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Australien : Wiedergeburt der guten alten Werte

Bild: Reuters

Man kann Start-ups und Bitcoins kaufen – in Australien dreht sich aber mal wieder alles um Milch und Erz.

          3 Min.

          Milch und Erz stehen seit mehr als hundert Jahren stellvertretend für die australische Wirtschaft – für Landwirtschaft und Bodenschätze. Sie stehen auch für die Entwicklung des Aktienmarktes „Down Under“. Denn mit Milch und Erz ließ sich in den vergangenen Tagen und Monaten wunderbar Geld verdienen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          A2 heißt das Unternehmen, dessen Aktien vergangene Woche mal eben um 30 Prozent zulegten. Es stammt aus dem grünen Neuseeland, ist aber an der Börse in Sydney gelistet. A2 stellt Kindermilchpulver her und Milch, die auch Menschen trinken können, die unter einer Milcheiweißallergie leiden.

          Dass, so die Gründer von A2, werde besonders für die wachsende Mittelschicht in China und dem restlichen Asien interessant sein. Als „nichts als ein Marketingkonzept“, tat Theo Spierings, der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Milchkonzerns Fonterra, A2 noch vor zwei Jahren ab. Das hat er sich inzwischen offenbar noch einmal anders überlegt.

          A2 MILK CO. LTD.

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          Vergangene Woche legte A2 eine goldgeränderte Bilanz vor, die selbst Analysten zum Staunen brachte. Der Nettogewinn legte in den vergangenen sechs Monaten um 150 Prozent auf knapp 100 Millionen Neuseeland Dollar (59,27 Millionen Euro) zu. Untermauert wurde er von einem Umsatz, der um 70 Prozent auf 435 Millionen Neuseeland Dollar stieg. Die Analysten von Citi räumten ein, dass die Ergebnisse um „mindestens 20 Prozent besser ausgefallen“ seien, als sie erwartet hatten.

          Damit aber nicht genug. Denn A2 legte auch den Abschluss eines Marketing- und Verkaufsvertrags ausgerechnet mit dem Milchriesen Fonterra vor. Der Marktführer versorgt A2 künftig mit Milchpulver, um im Gegenzug dessen Produkte exklusiv in Neuseeland verkaufen zu dürfen. Dies war der Ritterschlag. Analysten waren sich einig, dass nun Branchenriesen wie Nestlé, Danone, Arla, Frieslandcampina, Yili und Mengniu auf die neuseeländische Milchallianz antworten müssten – was natürlich auch Kursspekulationen auslöst. Die Folge ist ein seit nun mehr als einer Woche steigender Preis der Aktien von A2. Am Montag gewann das Milch-Papier an der Börse in Sydney weitere 3,7 Prozent.

          Die Logik dahinter ist einfach: Asiaten haben oft gesundheitliche Probleme mit Milch. Aber es gibt mehr als 3 Milliarden potentielle Konsumenten auf dem Kontinent. Und A2 weiß, sie zu erreichen. Allerdings kletterte der Börsenwert von A2 nach dem hohen Sprung der vergangenen Tage nun auf die Schwelle von 10 Milliarden Dollar – in etwa so viel, wie derjenige von Fonterra selbst. Und A2 ist gerade mal acht Jahre alt, gegründet vom Wissenschaftler Corran McLachlan. Angesichts dieser Kurshöhen braucht man schon Vertrauen in die Nachfragekraft und das Interesse der Asiaten an einem Glas Milch.

          Auf die Asiaten setzt auch die Bodenschatzindustrie – hier liegt die Gemeinsamkeit von Kohle, Milch und Erz. Der Erzkonzern Rio Tinto hat seine Aktionäre gerade mit einer Rekordausschüttung großzügig bedacht. Konkurrent BHP hat die Märkte hingegen enttäuscht, weil seine Produktivität nicht wie erwartet und angekündigt stieg und sie daraufhin kurzfristig 5 Prozent an Börsenwert verlor. Beiden aber ist gemein, dass ihnen vor der Zukunft nicht bange ist. Beide setzen darauf, dass allein China mit seinem riesigen Seidenstraßen-Plan, der für Infrastrukturinvestitionen von einer Billion Dollar steht, die Nachfrage nach Stahl und damit Erz und Kohle aufrechterhalten werde.

          RIO TINTO LTD

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          Im Management aber unterscheiden sich Rio Tinto und BHP spürbar. Während Rio Tinto augenscheinlich die Aktionäre bedient, ist das bei BHP nicht immer so sicher. Vorstandschef Andrew Mackenzie hat den Konzern zwar dramatisch verschlankt, gilt aber als zögerlich. Zumal er Nachholbedarf gegenüber Rio Tinto hat: Während dieser in den vergangenen 14 Monaten fast 13,3 Milliarden Dollar an seine Anteilseigner ausschüttete, bekamen die Besitzer von BHP nur 7,3 Milliarden Dollar. Zudem steht Mackenzie unter Feuer des Fonds Elliott Partners mit dem streitlustigen Paul Singer an der Spitze. Mackenzie dürfte das Nerven kosten; Aktionäre aber können darauf spekulieren, dass der Konzern schon noch auf Singer wird reagieren müssen.

          BHP GROUP LTD. DL -,50

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          Natürlich zeigte sich beim Schmelzen des Marktes in der vergangenen Woche, dass „Down Under“ sich keinesfalls von der Entwicklung der Weltmärkte abkoppeln kann. Und doch wirkt es im Zeitalter von Bitcoin und Start-ups mindestens charmant, dass die ganz alten Werte dort gerade Hochkonjunktur haben. Milch und Erz – sie haben die zwölftgrößte Volkswirtschaft zu dem gemacht, was sie heute ist. Und derzeit feiern sie dank Chinas Nachfrage eine Wiedergeburt.

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