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Unsichere Aussichten : Bank der Zentralbanken warnt vor Überbewertungen

Bild: Reuters

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beobachtet eine vorsichtigere Kreditpolitik der Banken. Dazu steht die Entwicklung des Markts für Unternehmensanleihen im Widerspruch.

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          Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einem Auseinanderdriften der hohen Bewertungen an den Aktien- und Anleihemärkten aufgrund der unsicheren Konjunkturaussichten. In ihrem am Montag veröffentlichten Quartalsbericht verweist die „Bank der Zentralbanken“ vor allem auf strengere Kreditvergabestandards der Banken, die Ergebnis einer in der Coronakrise gewachsenen Vorsicht seien. Auf der anderen Seite hätten die Käufe der Notenbanken die Kurse von von Unternehmensanleihen steigen lassen und deren Risikoaufschläge gedrückt.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach den Nachrichten zu Corona-Impfstoffen hätten sich die Kapitalmärkte im November deutlich erholt, schreibt in ihrem aktuellen Quartalsbericht die in Basel ansässige BIZ, die für Notenbanken Devisenreserven verwaltet und als ökonomische Denkfabrik dient. Doch nun befänden sich die Bewertungen über oder nahe der Niveaus vor der Pandemie. Damals habe es schon Fragen zu einer möglichen Überbewertung gegeben, sagte BIZ-Chefvolkswirt Claudio Borio.

          Als Gründe nennt Borio neben der weiter sehr expansiven Geldpolitik der Notenbanken auch die andauernde Jagd der Investoren nach Rendite, was zu einem höheren Risikoappetit führe. Doch noch sei unklar, wie die Wirtschaft die abermaligen Lockdowns in der zweiten Welle der Coronapandemie wegstecken könne. Borio rechnet mit mehr Unternehmensinsolvenzen, weshalb die Banken ihre Kreditrisiken vorsichtiger einschätzten.

          Bankenkrise immer noch nicht ausgeschlossen

          Seiner Ansicht nach seien die Banken mit starken Bilanzen in die Coronakrise gegangen, was ungewöhnlich gewesen sei. Diese dienten nun als Puffer für die Wirtschaft, weshalb die Banken auch weiter über entsprechende Ressourcen, also Kapital und Liquidität, verfügen müssten. Zu diesem Zweck haben die Aufsichtsbehörden den Banken Eigenkapitalerleichterungen zugestanden, damit diese auch weiter Kredite vergeben können.

          Doch auf der anderen Seite kann Borio auch die von den Aufsehern wie der Europäischen Zentralbank verlangte Zurückhaltung bei Dividendenzahlungen nachvollziehen. Die Investoren mögen darüber nun nicht glücklich sein, würden aber bei ernsthaften Schieflagen auch leiden. Ob Banken angesichts von Insolvenzen und Kreditausfällen in eine Krise geraten können, macht Borio vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängig.

          Die Anleihekäufe der Notenbanken haben das Volumen an Schuldtiteln mit negativen Zinsen wieder auf den alten Rekordstand von 17,5 Billionen Dollar steigen lassen. Der alte Zusammenhang zwischen amerikanischen Staatsanleihen und Aktienmärkten hat sich nach Beobachtung der BIZ-Volkswirte Fernando Avalos und Dora Xia in den vergangenen Jahren deutlich abgeschwächt. Hätten Anleihen früher als sicherer Hafen für Verkaufswellen am Aktienmarkt gedient, seien in der jüngeren Vergangenheit die Kurse an beiden Märkten gleichzeitig gesunken.

          Avalos und Xia begründen dies mit den nachlassenden Möglichkeiten der amerikanischen Notenbank Federal Resverve zur geldpolitischen Lockerung, nachdem diese im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB) die Einführung negativer Zinsen ausgeschlossen hat. Zudem gebe es Anzeichen, dass am Markt für amerikanische Staatsanleihen die Banken nicht mehr im selben Maß wie früher Liquidität bereitstellten. Stattdessen seien verstärkt neue Teilnehmer wie Hedgefonds oder Handelshäuser tätig, die sich nach Ansicht von Avalos und Xia eher opportunistisch verhielten. Sie seien nicht bereit, dann für Liquidität zu sorgen, wenn diese am meisten benötigt werde.

          Knappe Bundesanleihen

          Dass sich die Renditen der zehnjährigen Anleihen der Vereinigten Staaten und Deutschlands seit August unterschiedlich entwickelt haben, führen Avalos und Xia auf das unterschiedliche Angebot zurück. Während die Rendite der Bundesanleihen von minus 0,41 auf minus 0,58 Prozent gesunken ist, ist die Rendite der zehnjährigen Treasuries von weniger als 0,6 Prozent auf mehr als 0,9 Prozent gestiegen. In den Vereinigten Staaten habe die Erwartung eines höheren Angebots an Staatsanleihen die Kurse gedrückt und die Renditen anziehen lassen. Dagegen seien die für private Investoren verfügbaren Bundesanleihen durch die hohen EZB-Käufe geringer geworden.

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