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Ausblick auf das Börsenjahr : Das erwartet Anleger 2019

  • -Aktualisiert am

Bietet das neue Börsenjahr für Anleger Grund zur Sorge, oder gibt es Hoffnungsschimmer? Bild: AP

Die Börsen haben ein turbulentes Jahr hinter sich. Doch es wird besser. Ein Blick auf die Aktienmärkte rund um den Globus. Ein Gastbeitrag.

          Das Anlagejahr 2018 war nichts für schwache Nerven: Brexit-Verhandlungen, Handelskrieg, Krisen in Argentinien und der Türkei und Italiens Haushaltsstreit mit der EU belasteten die Märkte. Nach starkem Jahresauftakt gaben die Aktienkurse deutlich nach. Der Ölpreis stieg erst steil an und brach dann genauso abrupt wieder ein. Aus Anlegersicht schien es in diesem Jahr genug Gründe zu geben, einen Bogen um Risikoanlagen wie Aktien zu machen, zumal steigende Zinsen für zusätzlichen Abwärtsdruck sorgten.

          Ungeachtet aller geopolitischen und sonstigen Störfeuer sehe ich aber einen zentralen Faktor, der für fundamentale Unterstützung sorgen sollte: die robuste amerikanische Wirtschaft. Wenn diese bis zum nächsten Juli weiter wächst, wäre der aktuelle Aufschwung der längste in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte – länger als die bis dato längste Expansionsphase, die von März 1991 bis März 2001 dauerte. Sehen wir uns also die wichtigsten Regionen genauer an.

          Amerika

          In den Vereinigten Staaten ist die Rückkehr zu einem normaleren Zinsniveau in vollem Gange. Aber: Restriktiv ist die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank deshalb noch nicht. Tatsächlich erinnert die aktuelle Normalisierungsphase stark an die Zinskorrekturen der Jahre 1994/95 und 2004/05 in der Mitte der jeweiligen Konjunkturzyklen. Beide Male dauerte der Aufschwung, nachdem die Zinsen wieder ein „normales“ Niveau erreicht hatten, noch mehrere Jahre an, und die Aktien- und Immobilienmärkte erklommen neue Höchststände.

          John Greenwood ist Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Invesco.

          Die meisten Marktbeobachter kommentieren praktisch nur Höhe und Entwicklung der Zinsen. Dabei ist das Geld- und Kreditwachstum für die Notenbanken eine genauso wichtige Größe. Um ein stabiles Ausgabenwachstum zu ermöglichen, dürfen die Geldmenge und die Kredite weder zu schnell noch zu langsam wachsen. Bei einem Geld- und Kreditwachstum von zuletzt unter 4 Prozent beziehungsweise rund 4,5 Prozent spricht nichts für einen plötzlichen Anstieg der Ausgaben, eine deutlich höhere Inflation oder einen abrupten Anstieg der langfristigen Zinsen. Ganz im Gegenteil: Wenn der Trend andauert, dürften wir 2019 vorwiegend niedrigere Teuerungsraten und eine sehr flache Zinskurve sehen.

          Damit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es der Fed gelingt, den Weg für einen Aufschwung zu ebnen, der noch mehrere Jahre andauert, nachdem 2019 oder 2020 das „neutrale“ Zinsniveau erreicht ist. Als „neutral“ wird der Zinssatz bezeichnet, bei dem die Wirtschaft weder angekurbelt noch gebremst wird, sondern beständig wächst. Solange auch die Geldmenge moderat und beständig zunimmt, sehe ich auch kein Inflations- oder Überhitzungsrisiko durch den engen amerikanischen Arbeitsmarkt oder die expansive Fiskalpolitik der Regierung. Das wiederum wird das Risiko eines stärkeren Zinsanstiegs begrenzen und damit auch das Abwärtsrisiko für die Aktien- und Anleihemärkte.

          Was die Handelspolitik von Präsident Trump angeht, dämpfen die eingeführten Zölle das Handelsvolumen und erhöhen die Kosten für Unternehmen und Verbraucher in den Vereinigten Staaten durch teurere Importe. Solange der Konsum und die Investitionen im Inland aber nicht einbrechen, sollten die Belastungen durch die Handelspolitik begrenzt bleiben. Die Vereinigten Staaten dürfte der Zollkrieg nur wenige Zehntel eines Prozentpunktes an Wirtschaftswachstum kosten und China nur wenig mehr.

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