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Commerzbank : Auch nach dem Abstieg ein Kellerkind

Zu den Spekulationen über eine Fusion mit der Deutsche Bank hält sich Commerzbank-Chef Zielke bislang bedeckt. Bild: Soeren Stache/dpa

Die Aktie der Commerzbank befindet sich auch nach dem Abstieg in den M-Dax im freien Fall: Die 2016 ausgegebenen Ziele für das Jahr 2020 wackeln bereits. Mitarbeiter treibt zudem die Angst vor ausufernden IT-Kosten um.

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          Wenn eine Fußballmannschaft absteigt, hat das für die Anhänger oft wenigstens einen Vorteil: In der neuen Saison, dann eine Liga tiefer, tut sich die Mannschaft meist leichter, es wird häufiger gewonnen, das wirkt wie Balsam auf der Fan-Seele. So dominieren gerade die Bundesliga-Absteiger Hamburger SV und 1.FC Köln zum Wohlgefallen ihrer Anhänger die Zweite Bundesliga.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aktionäre der Commerzbank dagegen haben vom Abstieg ihrer Aktie vom Dax in den M-Dax nichts gehabt. Auch eine Börsenliga tiefer findet sich die Commerzbank-Aktie im Tabellenkeller wieder. Seit ihrem Abstieg im September hat sie 32 Prozent verloren, der M-Dax nur 9 Prozent. Unter 50 M-Dax-Werten haben nur die Aktien von Salzgitter, Gea und Schaeffler mehr verloren.

          Am Donnerstag werden der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke und der Finanzvorstand Stephan Engels die Geschäftszahlen für das Jahr 2018 vorstellen. 13 Analysten erwarten, dass die Commerzbank im vierten Quartal einen kleinen Gewinn nach Steuern zwischen 14 und 149 Millionen Euro erzielt hat.

          Das größte Risiko der Commerzbank-Aktie

          Dann läge der Jahresgewinn zwischen 762 und 900 Millionen Euro – immerhin ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Jahr 2017, als die Commerzbank nur 156 Millionen Euro nach Steuern verdiente. Im Durchschnitt werden 79 Millionen Euro Gewinn im Quartal und 828 Millionen Euro im Gesamtjahr erwartet. Andrew Coombs, Analyst von der Citigroup, vermutet, dass die Commerzbank die Erwartungen mit einem Quartalsgewinn von 275 Millionen Euro schlagen wird und steckt deshalb ein Kursziel für die Aktie von 6,95 Euro.

          Doch selbst wenn der Commerzbank am Donnerstag eine kleine Überraschung gelänge: Die Aktie reagierte zuletzt bei den Geschäftszahlen für das dritte Quartal kaum noch darauf. So meint auch Jernej Omahen, der mit einem Kursziel von 11,20 Euro relativ optimistische Analyst von Goldman Sachs, dass die größten Risiken für die Commerzbank-Aktie weniger in der Geschäftspolitik als in einer stärkeren Abschwächung der Weltkonjunktur und in einer sich verschlechternden Kreditqualität lägen. Da ist sicherlich einiges dran.

          COMMERZBANK

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          Denn die Commerzbank litt zwar bisher in ihrem großen Firmenkreditgeschäft unter niedrigen Margen, aber der Anteil fauler Krediten war dort zuletzt rekordverdächtig niedrig. Umso größer sind die Ängste, dass sich dies in der Zukunft ändern könnte. Als im vierten Quartal 2018 klarwurde, dass die Konjunktur nachlässt, geriet die Commerzbank-Aktie unter den schwachen deutschen Banktiteln besonders unter Abgabedruck und kam mit dem Jahrestief bei 5,38 Euro dem Allzeittief aus dem Jahr 2016 bei 5,15 Euro recht nahe. Inzwischen hat sich der Kurs leicht auf 6,44 Euro erholt.

          Nicht nur Ertragsziel wackelt

          Doch es sind nicht nur Ängste vor mehr faulen Krediten, die Anleger umtreiben sollten. Die Ziele, die von dem damals neu angetretenen Vorstandsvorsitzenden Zielke im September 2016 für 2020 ausgegeben worden sind, erscheinen heute kaum mehr erreichbar. Das liegt auch daran, dass die Commerzbank ihr Zertifikate-Geschäft an Société Générale verkauft und deshalb einen dreistelligen Millionenbetrag an Erträgen weniger hat.

          Aber das ist es bei weitem nicht allein. Neben dem Ertragsziel, das die Bank schon aufgegeben hat, wackeln auch die Kosten- und Renditeziele erheblich. Im Jahr 2018 wendete die Bank nach neun Monaten mehr als 80 Cent auf, um einen Euro Ertrag zu erzielen. Wie sie, wie geplant, im Jahr 2020 auf 66 Cent kommen will, wird Zielke am Donnerstag erklären müssen. Auch die Eigenkapitalrendite von zuletzt 4 Prozent hinkt den eigenen Erwartungen von 6 bis 8 Prozent weit hinterher.

          Deshalb hinterfragt, wie berichtet, auch die Europäische Bankenaufsicht die Strategie der Commerzbank: Sie investiert viel in Wachstum und gewinnt damit auch, wie geplant, neue Kunden. Alte und neue Kunden werfen aber weniger Ertrag ab als gedacht.

          Als eine der größten Risiken gilt dem Vernehmen nach unter Mitarbeitern, dass die IT-Kosten ausufern könnten. Die Commerzbank bereitet sich gerade auf die Digitalisierung vor, baut dafür ihre Zentrale um. Die 2600 Mitarbeiter dort sollen künftig in kleinen Projektteams arbeiten, damit die Produkte schneller als bisher zu den Verkäufern in den noch immer rund 1000 Filialen geliefert werden.

          Erfolg einer Fusion bleibt fraglich

          In den „Cluster“ genannten kleinen Laboren sollen Bankfach- und IT-Mitarbeiter gemeinsam digitale Prozessketten entwickeln und betreiben – eine Revolution nicht nur kulturell. „Dafür ist unsere IT gar nicht ausgelegt. Sie ist nicht kleinteilig, sondern über zentrale Großrechner gesteuert“, sagt ein Mitarbeiter der Bank. Erst im vierten Quartal 2019 werde man absehen, ob das für die Umstellung der IT geplante Kostenbudget reiche. Bisher hat sich die Commerzbank zum Ziel gesetzt, insgesamt im Konzern im Jahr 2020 nicht mehr als 6,5 Milliarden Euro auszugeben.

          Dabei gilt die IT der Commerzbank im Vergleich zur Deutschen Bank als geradezu vorbildlich. Die Deutsche Bank werde noch Jahre brauchen, um die Postbank voll zu integrieren, sagt ein Fachmann, der seinen Namen hier nicht lesen will. Auch deshalb wäre es keineswegs ausgemacht, dass eine Fusion aus Deutscher Bank und Commerzbank ein Erfolg würde.

          Wettbewerber wie ING freuen sich jedenfalls schon mehr oder weniger unverhohlen, dass beide Banken jahrelang mit sich selbst beschäftigt wären. Dennoch werden Commerzbank-Chef Zielke am Donnerstag Fragen zu einem solchen Zusammenschluss kaum erspart bleiben – zu überzeugt scheint die Bundesregierung davon zu sein. Mit einem Anteil von 15,6 Prozent ist der deutsche Staat wichtigster Aktionäre der Commerzbank. Und er will mit der Aktie natürlich aus dem Tabellenkeller heraus. Die Frage ist nur, wie das gelingt.

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