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Trennung von Retail-Geschäft : Bankhaus Metzler will sich auf Aktien- und Anleiheanalyse fokussieren

Metzler-Partner Emmerich Müller Bild: Helmut Fricke

Das Bankhaus hält Research für eine wichtige Kernkompetenz im Wertpapiergeschäft. In der Branche werden die Analyse-Abteilungen derzeit neu ausgerichtet.

          Das Bankhaus Metzler will sich aufgrund des hohen regulatorischen Aufwands noch stärker auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Wie der persönlich haftende Gesellschafter Emmerich Müller ankündigte, will sich die Frankfurter Privatbank von ihrem Retail-Geschäft im Asset Management trennen. Damit meinte er die Depotverwaltung auf der Fondsplattform, nicht aber Publikumsfonds. Das Geschäftsmodell aus Vermögensverwaltung, Kapitalmärkten, Unternehmensfinanzierung und Beratung wohlhabender Kunden bleibe unverändert. „Die gesamte Finanzbranche ist geprägt von hohem regulatorischen Aufwand, und die einzelnen Häuser konzentrieren sich zunehmend auf ihre Stärken“, beschrieb Müller das Umfeld.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu den Kernkompetenzen zählte er die eigene Wertpapieranalyse, das sogenannte Research. „Unsere Kunden wissen insbesondere die mehrfach ausgezeichneten Research-Leistungen unseres Analystenteams zu schätzen – umso mehr, als die Research-Abdeckung für die gelisteten Unternehmen bedingt durch Mifid II signifikant abgenommen hat.“ Seit der Einführung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II Anfang 2018 müssen Wertpapieranalysen bepreist werden, was dazu geführt hat, dass große Investoren genauer hinsehen, welche Analysen ihnen wie viel wert sind. In vielen Banken und Analysehäusern ist in der Folge die Zahl der Analysten deutlich geschrumpft.

          In Banken werden die Research-Abteilungen neu ausgerichtet, zum Teil auch verkleinert. Das betrifft vor allem kleinere börsennotierte Unternehmen, die kaum noch von Analysten abgedeckt werden. Auf der anderen Seite konzentrieren sich einige Banken auf ein breites Research, weil es auch Vorteile im Wettbewerb um Mandate für Börsengänge und Aktienplazierungen verschafft. Ein Beispiel ist die Hamburger Berenberg Bank, die bei Kapitalerhöhungen und Börsengängen in Deutschland eine führende Position erreicht hat.

          Nach Angaben des persönlich haftenden Gesellschafters Michael Klaus vermarktet das Bankhaus Metzler ihr Research. Im Wesentlichen würden der deutsche Aktienmarkt, die Renten- und Devisenmärkte abgedeckt sowie die Konjunktur kommentiert. Dass die Kosten im vergangenen Jahr um 4 Millionen auf 187 Millionen Euro gestiegen sind, lag auch an dem Einkauf von externem Research. Das war für europäische Aktien und Unternehmensanleihen, und hier vor allem für Nebenwerte, erforderlich.

          Müller ist für den weiteren Jahresverlauf verhalten positiv gestimmt. Zur Vorsicht mahnen ihn die negativen Vorgaben des vierten Quartals 2018 und die globalen politischen Risiken. Die starke Ausrichtung von Metzler auf Aktien sei im vergangenen Jahr eine Herausforderung gewesen. Die langjährigen Kunden seien jedoch mit dem Auf und Ab am Kapitalmarkt vertraut und würden für ihre Geduld belohnt, sagte Müller. So habe sich das betreue Volumen im vergangenen Jahr trotz der Rückgänge an den meisten Aktienmärkten nur leicht verringert, was auch auf erfreuliche Mittelzuflüsse zurückzuführen sei. Die verwalteten Vermögen sanken 2018 von 76 auf 74 Milliarden Euro. Netto flossen Metzler rund 1 Milliarde Euro zu. Bis Ende des ersten Quartals stiegen die verwalteten Vermögen wieder auf 79 Milliarden Euro. Wie fast jedes Jahr schüttet das Bankhaus den Eigentümern der Familie Metzler eine Bardividende von 2,3 Millionen Euro aus.

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