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Argentinische Umschuldung : Dieses Mal soll alles anders werden

  • -Aktualisiert am

Wirtschaftsminister Martín Guzmán Bild: AFP

Wer in argentinische Anleihen investiert hat, wartet auf die Details des Umschuldungsplans des Landes – ein Testfall für die Märkte. Wirtschaftsminister Guzmán hofft zeitweise auf eine Aussetzung aller Schuldenzahlungen.

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          Die Feststimmung am argentinischen Finanzmarkt ist rasch verflogen. Nach einer veritablen Jahresendrally sind die Kurse von Aktien und Anleihen zum Jahresbeginn abermals unter Druck geraten. Der Leitindex S&P Merval gab in den ersten Tagen des neuen Jahres zeitweise um mehr als 5 Prozent nach. Der Risikoaufschlag für Dollarstaatsanleihen liegt wieder rund 20 Prozentpunkte über der Rendite amerikanischer Staatspapiere. Kreditausfallversicherungen (CDS) signalisieren noch immer eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent, dass es in den nächsten sechs Monaten zu Zahlungsausfällen bei argentinischen Staatsanleihen kommen wird, kalkuliert die Börsenfirma SBS. Die neuerliche Eintrübung der Stimmung liegt nicht nur an der globalen Flucht aus Risikoanlagen nach der Eskalation des Iran-Konflikts. Die Marktteilnehmer warten vor allem auf detailliertere Informationen zu der geplanten Restrukturierung der Staatsschulden Argentiniens.

          Erste Maßnahmen der neuen Regierung von Staatspräsident Alberto Fernández, der am 10. Dezember sein Amt angetreten hatte, waren am Markt sehr positiv aufgenommen worden. Anders als befürchtet setzt der neue Wirtschaftsminister Martín Guzmán auf eine Fortsetzung der Konsolidierung des Staatshaushalts, wenngleich mit einem anderen Ansatz als die Vorgängerregierung. Höhere Sozialausgaben sollen durch höhere Steuern auf Exporterlöse und Vermögen mehr als ausgeglichen werden. Auf Überweisungen der Zentralbank zur Finanzierung von Staatsausgaben will die Regierung nur maßvoll zurückgreifen. Die Staatsschulden sollen neu verhandelt werden. Vor allem die nach ausländischem Recht begebenen Anleihen sollen aber offenbar bis zu einer Einigung mit den Gläubigern pünktlich bedient werden. Dazu ließ sich das Schatzamt schon 4,6 Milliarden Dollar aus den Reserven der Zentralbank überweisen. Damit kann die Regierung ihre auf ausländische Währung lautenden Verbindlichkeiten bis April bedienen, kalkuliert die SBS. Sollte die Regierung die Mittel lediglich zur Bedienung von nach ausländischem Recht begebenen Anleihen einsetzen, so könnte ein Zahlungsausfall auf solche Titel sogar für das gesamte Jahr 2020 vermieden werden.

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