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Neuer Aufsichtsratschef : Auf Friedrich Merz folgt bei Blackrock Michael Rüdiger

Michael Rüdiger folgt auf Friedrich Merz. Bild: Deka

Kein Politiker, sondern Banker: Der in der Deka amtsmüde Rüdiger kann beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock Themen aus der Sparkassen-Fondsgesellschaft aufgreifen.

          2 Min.

          Vier Jahre hat der CDU-Politiker Friedrich Merz dem weltgrößten Vermögensverwalter der Welt in Deutschland die Türen zu den Reichen und Mächtigen geöffnet. Im Februar 2020 legte Merz den Aufsichtsratsvorsitz von Blackrock in Deutschland nieder, um sich auf die Kandidatur zum CDU-Vorsitz zu konzentrieren. Sein Nachfolger ist weniger schillernd, aber dafür vom Fach: Michael Rüdiger, der Ende 2019 amtsmüde vom Vorstandsvorsitz der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka abgetreten ist.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der 56 Jahre alte Rüdiger wollte eigentlich mit seiner Ehefrau und dem Campingmobil viel auf Reisen gehen. So kündigte er es jedenfalls selbst an, als er im Dezember 2018 seinen Ausstieg aus der Deka begründete – trotz laufenden Vertrages. Doch das war wohl nur die halbe Wahrheit. Auch gesundheitliche Probleme und die spezielle Unternehmenskultur der Deka sollen Rüdiger die Arbeitslust geraubt haben, heißt es.

          Das „Du“ im Deka-Vorstand ist  verschwunden

          Sein Nachfolger Georg Stocker hat das von Rüdiger im Deka-Vorstand weitgehend eingeführte „Du“ schnell wieder abgeschafft. Dabei zog sich Rüdigers Abschied von der Deka ein ganzes Jahr bis Dezember 2019 – diese Übergangsphase reichte offenbar, um Lust auf Neues zu wecken. Jedenfalls reicht dem gebürtigen Nordhessen sein Rückzugsort am Ammersee nicht. Zu seinem Aufsichtsratsmandat im Chemiekonzern Evonik kam gerade das der Deutschen Börse hinzu. Und nun mit dem Aufsichtsratsvorsitz bei Blackrock geht für Rüdiger vermutlich manche Tür auf, die bisher verschlossen blieb.

          Aber auch Blackrock wird von Rüdiger profitieren. Der an der Universität Gießen ausgebildete Betriebswirt bringt ein tiefes Netzwerk mit und kennt Kapitalmarktthemen in ihrer ganzen Breite. Als er im Herbst 2012 in der Deka anfing, litt diese unter Mittelabflüssen und unterdurchschnittlichen Aktienfonds. Beide Schwächen wurden unter Rüdigers Ägide ausgemerzt, wobei das operative Geschäft vielleicht gar nicht zu seinen größten Stärken gehört. Lieber erzählte Rüdiger jedenfalls vom Beginn seiner Karriere, als er – damals in Diensten Schweizer Banken – als Berater deutsche Großbanken bei Fusionsverhandlungen und Effizienzmaßnahmen unterstützte.

          Nachhaltigkeit als Steckenpferd

          In der Deka verankerte Rüdiger Nachhaltigkeit und aktives Vertreten von Aktionärsinteressen auf Hauptversammlungen – beides lange bevor Nachhaltigkeit das Topthema wurde. Auch Blackrock will aktivistischer werden und Klimaschutz von Unternehmen stärker einfordern, wie der Vorstandsvorsitzende Larry Fink im Januar schrieb. Mit mehr als 6 Billionen Dollar an verwalteten Kundenvermögen, davon 120 Milliarden Dollar von deutschen Kunden, ist Blackrock ungleich größer als die Deka mit rund 300 Milliarden Euro Kundenvermögen. Aber der Großteil von Blackrocks Fonds sind ETFs, die stur einen Index nachbilden. Teil von Rüdigers Aufgaben könnte es daher sein, beratend darauf einzuwirken, dass Blackrocks stärker auf nachhaltige Indizes setzt. Und dafür bei Pensionskassen und Stiftungen um Geld werben.

          Schon vor seiner Deka-Tätigkeit hat sich Rüdiger als Deutschland-Chef der Credit Suisse ein zurückhaltendes, aber souveränes Auftreten zugelegt. Polternd wie manchmal Merz, wird man ihn wohl selten hören. Rüdiger und Merz unterscheiden sich nicht nur im Profil, sondern auch im Stil.

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