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Fondsmanager Ashish Kochar : Man muss nicht in alles investieren

Fondsmanager Ashish Kochar: „Man muss nicht auf alles setzen, was gerade heiß und in Bewegung ist.“ Bild: dpa

Ashish Kochar, Fondsmanager der amerikanischen Anlagegesellschaft Columbia Threadneedle über die Vorteile von Long-/Short-Fonds und Einzelaktien.

          3 Min.

          Die großen Aktienmärkte in den Vereinigten Staaten und Europa sind in der seit acht Jahren anhaltenden Hausse schon reichlich heiß gelaufen. Mancher Anleger fragt sich, ob es sich jetzt noch lohnt, Aktien zu kaufen, oder ob er nicht genau zum falschen Zeitpunkt, kurz vor dem nächsten Abschwung, einsteigen würde. Ashish Kochar ist da gelassener. Der Fondsmanager der amerikanischen Anlagegesellschaft Columbia Threadneedle macht einfach beides. Für seine sogenannten Long-/Short-Fonds kauft er regelmäßig Aktien von rund 40 Unternehmen, von denen er Kurssteigerungen erwartet (Long-Positionen), und setzt über Derivate bei ebenso vielen Unternehmen auf die Kursverluste (Short-Positionen).

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gerade in Zeiten, in denen die Kurse insgesamt schon stark gestiegen sind, kann die Auswahl einzelner Aktien lohnender sein, als einfach in ganze Märkte zu investieren, wie viele Anleger es über die preisgünstigen Indexfonds (ETF) tun. Wer sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzt, kann im Idealfall an beiden Bewegungen mitverdienen. „Wenn man nur Long-Positionen eingeht, kann man nur durch Verkäufe gegensteuern, wenn die Kurse sinken; wir können auch durch unsere Short-Positionen gegensteuern“, sagt Kochar. Um die Renditen einigermaßen stabil zu halten, versuchen er und seine Kollegen beide Seiten auszutarieren: „Wir versuchen das Portfolio immer so auszurichten, dass wir durch Kursgewinne und Kursverluste immer ungefähr gleich viel Rendite erzielen.“

          Die relativ sicheren Kandidaten

          Allerdings muss man bei der Strategie des „Stock-Pickings“ einiges beachten, um eben nicht genau auf die falschen Einzelwerte zu setzen. Aus Sicht von Kochar ist vor allem eines entscheidend: „Wenn man sich auf die Auswahl einzelner Aktien konzentriert, ist das Wichtigste, dass man das Geschäftsmodell eines Unternehmens versteht.“ Deswegen hält der Fondsmanager die Zahl der Einzelwerte, in die er investiert, im überschaubaren Rahmen. Die Hälfte der Engagements, mit denen Kochar auf steigende Kurse setzt, sind aus seiner Sicht relativ sichere Kandidaten: Unternehmen wie Amazon und Google.

          Die sind zwar schon sehr hoch bepreist, Kochar erwartet aber, dass sie auch in den nächsten Jahren noch gute Renditen einfahren werden. Um das Prinzip zu erklären, zieht er den Frankfurter Häusermarkt als Rechenbeispiel hinzu: Hätte man vor einigen Jahren hier ein Haus für 100 Euro kaufen können und es zu regelmäßig 10 Euro vermieten können, koste das gleiche Haus heute vielleicht 1000 Euro, ist aber ebenfalls nur noch für 10 Euro im Monat zu vermieten. Das Haus wirft zwar weiterhin eine verlässliche Rendite ab, die verglichen zum Kaufpreis aber kleiner ist. Wer das Haus dennoch kauft, setzt mehr darauf, dass der Preis noch weiter wächst.

          Ähnlich sei das bei den großen Technologiekonzernen wie Amazon, wo sich Kochars Erwartungen schon einmal deutlich übererfüllt haben. „Wir haben im Jahr 2014 Amazon-Aktien gekauft und erwartet, dass sich ihr Wert in drei Jahren verdoppelt“, erzählt der Fondsmanager. „Tatsächlich hatte sich der Wert aber schon nach einem Jahr verdoppelt, und wir haben die Profite mitgenommen. Normalerweise halten wir solche Kern-Investments allerdings länger.“

          „Wir wetten nicht auf politische Maßnahmen“

          Den Rest seiner Long-Positionen verteilt Kochar auf zyklische Werte, zum Beispiel einen Sportartikelhersteller, bei dem eine neu gebaute Fabrik zu höheren Umsätzen führen dürfte, sowie auf Unternehmen in sogenannten Spezialsituationen. Hierunter fallen zum Beispiel Konzerne, die gerade Firmen zugekauft haben und mit Kostensynergien rechnen. Auf der „Short Side“ gibt es ähnliche Kategorien. In den vergangenen Jahren ist dem gebürtigen Inder und seinem Team die Aktienauswahl gut gelungen. „Unsere Trefferquote liegt bei 70 Prozent – in so vielen Fällen haben wir mit unserer Entscheidung für ein Long- oder Short-Investment richtig gelegen“, sagt Kochar.

          In manchen Fällen, zum Beispiel wenn die Aussichten für eine Branche unklar sind, setzt er beim gleichen Wert sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse, um mögliche Verluste abfedern zu können. „In der Biotechnologie haben wir sowohl Long- als auch Short-Positionen, weil derzeit unklar ist, wie sich die amerikanische Gesundheitspolitik weiterentwickelt“, sagt Kochar. Grundsätzlich versuchten er und seine Kollegen, ihre Investments nicht an politischen Entwicklungen wie etwa angekündigten Steuererleichterungen auszurichten, weil die Politik schlicht zu unvorhersehbar sei. „Wir wetten nicht auf politische Maßnahmen.“

          Überhaupt erlaubt die Auswahl weniger Aktien Kochar und seinem Team, auch viele Markttrends zu ignorieren. „Man muss nicht auf alles setzen, was gerade heiß und in Bewegung ist. Klar könnte man jetzt in Bitcoin investieren. Aber Bitcoin verstehe ich nicht, also lasse ich lieber die Finger davon.“

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