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Anleihenkurse unter Druck : Argentinien will mit IWF über Fälligkeit von Krediten verhandeln

  • Aktualisiert am

Trotz allem genießt Argentiniens Präsident Macri noch einiges an Unterstützung. Bild: dpa

Argentinien will mit dem IWF über die spätere Rückzahlung von Krediten verhandeln. Das bringt die Kurse der Anleihen des Landes unter Druck. Auch der Peso wertet trotz Interventionen ab.

          Die argentinische Regierung will die Milliardenkredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) später zurückzahlen als bislang vorgesehen. Er habe mit dem Fonds Verhandlungen über die Fälligkeit der Kredite aufgenommen, sagte Finanzminister Hernán Lacunza am Mittwoch.

          Zuletzt war ein Team des IWF in Buenos Aires, um die von dem Fonds geforderten Sparmaßnahmen und Reformen zu überprüfen. Nach der Ankündigung von Lacunza sagte IWF-Sprecher Gerry Rice: „Wir verstehen, dass die Regierung diesen Schritt gemacht hat, um für Liquidität zu sorgen und die Reserven zu schützen. Wir stehen in diesen herausfordernden Zeiten an der Seite von Argentinien.“

          Die Ankündigung brachte die Kurse argentinischer Staatsanleihen neuerlich unter Druck. Die Rendite der 2117 fälligen hundertjährigen, mit 7,125 Prozent verzinsten Dollar-Anleihe stieg auf ein neues Hoch von 16,74 Prozent. Die Rendite des mit 6,785 Prozent verzinsten, 2021 fälligen Bonds erreichte 53,73 Prozent.

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          Anfang August waren die Renditen argentinischer Staatsanleihen binnen weniger Tage schon massiv angestiegen, im Fall der hundertjährigen Anleihe von 9,4 auf 15,5 Prozent, nachdem bei den obligatorischen Vorwahlen der wirtschaftsliberale Präsident Mauricio Macri eine herbe Niederlage gegen den linken Oppositionskandidaten Alberto Fernández hinnehmen musste.

          Viele Anleger fürchteten offenbar einen Wahlsieg von Fernández und dessen Vizekandidatin, Ex-Präsidentin Cristina Kirchner, bei der Präsidentenwahl im Oktober. Die ehemalige Staatschefin steht für eine protektionistische Wirtschaftspolitik und eine konfliktreiche Beziehung zum IWF.

          Lacunza machte deutlich, dass an den Zins- und Tilgungszahlen der Schuldverschreibungen
          nichts geändert werde. Der amtierende Finanzminister war erst vor wenigen Wochen Nicolás Dujovne nachgefolgt, der die Auflagen des IWF umzusetzen und ein rigoroses Sparprogramm durchzusetzen bestrebt war. Dujovne war mit der Begründung zurückgetreten, die Regierung brauche eine „erhebliche Erneuerung im Wirtschaftsbereich“. Nach der Wahlniederlage hatte Macri den Sparkurs erheblich aufgeweicht und etwa Steuersenkungen, höhere Sozialleistungen und Preisstopps angekündigt.

          Ökonom Hernan Esteves vom Beratungshaus FyEConsult sieht die angestrebte Umschuldung skeptisch. „Das Problem ist, dass es einen Umschuldungsvorschlag von der einen Regierung gibt, der aber von der nächsten Regierung umgesetzt werden muss. Das macht es sehr schwierig, eine geordnete Restrukturierung hinzubekommen."

          Der IWF hatte Argentinien im vergangenen Jahr einen Bereitschaftskredit in Höhe von 57 Milliarden Dollar gewährt, als die Landeswährung Peso stark abwertete. Der Kurs war seinerzeit von etwa 20 Peso für den Dollar auf mehr als 40 Peso gestiegen.

          Das hatte die Abwertung indes nur verlangsamen können. Nach Macris Wahlniederlage geriet der Peso abermals unter Druck und wertete von 45 bis in der Spitze auf 60 Peso für den Dollar ab.

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          Derzeit verteidigt die argentinische Zentralbank den Peso-Kurs. Als dieser am Mittwoch von rund 56 bis auf 58,66 Peso für den Dollar abwertete, kaufte diese für insgesamt 353 Millionen Dollar Peso auf.

          Die Notenbank gab außerdem bekannt, dass sie die Exportfinanzierung in Peso begrenzen werde. Damit will sie Unternehmen dazu bringen, gehortet Dollar gegen Peso einzutauschen. Edward Glossop, Volkswirt für die Region Lateinamerika bei Capital Economics zweifelt indes daran, dass argentinische Unternehmen im derzeitigen Umfeld wirklich willens sind, sich von Devisen zu trennen. Angesichts einer anhaltender Umschuldungsdebatte und Kapitalflucht, werde der Druck auf den Peso fortbestehen.

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