https://www.faz.net/-gv6-adcxx

Von Hedge-Fonds attackiert : Aareals neuer Anführer

Klösges war allerdings schon 2007 von der Eurohypo zur Muttergesellschaft Commerzbank als Strategiechef gewechselt und fädelte dort 2008 den Kauf der Dresdner Bank mit ein. Im Winter 2008/2009 musste er dann gemeinsam mit dem damaligen Vorstandschef Martin Blessing die Gespräche mit dem staatlichen Rettungsfonds Soffin führen, um den Untergang der Commerzbank abzuwenden. Nachdem sie im Winter 2008/2009 nur mit 18 Milliarden Euro Staatshilfe überlebte, schrumpfte Klösges – obwohl vom Naturell her „Marktmann“ und damit eher Immobilienkäufer denn Verkäufer – das Immobilien- und Schiffsfinanzierungsgeschäft überraschend schnell. Nach dieser Sanierung war eigentlich geplant, das Immobiliengeschäft zu einem echten eigenen Standbein in der Commerzbank zu machen.

Doch ihre Verluste mit Griechenland-Anleihen und das lukrativer erscheinende Geschäft der polnischen M-Bank veranlassten Blessing im Jahr 2013 binnen weniger Tage zu einem Kurswechsel: Die Commerzbank stellte das Immobilienneugeschäft komplett ein. Klösges habe dagegen angekämpft und nach Blessings Entscheidung schnell für sich erkannt, dass er keine Aufgabe mehr im Commerzbank-Vorstand habe und von sich aus die Konsequenzen gezogen, erinnern sich Weggefährten.

Verzicht auf Abfindung

Anders als sein Vorstandskollege Ulrich Sieber, der ebenfalls aus dem Vorstand gedrängt wurde und die ihm zustehende Abfindung einklagte, blickte Klösges schnell nach vorn: Er saß seinen Commerzbank-Vertrag nicht aus, sondern heuerte sofort bei dem Hamburger Reeder Erck Rickmers an, bei dem schon der frühere Commerzbank-Vorstand Nicholas Teller untergekommen war. Dort stellte Klösges Rickmers Anlagen auf mehrere Beine, investierte in Immobilien(-fonds), erneuerbare Energien und Beteiligungsgesellschaften. Beobachter in Hamburg hielten allerdings seine Spielräume als Chef von Rickmers Family Office für eher klein.

In der Aareal Bank wird Klösges mehr gestalten können. Seine Erfahrungen als Sanierer und Restrukturierer wie auch als beherzter Immobilienkäufer, die Klösges sowohl in der Commerzbank als auch bei Rickmers machen konnte, sind in der Kombination selten und machen ihn wertvoll für Aareal. Denn auch bei der Bank ist zumindest von außen schwer zu durchschauen, wie weit der Restrukturierungsbedarf im 28 Milliarden Euro großen Immobilienportfolio reicht. Welche Kreditrisiken können nach der Corona-Pandemie noch schlagend werden, welche lösen sich in Wohlgefallen auf?

Zankapfel Aareon

Aus Sicht der Börse ist weniger das Immobiliengeschäft denn die Softwareberatungssparte Aareon werthaltig. Darauf haben es auch die beiden Hedgefonds abgesehen: Sie fordern seit langem einen Verkauf. Zwar hat die Aareal Bank Aareon selbst entwickelt, aber lange eher stiefmütterlich behandelt. Im vergangenen Jahr verkaufte Aareal einen Anteil von 30 Prozent an den Finanzinvestor Advent. Der für Aareon zuständige Bankvorstand Thomas Ortmanns verlässt Aareal im September nach fünfzehn Jahren. Klösges wird sich selbst bis auf Weiteres um Aareon kümmern. Den Hedgefonds ist nicht entgangen, dass Klösges bisher wenig Erfahrung im Softwaregeschäft hat, und sie werden das nutzen, um auf einen Verkauf zu drängen.

Auch wirkt der Aareal-Vorstand nicht gefestigt. Finanzvorstand Marc Heß, der sich selbst Hoffnungen auf den Chefposten gemacht hatte, muss nun mit Klösges und einem Art „Misstrauensvotum“ des Aufsichtsrats klarkommen. Wenn die Zeichen nicht trügen, hat die Aareal Bank mit dem Immobilienfachmann Klösges einen guten Fang gemacht. Aber Ruhe wird in Wiesbaden so schnell kaum einkehren.

Weitere Themen

Neuer Chef für Blair

William Blair Fusionen : Neuer Chef für Blair

Veränderung in den Personalien der Fusionsberatung William Blair: Während der erfahrene Philipp Mohr sich wieder auf das eigentliche Herzstück des Investmentbankings orientiert, übernimmt Dirk Felsmann die Leitung der DACH-Region.

Sparen beim Hausverkauf

FAZ Plus Artikel: Der Steuertipp : Sparen beim Hausverkauf

Wer eine vermietete Immobilie innerhalb von 10 Jahren verkauft, muss den Gewinn versteuern. Doch wenn man das Gebäude vorher an seine Kinder verschenkt, können die Steuerkosten sinken.

Topmeldungen

Christian Lindner spricht und Robert Habeck wartet Anfang Oktober in Berlin.

Keine höhere Einkommensteuer : Kröten schlucken für die Ampel

Selbst Jürgen Trittin akzeptiert, dass die Steuern für Topverdiener nicht steigen werden. Und Christian Lindner kommt mit einem höheren Mindestlohn klar. Für ihn zeichnet sich ein Konkurrent als möglicher nächster Finanzminister ab.
Woran festhalten, was erneuern? Hendrik Wüst blickt nach vorne.

Kritik an Parteispitze : Die Abrechnung der Jungen Union

Fehlende thematische Positionierung, Störfeuer aus Bayern und eine Kampagne, die zum Teil „nur noch zum Haare raufen“ gewesen sei: Der Parteinachwuchs ist beim Deutschlandtag gereizt.
Die unbekannte Oberschicht, hier mal wieder reduziert auf maßlos überteuerte Handtaschen.

Soziologie : Unbekanntes Wesen Oberschicht

Anders als die Gruppe der Niedrigverdiener und die Mittelklasse ist die reiche Oberschicht soziologisch kaum erforscht. Umso trefflicher lässt sich darüber streiten.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.