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Tech-Aktien : Hedgefonds machen einen Rückzieher

  • -Aktualisiert am

Tech-Aktien können ganz schön riskant sein, wenn das Unternehmen in politische Stürme gerät. Bild: AFP

Viele Profianleger haben ihre Beteiligung an Apple reduziert – Berkshire Hathaway auch. Ändert Warren Buffett seine Meinung zum iPhone-Konzern?

          Hedgefonds an der Wall Street haben angesichts der starken Kursschwankungen von Technologieaktien zum Ende des vergangenen Jahres kalte Füße bekommen. Wie aus Pflichtmitteilungen an die Börsenaufsicht hervorgeht, haben große Hedgefonds ihre Beteiligungen an einstigen amerikanischen Börsenfavoriten wie Apple und Facebook sowie am chinesischen Internetkonzern Alibaba deutlich reduziert. Auch Berkshire Hathaway, die Anlagegesellschaft des berühmten Investors Warren Buffett, hat im vierten Quartal Aktien von Apple verkauft, allerdings nur 1 Prozent ihrer gesamten Beteiligung im Wert von zuletzt rund 40 Milliarden Dollar.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Nach Angaben einer Berkshire-Sprecherin ist das kein Indiz für eine potentielle Abkehr von Apple, der größten Beteiligung im Portfolio von Berkshire. „Einer der anderen Fondsmanager hatte eine Position bei Apple und hat sie teilweise veräußert, um einen Kauf zu tätigen, der damit nicht in Verbindung stand“, teilte Buffetts Assistentin Debbie Bosanek mit. „Von den Aktien, die Warren verantwortet, sind nie welche verkauft worden.“

          Buffett hatte vor einigen Jahren die Hedgefondsmanager Todd Combs und Ted Weschler zu Berkshire geholt, die dereinst seine Rolle des Chefanlegers übernehmen sollen. Sowohl Combs als auch Weschler verwalten jeweils einen Teil des Aktienportfolios von Berkshire und sprechen sich bei ihren Entscheidungen nicht vorher mit Buffett ab. In der Regel gibt Berkshire keine Erklärungen zu einzelnen Aktienpositionen ab. In diesem Fall wollte Buffett aber offenbar Spekulationen über einen möglichen Sinneswandel ersticken.

          APPLE

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          Große Anleger müssen ihre Positionen im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar 45 Tage nach dem Ende des jeweiligen Quartals offenlegen. Anleger kopieren häufig die Anlagen bekannter Investoren. Es gibt sogar Indizes, die den Lieblingsaktien von Hedgefonds folgen. Berkhire hatte die Beteiligung an Apple erstmals vor zwei Jahren in einer Pflichtmitteilung bekanntgegeben. Da Buffett für eine Aversion gegen Technologiewerte bekannt ist, machte dieser Kauf große Schlagzeilen. Die erste Beteiligung an Apple verantwortete – wie später herauskam – allerdings nicht Buffett selbst, sondern einer seiner designierten Nachfolger.

          Ungewöhnlich für Buffett ist allerdings, dass er im vierten Quartal angesichts der gefallenen Kurse keine Apple-Aktien zu güngstigeren Kursen nachkaufte. Vor einem Jahr hatte Buffett noch weitere Käufe angekündigt. „Wir haben rund 5 Prozent des Unternehmens gekauft. Ich würde gerne 100 Prozent besitzen“, sagte Buffett damals. „Wir mögen die Geschäftsführung und die Art, wie sie denken.“ Buffett sieht den iPhone-Konzern auch nicht als Technologiewert, sondern als Hersteller von immens populären Konsumgütern, die in einem eigenen „Ökosystem“ zusammenhängen und es Konkurrenten daher schwermachen. Vor der Aufstockung der Apple-Position im vergangenen Jahr hatte der 88 Jahre alte Investor seine Urenkel und deren Freunde gefragt, wie sie ihre iPhones nutzen. „Der Grad, zu dem das ihr Leben bestimmt, ist riesig“, resümierte Buffett.

          ALIBABA GR.HLDG SP.ADR 1

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          Allerdings steht an der Wall Street derzeit infrage, ob die Nachfrage nach iPhones weiter ausreichend wächst. Der Konzern hatte aufgrund der schwächelnden Nachfrage nach neuen iPhones in China seine Umsatzprognose für das erste Quartal auf 55 Milliarden bis 59 Milliarden Dollar reduziert. Damit lagen die eigenen Prognosen des Unternehmens unter den durchschnittlichen Prognosen der Analysten, die einen Umsatz von mindestens 59 Milliarden Dollar erwartet hatten. Seit Ende des Jahres haben Analysten ihre Erwartungen für das erste Quartal von Apple um fast ein Fünftel reduziert.

          Zu den Hedgefonds, die im ersten Quartal Anteile an Apple verkauften, gehörte Jana Partners, der seine Position halbierte und zudem alle Anteile an Alibaba verkaufte. Auch Soros Fund Management und Appaloosa, die Gesellschaft von David Tepper, verkauften Anteile. Der Kurs von Apple hat sich nach Verlusten von mehr als 30 Prozent im vierten Quartal seit Anfang des Jahres wieder um 8 Prozent erholt. Der Kurs hängt dem Technologiewerte-Barometer Nasdaq-Composite (plus 13 Prozent) aber etwas hinterher.

          NASDAQ COMP.

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          Berkshire hatte im vierten Quartal allerdings Anteile am Software-Konzern Red Hat erworben, der Ende Oktober für 34 Milliarden Dollar vom Technologieriesen IBM übernommen wurde. IBM war eine der ersten größeren Beteiligungen von Buffett in der Technologiebranche gewesen. Nach enttäuschender Kursentwicklung hatte Berkshire die IBM-Aktien wieder abgestoßen. Berkshire trennte sich im vierten Quartal auch von einer Beteiligung am Software-Konzern Oracle. Aufgestockt hat Buffett im gleichen Zeitraum seine Bestände an Banken, darunter Bank of America, U.S. Bancorp und JP Morgan Chase. Bankaktien haben sich seit Jahresanfang noch stärker erholt als Technologieaktien.

          Anleger, die Buffett und andere Profianleger mithilfe der Pflichtmitteilungen kopieren wollen, müssen bedenken, dass sie auf ältere Informationen reagieren. Falls ein Fonds Aktien früh im ersten Quartal erworben hat, sind bis zur Meldung möglicherweise schon mehr als vier Monate vergangen. Im Fall von Berkshire, die Aktien in der Regel länger hält, kann man aber davon ausgehen, dass sich die Aktien weiter im Portfolio befinden. Schnell agierende Hedgefonds haben Papiere aber möglicherweise schon wieder abgestoßen.

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