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Argentinien : Finanzmärkte gehen von Staatspleite aus

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Ist der Vorwahlsieg des Peronisten Fernandez auch ein Gewinn für Argentinien? Die Finanzmärkte zweifeln daran. Bild: dpa

Nach der Vorwahl-Schlappe von Argentiniens Präsident Mauricio Macri gehen die Finanzmärkte in den Krisenmodus. Ein Zahlungsausfall Argentiniens gilt als sehr wahrscheinlich.

          Argentiniens Präsident Mauricio Macri hat bei der Präsidentschaftsvorwahl eine herbe Niederlage erlitten. Für die internationalen Finanzmärkte war dies ein Signal, dass die Risiken deutlich gestiegen sind.

          Die Kurse der Staatsanleihen des Landes fielen massiv, was sich in deutlich höheren Renditen zum Ausdruck kommt. Die Rendite der 2026 fälligen Staatsanleihe mit einem Zins von 5,875 Prozent stieg von rund 10 auf 15,16 Prozent, die Rendite der Anleihe mit 20-jähriger Restlaufzeit und einem Kupon von 3,75 Prozent von rund 8,75 auf knapp 11 Prozent. Auch die Rendite der 100-jährigen Anleihe kletterte von 9,5 auf 12,65 Prozent. Diese wird nominell mit 7,125 Prozent verzinst.

          Auch die Landeswährung Peso wertete drastisch ab. Wurden am Freitag für den Dollar noch rund 45 Peso bezahlt, so sind am Dienstagmorgen 53 Peso fällig. Zum Teil blieben die Wechselstuben geschlossen. Der Außenwert des Peso ist damit in den vergangenen Jahren um zwei Drittel gefallen. Vergangenes Jahr hatte die argentinische Währung durch zwei Währungskrisen 50 Prozent ihres Wertes verloren.

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          Die Regierung in Buenos Aires beantragte daher beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Darlehen in Höhe von mehr als 57 Milliarden Dollar (fast 51 Milliarden Euro). Macri sagte im Gegenzug Sparmaßnahmen zu. Rund 32 Prozent der Bevölkerung leben laut Statistiken in Armut.

          Bei der Vorwahl vom Sonntag war der wirtschaftsliberale Macri dem Bewerber Alberto Fernández aus dem peronistischen Mitte-links-Lager deutlich unterlegen. Fernandéz geht nun als Favorit in die Präsidentschaftswahl am 27. Oktober. Mit einem schwächeren Abschneiden Macris war gerechnet worden, jedoch nicht mit einem Vorsprung von 15 Prozentpunkten.

          Macri räumte eine „schlechte Wahl“ ein und kündigte an, seine „Anstrengungen zu verdoppeln“. Falls sich die Ergebnisse der Vorwahlen am 27. Oktober wiederholen sollten, dürfte Fernández den Urnengang gleich in der ersten Runde gewinnen. Nach argentinischem Wahlrecht reichen für einen Sieg 45 Prozent der Stimmen oder 40 Prozent der Stimmen mit einem Vorsprung von zehn Punkten.

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          Fernández sprach vor tausenden Anwohnern von einer „neuen Etappe“. Er kündigte an, bis zur Präsidentschaftswahl auch diejenigen noch überzeugen zu wollen, die bei der Vorwahl nicht für ihn gestimmt hatten.

          Macri traf sich zu Beratungen mit Zentralbankchef Guido Sandleris. Das südamerikanische Land steckt bereits seit vergangenem Jahr in einer Rezession. Die Inflation lag in den vergangenen zwölf Monaten bei 40 Prozent, die Arbeitslosenquote beträgt gut zehn Prozent.

          In seiner Frühjahrsprognose für das weltweite Wirtschaftswachstum sagte der IWF für Argentinien ein Schrumpfen der Wirtschaft im laufenden Jahr um 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) voraus. Nach einer Erholung im Laufe des zweiten Halbjahrs 2019 rechnet der IWF für 2020 dann mit einem Wachstum von 2,2 Prozent. Auch der Merval-Aktienindex stürzte am Montag um 30 Prozent ab.

          Fernandez war unter Christina Kirchners Vorgänger und Ehemann, Nestor Kirchner, Kabinettschef gewesen. Dessen Politik und auch die seiner Nachfolgerin war von Kapitalverkehrskontrollen, der Manipulation statistischer Daten und einer protektionistischen Handelspolitik gekennzeichnet, die aber die Krise des Landes nicht lösen konnten, sondern eher zementierten.

          Die Finanzmärkte fürchten, dass Kirchner und Fernandez Anlauf nehmen werden, die Schulden des Landes zum wiederholten Mal neu zu verhandeln. Macri hatte das Vertrauen der Investoren in den vergangenen Jahren mühsam errungen.

          Zahlungsausfall gilt als sehr wahrscheinlich

          Der Markt beginne, einen abermaligen Zahlungsausfall einzupreisen, sagte Edwin Gutierrez, Leiter der Abteilung für Staatsanleihen aus Schwellenländern der Fondsgesellschaft  Aberdeen der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Markt sei nicht willens, Fernandez einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Die Preise der Kreditabsicherungen stiegen deutlich an. Implizierten sie am Freitag noch eine Ausfallwahrscheinlichkeit von immerhin 49 Prozent, so sind es am Dienstag schon 75 Prozent. Argentinien hatte erst 2016 unter Macri mit den Nachwehen der Staatspleite von 2001 abschließen können.

          Derzeit haben Staat und Staatsbetriebe Auslandschulden von rund 16 Milliarden Dollar sowie von mehr als 18 Milliarden Dollar in Peso.

          Die Hoffnungen, dass Argentiniens Wirtschaft nachhaltig funktional werden könne, hätten sich fürs Erste zerschlagen, sagte Patrick Wacker, Fondsmanager für Schwellenländeranleihen bei UOB zu Bloomberg. 

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