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Warnsignale aus Amerika : Zitterpartie um Technologieaktien an der Wall Street

  • -Aktualisiert am

An der Wall Street sorgt der schwächelnde Technologiesektor für Aufsehen. Was steckt hinter den schwankenden Kursen? Bild: AP

Die Aktienkurse von Apple, Amazon und Facebook schwanken. Bahnt sich ein gesunder Führungswechsel an oder droht das Ende der Hausse? Warnsignale gibt es jedenfalls genug.

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          Die Aktionäre der großen Technologiefirmen an der Wall Street haben harte Tage hinter sich. Die Kurse von Apple, Amazon, Facebook, Netflix oder der Google-Muttergesellschaft Alphabet haben in den vergangenen Handelstagen deutlich nachgegeben.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Kurse der im breit gefassten Aktienindex S&P-500 enthaltenen Technologiewerte sackten bis zum Wochenbeginn spürbar ab. Gleichzeitig kletterten die Kurse von Finanzdienstleistern und zyklischen Konsumwerten, die dem allgemeinen Börsenaufschwung bislang hinterherhingen. Das glich die Verluste der Technologiewerte aus, so dass der S&P 500 per saldo ein Plus von 0,1 Prozent verbuchte.

          Mittlerweile haben sich die Kurse der Technologieaktien zwar etwas stabilisiert, dennoch sorgt die Zitterpartie an der Wall Street für Aufsehen, weil diese Titel zuletzt die größte Triebfeder des Aktienmarkts waren. Nach starken Gewinnen in diesem Jahr – der Subindex S&P 500 Information Technology liegt weiter mit 34 Prozent im Plus – sind Gewinnmitnahmen zwar auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich. Angesichts der relativ hohen Bewertung amerikanischer Aktien und einer schon seit fast neun Jahre andauernden Hausse fragen sich Anleger aber reflexartig, ob das der Anfang vom Ende des Aufschwungs sein könnte.

          Anlass für die Rotation am Aktienmarkt war die Verabschiedung eines Gesetzesvorschlags im amerikanischen Senat, der unter anderem die Senkung der allgemeinen Unternehmensteuern von derzeit 35 Prozent auf 20 Prozent vorsieht.

          Zwar sind viele Details noch unklar; und das Gesetz muss erst noch mit einer parallelen Version des Repräsentantenhauses abgeglichen werden. Aber Anleger schichteten dennoch rasch in Aktien von Unternehmen um, die im Vergleich zur Technologiebranche höhere Steuern zahlen. Dazu gehören nach Angaben der Investmentbank Goldman Sachs Industriewerte, zyklische Konsumtitel, Telekommunikationsaktien, Finanzdienstleister und Transportwerte. Der durchschnittliche Steuersatz für die großen Technologiewerte liegt derzeit mit 24 Prozent relativ niedrig, hieß es von Goldman.

          „Investoren haben Geld in unterbewertete Substanzwerte und in Segmente investiert, die möglicherweise von einer veränderten Steuerpolitik profitieren werden“, kommentierte Bob Doll, Chef-Aktienstratege des Vermögensverwalters Nuveen. Neben Banken und Investitionsgüter-Herstellern zählt Doll auch traditionelle Einzelhändler, Medienkonzerne und Hausbau-Unternehmen zu den Nutznießern von Steuersenkungen.

          Ausländer investieren in amerikanische Aktien

          „Eine Verbreiterung des Aufschwungs und ein Führungswechsel ist immer gesund“, meint Art Hogan, Aktienmarktstratege beim Wertpapierhaus B. Riley FBR. „Es gab bereits Sorgen, dass die Hausse von nur fünf oder zehn Titeln abhing.“ Zudem könnten Technologieaktien auch im Jahr 2018 weiter eine wichtige Führungsrolle übernehmen.

          Viele Aktienstrategen glauben insgesamt an weitere Kursgewinne. Nach einer Umfrage des Wirtschaftssenders CNBC prognostizieren Strategen im Durchschnitt für den S&P 500 derzeit einen Indexstand von 2750 Punkten zum Ende des kommenden Jahres. Das entspräche weiteren Kursgewinnen von rund 5 Prozent. Die Rekordjagd der amerikanischen Aktien hat in diesem Jahr auch wieder das Interesse ausländischer Investoren geweckt. Nach Erkenntnissen der Deutschen Bank haben Anleger aus dem Ausland bis Ende September mehr als 66 Milliarden Dollar in amerikanische Aktien gesteckt.

          Das Kaufinteresse folgt auf vier Jahre in Folge mit Abflüssen und könnte die Rally an den amerikanischen Börsen weiter stützen – auch wenn ausländische Investoren nach Angaben des Finanzministeriums und der Notenbank insgesamt nur rund 14 Prozent amerikanischer Aktien besitzen.

          Warnsignale wie vor der Krise?

          Nach einer Umfrage der Bank of America Merrill Lynch haben weltweit agierende Fondsmanager im November stärker in amerikanische Aktien umgeschichtet. „Wir wollen, dass sich unsere Kunden stärker in Amerika engagieren“, sagte Michael Russell, Portfoliomanager bei Hermes Fund Managers in London; gegenüber der Zeitung „Wall Street Journal“.

          AMAZON

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          Russell setzt besonders auf Finanzwerte, die von Deregulierung und Wirtschaftswachstum profitierten könnten. Der KBW Nasdaq Bank Index ist in den vergangenen fünf Handelstagen um mehr als 6 Prozent gestiegen. Mit einem Kursplus von knapp 15 Prozent in diesem Jahr schnitt das Branchenbarometer etwas schwächer ab als der S&P 500, der im gleichen Zeitraum um mehr als 17 Prozent zulegte.

          Das Interesse ausländischer Anleger gilt an der Wall Street aber auch als Warnsignal. In den Jahren 2000 und 2007 waren die Zuflüsse aus dem Ausland nämlich stark gestiegen, kurz bevor die langjährigen Aufschwungphasen in heftige Baissen mündeten.

          APPLE

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          Viele Investoren aus Europa, Asien und dem Nahen Osten setzen wie auch die einheimischen Anleger auf amerikanische Aktien, weil sie mit weiterhin robustem Wachstum der Unternehmensgewinne rechnen. Nach Angaben der Analysegesellschaft CFRA dürften die im S&P 500 abgebildeten Aktiengesellschaften ihre Gewinne in diesem Jahr um knapp 11 Prozent steigern.

          S&P 500

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          Für das kommende Jahr prognostizieren die Auguren eine ähnlich kräftige Steigerung. Sollten die avisierten Steuererleichterungen Gesetz werden, könnte das Wachstum noch stärker ausfallen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 ist der S&P-500 aber überdurchschnittlich hoch bewertet. In anderem Worten: Robuste Gewinnerwartungen sind in den aktuellen Kursen bereits reflektiert.

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