https://www.faz.net/-gv6-9lqng

Appell an die EZB : Banken verlangen Abschwächung des Negativzinses

Die EZB im Frankfurter Ostend Bild: dpa

Die Institute der Eurozone zahlen pro Jahr 7,5 Milliarden Euro Strafzinsen an die EZB. In Amerika ist die Lage dagegen eine völlig andere. Der Bankenverband hofft daher auf einen Freibetrag bei der EZB.

          Die deutschen Privatbanken dringen auf ein Entlastung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Wenn sich die Notenbank in Frankfurt in diesem Jahr außerstande sehe, die Zinsen zu erhöhen und die Zeit der Negativzinsen zu beenden, sollte sie zumindest die Zentralbanken in der Schweiz und in Japan zum Vorbild nehmen, die den Banken Freibeträge für ihre Überschussliquidität eingeräumt haben, mahnte der Präsident des Bankenverbandes, Hans-Walter Peters, am Montag in Berlin. Rund 7,5 Milliarden Euro zahlen die Institute in der Eurozone nach seinen Worten aktuell im Jahr an Strafzinsen an die Europäische Zentralbank. Jenseits des Atlantiks hätten die Banken hingegen für ihre Einlagen rund 40 Milliarden Euro Zinsen von der amerikanischen Notenbank Fed kassiert. So gebe es allein wegen der unterschiedlichen Geldpolitik eine Differenz von rund 50 Milliarden Euro.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Peters, der im Hauptberuf Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Berenberg-Bank ist, verwies auf enorme Wettbewerbsvorteile der Konkurrenz. Die amerikanischen Banken stünden phantastisch da. „Die europäischen Banken haben ein echtes Thema.“ Sie hätten in zwölf Monaten zwischen 20 und 30 Prozent an Wert verloren. „Das zeigt, dass wir im Bankenbereich in Europa ein gewisses Problem haben.“ Zwar stünden die Banken in Deutschland solide da, aber in Zeiten niedriger Zinsmargen und großer Regulierungslasten bleibe die Ertragskraft überaus bescheiden.

          Kapitalpuffer könnte Konjunkturkiller werden

          Wie der Bankenpräsident hervorhob, drohen die negativen Zinsen das Ziel der Europäischen Zentralbank zu verfehlen. Strafzinsen könnten die Kreditvergabe belasten, weil mit abnehmender Profitabilität der Banken ihre Fähigkeit zurückgehe, Kredite zu vergeben. Peters zeigte sich zuversichtlich, dass die Notenbank in Frankfurt die Signale aus der Branche erkannt hat und einen Freibetrag ernsthaft in Erwägung zieht.

          Scharfe Kritik übte Peters an der zweiten EU-Finanzmarktrichtlinie, die Fachleute unter dem Kürzel Mifid II diskutieren. Man sei über Mifid II entsetzt. Die Hälfte der Erträge im Beratungsgeschäft seien damit weggebrochen. Grund sei die Informationsflut, die über alle Kunden hereingebrochen sei – auch über solche, die schon lange mit Aktien zu tun gehabt hätten und die Wiederholung der immerselben Informationen auf keinen Fall wollten. Dies habe viele zur Flucht aus der Wertpapieranlage motiviert. Die mit Mifid II verbundenen Kosten hätten zudem dazu geführt, dass es eine Wertpapierberatung nicht mehr in jeder Bank und jeder Filiale gebe.

          Obwohl sich die Konjunktur abgeschwächt hat, befürchten die privaten Banken, dass ihnen die Finanzaufsicht zusätzliches Eigenkapital abverlangen wird. Hinter dem antizyklischen Kapitalpuffer steht die Überlegung, dass die Finanzinstitute in guten Zeiten ein weiteres Polster aufbauen sollten, das sie in schlechten Zeiten nutzen könnten, um Verluste aufzufangen, ohne auf die Kreditbremse treten zu müssen. Doch nun könnte das Gegenteil passieren, warnte Peters: „Aus dem Kapitalpuffer könnte ein echter Konjunkturkiller werden.“

          Zu dem möglichen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank, also der Frage, die die Branche in Deutschland derzeit wie keine andere umtreibt, wollte sich der Verbandspräsident auch auf Nachfragen nicht äußern.

          Weitere Themen

          Das Leid der Fürsten

          Traditionsbank unter Druck : Das Leid der Fürsten

          Hilft striktes Kostenmanagement tatsächlich, schwierige Zeiten zu überstehen ? Der traditionsreichen Fürstlich Castell’schen Bank macht die Niedrigzinsphase besonders zu schaffen.

          Immer noch Skepsis an der griechischen Börse

          Finanzmarkt Athen : Immer noch Skepsis an der griechischen Börse

          Am Athener Aktienmarkt wettet zwar noch niemand auf einen Regierungswechsel. Die positive Entwicklung der Staatsanleihen überträgt sich aber bisher kaum auf die Börsenkursen. Noch immer hallt unter anderem der Skandal um eine einstige Vorzeigefirma nach.

          Topmeldungen

          Kandidatenfeld wächst auf acht : Wer folgt auf May?

          Acht amtierende oder ehemalige Minister aus dem Kabinett der scheidenden Premierministerin haben bislang bekundet, Theresa May beerben zu wollen. Favorit ist Boris Johnson. Es gibt allerdings auch schon prominente Absagen.

          FAZ Plus Artikel: Selbstverantwortung : Kümmer dich um mich!

          Deutschland diskutiert wieder über Sozialismus. Tatsächlich wollen Menschen nicht mehr so viel Verantwortung für ihr Leben haben. Sie lassen lieber andere für sich entscheiden. Wo ist der Wunsch nach Freiheit geblieben?

          Streit um Grenzmauer : Trump diffamiert Richter

          Präsident Donald Trump ärgert sich, weil ein Bundesrichter einen Teil der Mittel für Grenzanlagen blockiert hat. Der Richter sei ein „Aktivist“. Trump hat mittlerweile mit sieben Klagen gegen seine Mauer zu Mexiko zu kämpfen.

          Formel 1 im Liveticker : Das Ferrari-Drama nimmt kein Ende

          Beim legendären Rennen in Monaco liegen die Silberpfeile auch nach dem Start vorne. Ganz und gar nicht gut läuft es für Vettels Teamkollege Leclerc. Auch in der Box geht es turbulent zu. Verfolgen Sie das Rennen im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.