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Goldreserven im Ausland : Gold zurück gibt’s nur unter Freunden

Gut beschriftet und sortiert: Goldbarren in einem Lager der Deutschen Bundesbank. Bild: Bundesbank

Wer immer schon gegen die Auslandslagerung von Notenbankgold war, fühlt sich durch eine aktuelle Begebenheit bestätigt.

          Der Streit in Deutschland ist schon ein paar Jährchen alt. Aber er hatte manche Gemüter sehr erhitzt. Kann die Bundesbank Teile ihres gewaltigen Goldschatzes getrost im Ausland lagern lassen – oder muss sie ihn sicherheitshalber daheim aufbewahren, um gerade in Krisenfällen jederzeit ungehindert Zugriff darauf zu haben? Britische Medien berichteten unlängst von einem Vorfall in England, der jetzt diese Diskussion im Internet auch hierzulande wieder hat aufleben lassen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Venezuela hat offenbar, so berichten zumindest die Zeitung „The Times“ und die Nachrichtenagentur Reuters, von der Bank of England die Herausgabe seines Goldes verlangt. Es soll sich nur noch um einen Rest von 14 Tonnen handeln, das ist für staatliche Goldvorräte nicht besonders viel. Aber sie hätten doch immerhin einen Wert von rund 552 Millionen Dollar. Die Bank of England nun wollte den Vorgang auf F.A.Z.-Anfrage nicht kommentieren. Aber wie berichtet wird, zögert die britische Notenbank zumindest, dem Land sein verwahrtes Gold auszuhändigen.

          Angeblich besteht sie auf der Einhaltung von Standardmaßnahmen, um Geldwäsche zu verhindern. In deren Rahmen müsse zunächst geprüft werden, was die Regierung Venezuelas mit dem Gold machen wolle. Ausgeschlossen sein soll zum Beispiel, dass Staatspräsident Nikolás Maduro oder jemand anders aus der Regierung das Gold beschlagnahmen und sich persönlich bereichern könnte. Als eine Schwierigkeit wird zudem angeführt, dass internationale Versicherer angesichts der von den Vereinigten Staaten gegen Venezuela verhängten Sanktionen vielleicht den Goldtransport von England in das südamerikanische Land nicht so gern versichern werden.

          Die Sorge vor einer Veruntreuung des Staatsvermögens

          Ob sich das alles genau so verhält, ist keineswegs unumstritten. Eugen Weinberg, Goldfachmann der Commerzbank, meint: „Ich weiß nicht, ob Venezuela überhaupt noch Gold besitzt.“ Seines Erachtens habe das Land einen Großteil der Reserven als Sicherheit für Leihegeschäfte genutzt und das Geld wahrscheinlich nicht zurückgezahlt. Frank Schallenberger, Goldfachmann der Landesbank Baden-Württemberg, sagte, es gehe ja nur noch um 14 Tonnen, rund 160 Tonnen seien schon 2012 „repatriiert“ worden. Jan Edelmann, Goldfachmann der HSH Nordbank, meinte, Venezuela nehme in dieser Frage eine Sonderrolle ein: „Venezuela steckt in einer Krise, der venezolanische Staat ist knapp bei Kasse – daher fürchtet die britische Notenbank anscheinend, dass es hier zu einer Veruntreuung des Staatsvermögens durch Staatspräsident Maduro kommen könnte.“

          Wer aber immer schon gegen eine Auslandslagerung von Notenbankgold war, der fühlt sich durch die Begebenheit bestätigt. Gold zurück gebe es eben nur unter Freunden, heißt es in den entsprechenden Internetforen. Die Bundesbank hatte stets argumentiert, es sei durchaus sinnvoll, Teile der Goldreserven an internationalen Handelsplätzen wie London oder New York zu halten, wo man die Währungsreserven bei Bedarf schnell zu guten Preisen veräußern könne.

          Kritiker dagegen hatten spekuliert, ob das deutsche Gold etwa in den gut gesicherten Tresoren der New Yorker Fed im Felsen von Manhattan überhaupt noch vorhanden sei. Die Bundesbank hatte schließlich nachgegeben und Teile nach Frankfurt geholt. Von den 3374 Tonnen Gold der Bundesbank (Stand Ende 2017) lagern jetzt noch 1236 Tonnen in New York und 427 Tonnen bei der Bank of England.

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