https://www.faz.net/-gv6-a45pp

Studie : Banken haben größere Sorgen als die Kunden

  • Aktualisiert am

Kunden? Welche Kunden? Bild: EPA

Eigentlich sollte man annehmen, dass für jedes Unternehmen die Kunden das A und O sind. Doch eine jüngste Studie legt nahe, dass die meisten Banken eher mit sich selbst beschäftigt sind.

          2 Min.

          Banken in Deutschland und im deutschsprachigen Raum haben derzeit viele Sorgen. Weniger dazu gehören offenbar die Kunden. Sieben von zehn Instituten sagten der jüngsten Umfrage „Digital Outlook 2025: Financial Services“ von Lünendonk und Hossenfelder zufolge, dass sie sich gar nicht oder nur wenig anstrengen müssten, um diese an sich zu binden. 68 Prozent bleiben selbst gegenüber digitalen Wettbewerbern gelassen. 65 Prozent rechnen damit, auch künftig den Zugang zu ihren Kunden zu behalten.

          Den größten Druck verspüren die Banken dagegen bei der Regulatorik. Dies gaben 93 Prozent an. Erst mit weitem Abstand folgen fehlende Fachkräfte, vor allem für die digitale Transformation, die 65 Prozent als große, wenn nicht sehr große Herausforderung sehen. Fast ebenso groß ist der Anteil derer, die die Innovations-Geschwindigkeit vor Probleme stellt. Erst an vierter Stelle steht der Wettbewerbsdruck, während nur rund ein Drittel sich wegen des Verlusts des Zugangs zu den Kunden oder um deren Loyalität Sorgen macht. Viele Banken verließen sich darauf, dass die Deutschen wechselfaul seien, heißt es von Senacor, obwohl die Institute kündigungswilligen Kunden auch noch aktiv helfen müssten.

          „Sich auf die Kunden zu verlassen, die schon immer da waren, rächt sich eines Tages“, sagt Petr Roda, Partner von Senacor, einem Dienstleistungsunternehmen für Business-IT-Transformation, das die Studie unterstützt hat. „Die heute 16- oder 17-jährigen sind gewohnt, ihre Dienste mobil und vor allem digital zu nutzen und auch wieder zu kündigen. Diese Generation hat keine Angst davor, die mit dem Geld ihrer Eltern geerbten Kontoverbindungen aufzulösen, wenn sie das gebotene Digitalerlebnis stört.“

          Schon jetzt fühlen sich junge Menschen weniger verpflichtet, ihrer Bank über lange Zeit treu zu bleiben. Wer zwischen 18 und 35 Jahre alt ist, denkt viel häufiger als der durchschnittliche Verbraucher darüber nach, woanders ein Konto zu eröffnen. Besonders stark wüchsen Smartphone- und Digitalbanken.  Zwar wollten die Institute in den kommenden Jahren kräftig in die Digitalisierung investieren. Doch 82 Prozent investierten zuerst in neue Apps und digitale Helfer wie Sprachassistenten, drei Viertel wollten die gewohnten Abläufe verbessern. An letzter Stelle stünden dagegen ausgerechnet die Plattformen, die ein offenes Banking ermöglichten und den Digitalbanken ihren Erfolg gebracht hätten. Gerade mal 27 Prozent fokussierten sich zumindest teilweise darauf. Dies aber könnten sich nur Banken mit einer ausgesuchten Klientel leisten, etwa besonders wohlhabende Kunden, die sich individuell beraten lassen wollten.

          Dass immerhin 63 Prozent der Institute mehr mit Schnittstellen arbeiten und auf modernere IT-Architekturen setzen wollen, bewertet Roda positiv. Jedes zweite Institut will zudem die Daten besser nutzen, über die es schon verfüge. Diese Banken wollten daran sowohl ihre Kultur als auch die internen Abläufe ausrichten und sogar die gesamte Organisation steuern. An der Studie beteiligten sich zwischen März und Mai 2020 insgesamt 129 Finanzdienstleister aus dem deutschsprachigen Raum, davon 69 Banken und 60 Versicherer.

          Weitere Themen

          Sparer im Aktienfieber

          Börsenboom : Sparer im Aktienfieber

          Die Deutschen sind keine Aktienmuffel mehr. In der Niedrigzinsphase setzen sie verstärkt auf börsennotierte Unternehmen. Davon profitiert die DWP Bank.

          Topmeldungen

          Neue Nummer drei: Elise Stefanik im Januar 2020 nach Trumps Freispruch im Weißen Haus.

          Machtkampf der Republikaner : Aufstieg einer glühenden Trumpistin

          Die vergangenen Tage haben eindrücklich gezeigt: Auch nach der Wahlniederlage hat Donald Trump die Fraktion der Republikaner unter Kontrolle. Sein neuester Coup ist die Beförderung von Elise Stefanik.
          Raketen werden von der islamistischen Hamas aus Gaza-Stadt in Richtung Israel abgefeuert.

          Nahost-Konflikt : Hamas feuern Raketen auf Jerusalem

          Gegen 18 Uhr Ortszeit wurden aus Gaza-Stadt Dutzende Raketen in Richtung Jerusalem abgefeuert – ein Zivilist wurde verletzt. Auf dem Tempelberg ist ein weithin sichtbares Feuer ausgebrochen.
          Cybergangster kommen nicht durchs Tor: Tankanlagen an einer Abzweigung im Pipeline-System von Colonial im Bundesstaat Alabama

          Hackerangriff auf Pipeline : Lösegeld für das schwarze Gold

          Eine Cyberattacke in den Vereinigten Staaten beeinträchtigt den Transport von Öl. Sollten die Folgen anhalten, könnten auch hierzulande Öl und Benzin nochmal teurer werden.
          Auch in London vertrauen Kundinnen ihren Friseurinnen gern Intimstes an.

          Organspende : Aufklärung beim Friseur

          Patienten aus ethnischen Minderheiten warten in Großbritannien länger auf eine Organspende als weiße Patienten. Das liegt auch an mangelnder Aufklärung – für die wollen nun Friseure sorgen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.