weil sie in Zukunft weniger Spielraum in der Berechnung des Eigenkapitalbedarfs nach internen Risikomodellen haben. Jedoch werde dieser Effekt durch die Erleichterungen im Standardansatz ausgeglichen. Der Standardansatz beschreibt die von den Aufsehern vorgegebenen Verfahren zur Risikomessung.

          Nach einer Analyse der EU-Bankenaufsicht Eba erhöhen sich die Eigenkapitalanforderungen für europäische Banken durch Basel III im Durchschnitt um 12,9 Prozent. Das entspricht einem Betrag von 18 Milliarden Euro. Einige Banken werden den prozentualen Durchschnittswert deutlich übertreffen, weil sie ein sehr großes Kapitalmarktgeschäft mit entsprechend umfangreichen Derivatepositionen aufweisen oder Kredite mit Laufzeiten von 20 Jahren und länger vergeben haben. Aber sie können gegensteuern und diese Geschäfte bis zum Jahr 2027 reduzieren. „Das überarbeitete Rahmenwerk wird sich auf die Unternehmensstrategie und die Geschäftsmodelle der Banken auswirken“, erwartet Martin Neisen, Partner der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC.

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