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Diamanten : Ein Stein braucht eine edle Geschichte

„Raj Pink“: Groß und rosa genügte dem Publikum nicht. Bild: dpa

Diamanten sind ein Symbol des Reichtums. Aber es geht nicht um Karat, sondern um den Nimbus. Dazu braucht der Stein eine Geschichte, wie die jüngsten Auktionsergebnisse zeigen.

          Geht es um Versteigerungen von Diamanten, so möchte man meinen, es komme nur auf die Karatzahl  an. Weit gefehlt und wohl ein Vorurteil, derer die entweder nicht reich oder es gerade erst geworden sind.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der wahre Geldadel will Steine mit Geschichte - und zwar einer interessanten und edlen Geschichte, die man seinesgleichen gern erzählt, wenn man das erlesene Stück vorzeigt oder zumindest von ihm spricht.

          Das zeigte sich in dieser Woche bei den Diamantauktionen der Welt. Gleich drei große „Klunker“ fanden keine Käufer.

          Das traf vor allem den „Raj Pink“, den Sotheby’s in Genf angeboten hatte, mit 37,3 Karat nicht weniger als der größte bekannte pinkfarbene Diamant der Welt. Doch bei vergleichsweise geringem Bieterinteresse verharrte der Preis am Mittwochabend bei umgerechnet rund 12 Millionen Euro und blieb damit weit unter der Schätzung.

          Verkauft für 12,3 Millionen Euro: Der pinkfarbene, gut 19-karätige „Grand Mazarin“ aus dem 17. Jahrhundert

          Die Experten des Auktionshauses hatten den Ring mit dem dicken Stein auf mindestens 17 Millionen Euro geschätzt. Der Auktionator ließ seinen Hammer in einem Hotel in Genf nach wenigen Minuten auf das Podium niedersausen und verkündete „Nicht verkauft“.

          Wer den „Raj Pink“ angeboten hatte, blieb ein Geheimnis. Kein Geheimnis ist seine Geschichte. Diese hat er nämlich nicht. Der Stein wurde erst 2015 in Südafrika entdeckt.

          Dagegen ging der mit 19,07 Karat wesentlich kleinere, ebenfalls pinkfarbene „Grand Mazarin“ am Dienstag bei Christie's für rund 12 Millionen Euro über den Tisch, also eben für den Startpreis des „Raj Pink“. Wenn nur die Karat zählten, wäre dieser damit mit nur dem halben Preis des „Mazarin“ ein Schnäppchen gewesen.

          Die „Donnersmarck-Diamanten“: 102,54 Karat und 82,47 Karat

          Aber der „Mazarin“ hat etwas zu erzählen, erhielt er doch seinen Namen vom französischen Kardinal Mazarin, dem er einst gehörte. Dieser diente im 17. Jahrhundert unter anderem dem Sonnenkönig Ludwig XIV. und hatte seine Diamantensammlung seinerzeit der Krone vermacht.

          Mit Berichten über einen Staatsmann des Absolutismus' lassen sich nicht nur Abende füllen (wenn man geschichtskundig ist), es verbindet sich damit auch der Nimbus von märchenhaftem Reichtum, Königsglanz und nicht zuletzt Macht.

          Pauline Grafin von Donnersmarck hieß eigentlich Esther Lachmann, später La Païva und war Kurtisane.

          Dagegen haben die sogenannten „Donnersmarck-Diamanten“, die am Mittwoch gleichfalls liegen blieben, zwar eine Geschichte, doch die ist weniger glanzvoll.  Denn die zwei gelben Diamanten mit zusammen 185 Karat, die bei einem Startpreis von 7,7 Millionen Euro nur ein Fünfzehntel des „Grand Mazarin“ kosten sollten, gehörten einst einer der erfolgreichsten Kurtisanen des 19. Jahrhunderts in Paris.

          Pauline Henckel von Donnersmarck war 1819 unter dem Namen Esther Lachmann als Kind armer polnischer Juden in Moskau geboren worden und floh mit 17 Jahren aus ihrer Ehe nach Paris. Dort wurde sie als Kurtisane unter dem Namen „Marquise de Païva„ oder „La Païva“ bekannt, ehe sie zuletzt den elf Jahre jüngeren Reichsgrafen Guido Henckel von Donnersmarck, Cousin Bismarcks und einen der reichsten Männer seiner Zeit ehelichte. Möglicherweise fand sie sogar Niederschlag in Balzacs Werk „Glanz und Elend der Kurtisanen“, dessen Hauptfigur ebenfalls eine Jüdin namens Ester ist.

          Eine illustre Geschichte also, aber keine mit der ein Mitglied der Oberschicht sich identifizieren möchte, hat es doch viel mit einer Abhängigkeit am Rand der Armut und des Absturzes zu tun, geborgtem Reichtum sozusagen. Dann doch lieber Kardinal.

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